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Wenn die Zeit vor der Archiv-Infrastruktur nicht haltmacht Sechs Leitsätze für das Langzeitarchiv

| Autor / Redakteur: Frank Herold, Manager Presales & Consulting CEE bei Quantum / Rainer Graefen

Viel wird geredet über Compliance, über den Lebenszyklus von Daten und die Haltbarkeit der Datenträger. Doch bei der Langzeitarchivierung gibt es einen weiteren wichtigen Gesichtspunkt: Der „moralische“ Verschleiß von Bandlaufwerken. Der Artikel beschreibt die wichtigen Überlegungen für die ständig notwendige Datenmigration.

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Frank Herold, Manager Presales/Consulting CEE bei Quantum
Frank Herold, Manager Presales/Consulting CEE bei Quantum
( Archiv: Vogel Business Media )

Was nutzen haltbar gemachte Daten, die keiner mehr lesen kann, weil das Format so antiquiert ist wie die Daten selbst? Tape-Generationen wechseln alle 18 bis 24 Monate. Auch wenn die Hersteller im Normalfall eine Medienhaltbarkeit von 30 Jahren und mehr garantieren, so kümmern sie sich doch nicht darum, ob auch noch Maschinen in Haus sind, die eine Lesbarkeit garantieren.

Um ununterbrochenen Zugriff auf Archivdaten zu gewährleisten, kommt man also um Migration nicht herum. Wie diese Migration gehandhabt wird, variiert sicherlich je nach Unternehmen, Menge der archivierten Daten und nach wahrscheinlicher Häufigkeit des Zugriffs. Dennoch: Gedanken sollte man sich schon früh machen, um spätere Probleme zu vermeiden.

Die Spirale dreht sich immer weiter

In großen Archiven wird kontinuierlich migriert. Nach einem genauen Zeitplan werden Datenblöcke – manchmal sind das fast die Hälfte der archivierten Daten – auf andere Formate umgespielt. Die Ressourcen hierfür werden normalerweise von Anfang an eingeplant.

Ähnliches sollte auch von kleineren Unternehmen praktiziert werden. Natürlich könnte man auch zuwarten und die Migration von einem Dienstleister erledigen lassen, aber das kann ins Geld gehen, denn die Migration einer einzigen Tape Kassette kann 2 bis 3 Stunden dauern und bei hohem Medien-Alter auch nicht mehr geläufiges Equipment verlangen.

Dennoch: diese Aufgabe nach allzu langer Zeit selbst zu übernehmen, wird wohl durch den immensen Aufwand für ein normales Unternehmen kaum zu stemmen sein. Es hilft also nichts: Migration muss gut geplant sein. Worauf aber sollte man achten?

  • Erstellen Sie rechtzeitig einen Migrationsplan. Dieser Plan sollte folgende Aspekte berücksichtigen: Wie häufig gibt es bei den Medien einen Generationenwechsel? Welche Menge an Archivdaten muss migriert werden? Welche personellen und technischen Ressourcen stehen hierfür zur Verfügung?
  • Migrieren müssen Sie immer dann, wenn die genutzte Speichertechnologie ausläuft oder der Datenträger seine durchschnittliche Lebensdauer erreicht hat oder ein Defekt droht. Manche Tape Libraries wie die Quantum Scalar i500 oder Scalar i2000 erkennen mit ihrer eingebauten Intelligenz, wann ein Medium ausgetauscht werden muss.
  • Wählen Sie die Zielmedien sorgfältig aus. Sie sollten gängigen Industriestandards entsprechen. Wie oft kann ohne Abnutzungserscheinungen zugegriffen werden? Welche Lebensdauer haben sie bei welcher Lagerung?
  • Stellen Sie sicher, dass die alten Geräte in der Lage sind, die Medien noch zu lesen und auszuschreiben. Deshalb sollten Sie mit einer Migration nicht zu lange warten, denn sonst kann es problematisch werden, noch Support für diese Geräte zu bekommen.
  • Migrationsprodukte auf Host-Ebene automatisieren, zentralisieren und vereinfachen die Migration und garantieren die Integrität der bewegten Daten und das kontinuierliche Funktionieren der Applikation. Ihre Migrationslösung sollte auch die Rate, mit welcher Daten bewegt werden, steuern und der Applikationsauslastung oder dem Zielmedium dynamisch anpassen.
  • Denken Sie ebenfalls an den Qualitätscheck für die migrierten Daten: Ging Struktur, Kontext oder Inhalt verloren? Wie genau wird das getestet? Wie soll eine Dokumentation aussehen?

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