Interview mit Everett Dolgner über Software-Defined Storage SDS will Enterprise-Storage mit Commodity Hardware ermöglichen

Autor / Redakteur: Walter Schadhauser / Rainer Graefen

Software-Defined Storage (SDS) gilt als Technik, die bisherige Storage-Konzepte obsolet macht. Durch die Trennung von "Storage-Intelligenz" und Speicher-Hardware sollen sich Storage-Ressourcen flexibler als bislang bereitstellen lassen. Häufig übersehen wird dabei jedoch die zentrale Rolle des Netzwerks.

Firmen zum Thema

Everett Dolgner, Director of Replication Product Management bei Silver Peak
Everett Dolgner, Director of Replication Product Management bei Silver Peak
(Silver Peak)

Storage-Insider: Software-Defined Storage ist angeblich eine Verbesserung im Vergleich zu traditionellen Storage-Konzepten. Worauf gründet sich diese Behauptung?

Dolgner: Durch Techniken wie Virtualisierung und Cloud Computing sowie die Forderung, Daten flexibel in gemischten Private-, Public- und Hybrid-Cloud-Umgebungen bereitzustellen, haben sich die Anforderungen an Storage-Ressourcen drastisch geändert. Sie müssen sich heute deutlich flexibler bereitstellen und anpassen lassen. Und das lässt sich auf der Software-Ebene einfacher bewerkstelligen.

Was heißt Software-Defined Storage denn genau?

Dolgner: SDS geht von der Annahme aus, dass die "Storage-Intelligenz" in flexible Software ausgelagert wird, die sich auf einfache Weise upgraden lässt. Dadurch wird diese Intelligenz von der Hardware der Speichersysteme separiert, ähnlich wie das bei Software-Defined Networking für Switches und Router der Fall ist.

Welche konkreten Vorteile bringt das?

Dolgner: Heutzutage kann sich kein Unternehmen längere oder ungeplante Ausfallzeiten seiner IT und damit verbundene Störungen des Geschäftsbetriebs mehr leisten. Mit SDS haben Anwender die Möglichkeit, exakt die Speicher-Ressourcen zu implementieren, die sie benötigen.

Damit lassen sich viel besser als bislang die Kosten der Datenspeicherung und der Wert der gespeicherten Informationen miteinander in Einklang bringen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Unternehmen dort Speicherkapazitäten bereitstellen können, wo diese benötigt werden, und das außerdem zu niedrigeren Kosten.

Storage-Arrays mit ganzen Batterien von Festplatten sind nicht länger erforderlich. Ein einfacher Server mit einem Hypervisor reicht aus. Ein solches System ist in der Lage, alle Storage-Ressourcen zu verwalten und dabei die geforderte Performance und Sicherheit zu garantieren.

Ein Grundelement von Software-Defined Networking (SDN) und damit auch SDS ist die Trennung der Control Plane von der Data Plane. Wo liegt der Nutzen dieser Separierung?

Dolgner: Dadurch ist es möglich, unabhängig voneinander Upgrades Storage-Hard- und -Software durchzuführen, und nur dann, wenn es notwendig ist. Das bedeutet für den Nutzer eine höhere Flexibilität.

Außerdem kann ein Unternehmen die Storage-Systeme seiner Wahl einsetzen, und dies in Kombination mit Komponenten anderer Anbieter. Die Bindung an einen Hersteller entfällt. Im Endeffekt lässt sich dadurch eine Art Storage-Virtualisierungsebene einrichten, ähnlich wie bei der Server-Virtualisierung.

Inwieweit stellt es für Anwender ein Problem dar, dass Storage-Plattformen unterschiedliche Protokolle und Schnittstellen verwenden?

Dolgner: Die meisten Zugangsprotokolle sind standardisiert, etwa iSCSI und FCP für blockorientierte Daten und CIFS, NFS oder HTTP für dateiorientierte Zugriffe. Selbstverständlich gibt es noch unterschiedliche Schnittstellen für das Replizieren von Datenbeständen und das Management. Aber dies ist eine ähnliche Situation, wie sie heute auch bei dedizierten Storage-Arrays besteht.

