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Großer Preis von Spanien 2018 Schnelle Datenverarbeitung für schnelle Autos

Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter* / Rainer Graefen

In der Formel 1 kommt es bekanntlich nicht nur auf Höchstgeschwindigkeit an, sondern auf das richtige Bremsen. Nicht zu vergessen die Echtzeit-Rennstrategie: Wann soll ein Boxenstopp gemacht werden, welche Reifen sind aufzuziehen und – ganz wichtig – was machen die Konkurrenten? Fragt sich zum Schluss nur, wer sagt es dem Fahrer.

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Rechenintenisve Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Reifenwechsel?
Rechenintenisve Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Reifenwechsel?
(Bild: Mecedes-Benz-Archiv)

Ein Blick hinter die Kulissen beim Formel-1-Rennen in Barcelona macht dem Außenstehenden deutlich, dass die Teams wirklich um Bruchteile von Sekunden kämpfen - und wie sie sich Vorteile erarbeiten ist streng geheim. Bekannt ist allerdings, wer für welches Team als Partner oder Sponsor arbeitet.

An den großen Trucks im Paddock finden sich auch die Namen der IT-Highflyer. Im Fall von Mercedes-AMG Petronas Motorsport ist Pure Storage mit von der schnellen Partie. Die Speichercompany hat in der Mercedes-Box ein Flash-Array installiert, das zusätzlich gegen Umwelteinflüsse wie Staub und Vibration geschützt ist, denn es reist im Rennzirkus von Ort zu Ort.

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Wer schnell fahren will, muss schneller rechnen

Ein Rennwagen ist in der Probe- und Trainingsphase mit 400 bis 500 Sensoren ausgestattet, im Rennen selbst sind es, auch aus Gewichtsgründen, nur rund 100. Deren Informationen werden beim Pitstop ausgelesen und zwar schon dann, wenn das Auto langsamer wird.

Die Daten werden im Flash-Array gespeichert aber zusätzlich auch in die Mercedes-Fabrik im englischen Brackley geschickt und dort auf Flash-Blades abgelegt. „Pro Rennwochenende fallen rund 500 GByte an Daten an“, beschreibt Alex McMullan, Chief Technology Officer EMEA von Pure Storage die Lage. Das Speicher-Array in der Mercedes-Box an der Rennstrecke kann rund 12.000 Konfigurationen der Rennwägen verwalten, vermutlich sind darunter auch die Konfigurationen der Konkurrenten. Datenverschlüsselung ist also Trumpf.

Und dann geht die Rechnerei los: Welche Zeit mit welchen Reifen, wie schnell ist die Konkurrenz bei Regen, welcher der beiden hauseigenen Fahrer soll zuerst an die Box zum Reifenwechsel kommen, wann wechselt der Hauptkonkurrent?

Selbst der schnellste Fahrer verliert auf sich allein gestellt

Die Szenarien sind ausgefuchst und nur mehr per künstlicher Intelligenz aufzustellen. Im Rennen selbst werden dann Echtzeitdaten eingespeist, das Ergebnis muss ja sofort umgesetzt werden. Geoff Willis, Director of Digital Engineering Transformation bei Mercedes-AMG, beschreibt die Aufgaben so: „Es geht um das Verstehen und Arbeiten unter Zeitdruck in einem dynamischen Umfeld.“

Bei allem Hype um Hamilton, Vettel und Co zählt in der Box deshalb der Titel der Konstrukteursweltmeisterschaft mehr als den erfolgreichsten Fahrer zu stellen. In Barcelona hat übrigens der Mercedes-AMG-Fahrer Lewis Hamilton gewonnen, nicht zuletzt wegen einer fehlerhaften Strategie bei Ferrari, die Sebastian Vettel auf Rang vier abrutschen ließ.

*Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin und Systemischer Coach (SE) in München.

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