Interview mit Siegfried Betke, Falconstor

Software-defined Storage eliminiert Speichersilos

| Redakteur: Tina Billo

FalconStor hat seine softwaredefinierten Speichertechnologien in der SDS-Komplettlösung FreeStor zusammengefasst.
FalconStor hat seine softwaredefinierten Speichertechnologien in der SDS-Komplettlösung FreeStor zusammengefasst. (Bild: Falconstor)

Ist SDS die Antwort auf die derzeitige Zerstückelung der Unternehmensspeicher und ermöglicht die künftigen Herausforderungen auf Storage-Ebene zu meistern? Siegfried Betke, Sales Account Manager bei FalconStor, stand Storage-Insider.de Rede und Antwort.

Storage-Insider: Softwaredefinierte Speicherung oder deren Vorgänger, die Speichervirtualisierung, sind schon seit Jahren etabliert. Steht die Technologie mit dem neuen Etikett „SDS“ jetzt vor dem breiten Durchbruch?

Siegfried Betke: Tatsächlich erleben wir nichts bahnbrechend Neues, sondern den typischen Entwicklungszyklus in der IT. Wir beschäftigen uns schon seit 16 Jahren erfolgreich mit softwaredefinierter Speicherung und wundern uns manchmal doch sehr über diesen "neuen" Hype.

Aber es stimmt schon, die Verpackung macht es manchmal aus. Wir haben unsere seit Jahren bewährten SDS-Technologien im letzten Jahr in eine komplette Software-defined Storage-Lösung gegossen und vertreiben diese seitdem unter dem Namen FreeStor sehr erfolgreich.

Woher kommt denn die aktuelle Begeisterung für diese dann doch nicht so neue Technologie?

Siegfried Betke: Im Moment erleben wir eine Zerstückelung der Speicherebene. Diese kommt dadurch zustande, dass in einem Rechenzentrum gleich mehrere Speichersysteme parallel betrieben werden. Meist ist ein wahrer Flickenteppich identischer und unterschiedlicher Arrays für jedwede Funktionalität und von mehreren Herstellern im Einsatz. Da kommt natürlich die Frage auf, wie man diesen sogenannten "Storage Sprawl" besser verwalten kann. Und das geht eben nur mit SDS.

Der Begriff SDS ist anscheinend jedoch nicht so einfach zu definieren. Welche Bestandteile muss eine SDS-Lösung Ihrer Meinung nach auf jeden Fall bieten?

Siegfried Betke: Der wichtigste Bestandteil ist klar: die komplette Unabhängigkeit von Soft- und Hardware. Bei einer hardwareunabhängigen Software-Lösung tauscht man einfach nach fünf Jahren die alte Hardware gegen eine neue aus, egal welche. Das sortiert schon mal einen Großteil aller Trittbrettfahrer aus, die sich das SDS-Etikett zu Marketingzwecken selbst aufgeklebt haben. Eine moderne Lösung muss außerdem die Cloud beinhalten und alle Funktionen zur Speicherverwaltung mitbringen.

SDS ist ja ein Teil des zukünftig softwaredefinierten Rechenzentrums. Wie schafft man als Unternehmen den Spagat zwischen der hardwarebasierten Gegenwart und der softwaredefinierten Zukunft?

Siegfried Betke: Unternehmen fangen tatsächlich selten bei Null an und können ihre komplette Hardware nicht einfach so ersetzen. Also gilt es, das Letzte aus den Gesamtbetriebskosten herauszuholen. SDS hilft, die bereits getätigten Investitionen in Speicherhardware zu verlängern. Beispielsweise virtualisiert FreeStor bereits die Hardware-Ebene komplett und stellt sie über eine einzelne Verwaltungsebene dar. In dieser Hinsicht ist die Zukunft bereits Gegenwart.

Die Kosten für Speicher sind leider nur schwer planbar. SDS verspricht hier Abhilfe. Wie kommen die Kostenvorteile zustande und wie sieht das Lizenzierungsmodell bei Ihnen aus?

Siegfried Betke: Interessanterweise entstehen über 60 Prozent aller Speicherkosten durch Software. Hier sind die Hersteller hardwarebasierten Speichers sehr kreativ. Wenn die nächste Box fällig wird, zahlt der Kunde für dieselbe Software gleich noch einmal mit, obwohl er sie ja eigentlich schon bezahlt hat. Bei unserem Lizenzierungsmodell geht es schlicht nach Kapazität. Kennt man sein Datenwachstum, kann man die Kosten per Dreisatz ausrechnen.

Cloud-Umgebungen versprechen weitere Kostensenkungen. Wie lassen sich diese mit dem softwaredefinierten Rechenzentrum verbinden?

Siegfried Betke: Im Prinzip ist es dem Anwender egal, ob die Daten aus der Cloud oder dem eigenen Rechenzentrum stammen – Hauptsache, sie sind schnell verfügbar. Für Unternehmen kommt noch der Kostenaspekt hinzu und die Frage, wie unternehmenskritisch die Daten sind. Verbinden lassen sich Cloud und Rechenzentrum mittels eines Software-Stacks.

Wie zum Beispiel OpenStack. Wird OpenStack "die" Lösung für ein preiswertes Information Lifecycle Management werden?

Siegfried Betke: OpenStack steht noch am Anfang und ist derzeit noch zu komplex für den Unternehmenseinsatz. Man kann das mit dem Start von Linux vergleichen: Der Kernel ist frei, aber lauffähig ist es für die meisten Anwender erst mit den entsprechenden Distributionen.

Das Thema Komplexität treibt die Storage-Branche seit einiger Zeit um. Einige Anbieter sagen, die Antwort seien hyperkonvergente Systeme. Was halten Sie davon?

Siegfried Betke: Hyperkonvergente Systeme werden ja gerne als Lego-Modelle angepriesen. Das klingt spielerisch einfach und ist auch irgendwie logisch. Leider hat das Ganze den Effekt, dass die Legosteine in diesem Konzept alle die gleiche Farbe haben müssen – die ultimative Herstellerbindung!

Wir gehen den genau entgegengesetzten Weg: Mit FreeStor kann man sich nicht nur die Farbe der Lego-Klötze aussuchen, sondern auch die Form, samt allen Lego Starwars Sonderklötzen, vergoldet, mit Schnörkeln oder eingesetzten Diamanten.

Die Datenmengen steigen und in vielen Unternehmen entstehen Speichersilos. Sind diese noch zeitgemäß und wie gelingt deren Konsolidierung bei Bedarf am Besten?

Siegfried Betke: Es scheint aktuell als würde man zum Mainframe zurück wollen – unter dem Deckmantel der Virtualisierung und des softwaredefinierten Rechenzentrums. Alles zentralisiert auf einer dedizierten Hardware, aus einer Hand und mit nur einem Ansprechpartner im Supportfall. In der heutigen Schnelllebigkeit mit sich rasch ändernden Geschäftsprozessen wäre es eine große Herausforderung, damit die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens aufrecht erhalten zu müssen.

Es gilt die Balance zwischen zentralisierter Konsolidierung und dezentralisierter Konsolidierung zu finden. Nur eine Software-Lösung mit einer übergeordneten Sicht auf unterschiedliche Speichersilos kann diese Balance erzielen und halten.

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