Wird Software-Defined Storage zu einer verbesserten Interoperabilität von Speicherprodukten führen?

Dolgner: Kleineren Anbietern von SDS-Lösungen eröffnet sich die Chance, Produkte zu entwickeln, die mit denen anderer Hersteller zusammenarbeiten. Aber dies dürfte nicht so schnell der Fall sein.

Software-Defined Storage wird vielmehr dazu führen, dass Anbieter Orchestration-Layer-Produkte entwickeln. Dank ihnen ist es nicht mehr erforderlich, jede SDS-Instanz separat zu verwalten. Das Management von Storage-Ressourcen lässt sich vielmehr mithilfe einer einzigen Software bewerkstelligen.

Storage galt bislang als einzige Komponente, die noch fehlte, um ein Software-Defined Datacenter aufbauen zu können. Warum diese Verzögerung?

Dolgner: Diese Verzögerung im Vergleich zu Server- und Netzwerktechnologien ist nicht sehr groß. Kleinere Anbieter von SDS-Lösung sind bereits seit vielen Jahren erfolgreich auf dem Markt tätig. Die Limitierungen sind vielmehr auf Seiten der IT-Infrastruktur der Unternehmen zu finden, auch wenn sich dies allmählich ändert.

Welche Limitierungen sind das?

Dolgner: Beispielsweise die Tatsache, dass es für ein größeres Unternehmen eine große Herausforderung darstellt, die vorhandenen Storage-Umgebungen umzubauen, vor allem dann, wenn diese auf Systemen eines oder weniger Hersteller basiert.

Hinzu kommt, dass in solchen IT-Infrastrukturen Systeme und Technologien anzutreffen sind, die sich nur schwer ersetzen lassen. Man denke beispielsweise an Großrechner. Für Unternehmen, die noch nicht auf Software-Defined Storage setzen wollen, besteht daher der erste Schritt darin, eine Orchestration-Lösung zu implementieren.

Lässt sich das gesamte Potenzial von SDS nur dann ausschöpfen, wenn auch Netzwerke und Server virtualisiert werden?

Dolgner: Ja, denn Virtualisierung ist im Zusammenhang mit SDS ein Schlüsselfaktor und entscheidend für Unternehmen, die ihre Geschäftsprozesse optimieren möchten. Erst Virtualisierung ermöglicht es, Workloads in Echtzeit bereitzustellen, zentral zu verwalten und sie über das Netzwerk nach Bedarf hin und her zu bewegen.

Viele Anwender übersehen dabei jedoch, dass Virtualisierung für das Netzwerk eine höhere Belastung mit sich bringt, vor allem dann, wenn die bestehende Netzwerk-Infrastruktur weiterhin genutzt wird. Das kann dazu führen, dass die Bereitstellungszeiten und die Performance von Netzwerkdiensten in erheblichem Maße beeinträchtigt werden.

Wie ist es um die Akzeptanz von SDS bestellt und welche Firmen oder Institutionen zählen zu den ersten Nutzern von Software-Defined Storage?

Dolgner: Software-Defined Storage wird mit Sicherheit die IT- und Storage-Branche drastisch verändern. Aber das wird nicht über Nacht passieren, sondern vielmehr im Zuge eines Transformationsprozesses. Derzeit steht die Implementierung von SDS noch ganz am Anfang. Das heißt, wir sammeln erste Erfahrungen mit dieser Technologie im praktischen Einsatz. Es ist jedoch bereits jetzt absehbar, dass Software-Defined Storage alle Dinge auf den Kopf stellt, die wir bislang über Storage-Technologien und das Bereitstellen von Speicherressourcen wussten.

Was bedeutet das Unternehmen und deren IT-Abteilung?

Dolgner: Sie müssen innerhalb kurzer Zeit Know-how im Bereich SDS aufbauen und ermitteln, wie sich Software-Defined Storage auf die Geschäftsprozesse auswirkt. Außerdem sollten IT- und Storage-Spezialisten prüfen, auf welche Weise ihr Arbeitsgeber vom Einsatz von SDS profitieren kann. Für viele Unternehmen und IT-Verantwortliche bedeutet dies eine gewaltige Herausforderung.

(ID:42941934)