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Gefahren von Big Data, der Digitalisierung und Industrie 4.0, Teil 3

Ruhe sanft - die Gedanken sind frei

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Auch hier geht es wieder um die Sprache. Einmal um das gesprochene Wort: Selbst wenn sich die Gesprächspartner in einer fremden Sprache unterhalten, wollen die NSA-Linguisten die Inhalte verstehen – daher soll die Maschine bei mangelnder Sprachqualität die fehlenden Worte ergänzen.

2009 ging es darum, fehlende Satzteile zu erahnen – dazu soll ein Hochenergie-Elektroenzephalografiegerät (EEG) verwandt worden sein. Es gibt darüber hinaus Ideen, solche EEG-Kurven von Flugreisenden zu erfassen. Im Anschluss können sie auch schon wie im vergangenen Herbst geschehen, als Binärcode (in Form von Nullen und Einsen) rund um den Globus übertragen werden.

Ein anderes Problem: Die Menschen lügen – viele der Täuschungsversuche seien aber – so Bamford – fast unmerklich und deshalb schwer zu erkennen. Permanent aufmerksame Sensoren und unbestechliche statistische Algorithmen könnten hier helfen.

Aufschlussreich sollen etwa „kurze“ Gesichtsausdrücke sein. Genauso soll es sich mit der Sprache verhalten – wer die Zeitformen der Verben wechselt, könnte womöglich die Unwahrheit sagen. Die NSA wollte wissen, was „x“ über „y“ „denkt“, so Bamford unter Berufung auf eine Wissenschaftlerin, die ihre Stelle bei der NSA mittlerweile – aus ethischen Gründen – aufgegeben haben soll.

Smartphones zeichnen Gangmuster auf

Soweit zur Technik des vergangenen Jahrzehnts. Jetzt zur Zukunft: Das intelligente Telefon enthält einen sehr sensiblen Beschleunigungssensor – und das Wireless Sensor Data Mining Lab der Fordham Universität glaubt, dass ein Mensch allein an seinem Gang erkannt werden kann, wenn der Beobachter Zugriff auf die Daten dieses Sensors hat.

Um den zu erhalten, ist nach Erkenntnis von Symantec lediglich ein Scanner in Form eines Raspberry-Pi-Minicomputers mit Bluetooth-Schnittstelle notwendig. Kosten: 75 US-Dollar. Überwachungskameras sind nur noch für die Zielpersonen notwendig, die kein Telefon bei sich tragen.

Der mittlerweile pensionierte Ira Hunt „mag“ die Vorstellung des Menschen als „wandelnder Sensorplattform“.

Eine solche ist Anshu Jain, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Er trägt ein iArmband von Fitbit. Dieses misst nicht nur die Herzfrequenz, die Atmung, die Körper- und die Umgebungstemperatur, sondern auch psychogalvanische Reaktionen. Damit wird die Herabsetzung des elektrischen Hautwiderstands bezeichnet, sobald durch stärkere psychische Erregung die Sekretion der Schweißdrüsen gefördert wird. Diese Reaktionen werden auch von Lügendetektoren gemessen, um zwischen wahr und unwahr zu unterscheiden.

Wearable-Daten vor Gericht?

Derzeit hat das Geldhaus einige Gerichtsverfahren am Hals. Gut möglich, dass Jain in diesem Zuge von einem Richter gefragt wird: „Verstößt die Deutsche Bank gegen geltendes Recht?“ Dabei wird es ihm weniger um den Inhalt von Jains Worten gehen – der ergibt sich ohnehin aus der Akte, der Summe seiner elektronisch verfügbaren Dokumente. Interessant wird vor allem sein, Jains Gesichtsausdrücke, die Verwendung der Zeitformen und seine galvanischen Reaktionen beim Antworten zu beobachten.

Die Interessenten von derlei Informationen stehen schon Schlange vor unserem Oberstübchen: Geheimdienste, Strafverfolger, Arbeitgeber, Arbeits- und Finanzamt, Datenhändler, Wettbewerber, (Kranken-)Versicherungen, Kriminelle und Terroristen. Wobei die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

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