Die traditionelle Content-Produktion passt nicht mehr zu den Sehgewohnheiten

Sony ermutigt die Broadcast-Branche zum Cloud Workflow

| Autor / Redakteur: Stuart Almond / Rainer Graefen

In der Cloud zu produzieren, würde die Broadcast-Branche wieder leistungsfähiger machen, glaubt Sony.
In der Cloud zu produzieren, würde die Broadcast-Branche wieder leistungsfähiger machen, glaubt Sony. (Bild: Milles Studio_AdobeStock_63496900)

Die Rundfunk-Branche befindet sich im Umbruch. Die Digitalisierung ist wie ein Sturm aufgezogen und hat viel Staub aufgewirbelt, denn die Sehgewohnheiten des Publikums haben sich entscheidend verändert. Wer überleben will, muss Arbeitsabläufe überdenken und darf nicht zwingend an traditionellen Strukturen festhalten. Hilfe bietet hier ausgerechnet die Cloud, doch der Broadcast-Bereich ist kompliziert und deshalb spät dran, dabei drängt die Zeit.

Mobile Technologien haben die Art und Weise, wie Menschen Inhalte konsumieren, grundlegend verändert. Laut dem neuesten Nielsen Total Audience Report sehen Menschen zwischen 28 und 36 Jahren bereits um 25 Prozent weniger Fernsehen als noch vor fünf Jahren. Bei den 18- bis 27-Jährigen sinkt die Zahl sogar um unglaubliche 40 Prozent.

Dieser Trend wird durch den Aufstieg der OTT-Mediendienste (Over-the-top), also Zugang zu Video- und Audioinhalten über Internetzugänge, noch verstärkt. Netflix hat derzeit rund 109 Millionen Abonnenten weltweit, bei Spotify sind es über 50 Millionen zahlende und weitere Millionen an kostenlosen Abonnenten.

Traditionelles Fernsehen muss sich zügig an die Sehgewohnheiten des heutigen Publikums anpassen, um weiter zu bestehen. Um die Art und Weise, wie sie Inhalte produzieren und verbreiten, zu verändern, bietet sich der Broadcast-Industrie die Cloud an.

Deren Vorteile sprechen für sich: Sie ermöglicht eine größere Beteiligung der Zuschauer am Geschehen vor dem Bildschirm und sorgt für einen dynamischen und effizienten Medienbetrieb. Vor allem aber erhöht die Cloud die Verbreitungsgeschwindigkeit von Medieninhalten sowie deren Gesamtverfügbarkeit.

Also warum zögern Medienunternehmen trotz der offensichtlichen Vorteile schon so lange, während andere Branchen im Angesicht des digitalen Wandels längst aktiv geworden sind?

Schlechte Großwetterlage in der dezentralen TV-Industrie

Um zu verstehen, warum sich die Medienbranche zu wenig dem digitalen Sturm gestellt haben, hilft ein Blick in die Organisationsstruktur: Im Gegensatz zu anderen Branchen ist die Medienbranche stark fragmentiert. Der Workflow wird selten an einem Ort verwaltet, sondern verliert sich in einem Netzwerk von Einzelorganisationen, die sich um verschiedene Aspekte des Produktions- und Distributionsprozesses kümmern. So ein kollaborativer Workflow hat natürlich seine Vorteile, denn jeder kümmert sich um das, was er am besten kann. Wenn allerdings neue Technologien flächendeckend eingeführt werden sollen, erweist er sich als großer Stolperstein.

Doch damit nicht genug. Selbst wenn alle Organisationen die neue Technologie erfolgreich implementieren, bedeutet der Umstieg auf die Cloud immer noch eine völlige Veränderung der Arbeitsabläufe. Das Bedienen eines virtuellen Switches ist eine andere Angelegenheit als das Bedienen eines physischen Schalters. Ebenso funktioniert die Beschaffung von Videoinhalten von einem physischen Medium ganz anders als der Zugriff über die Cloud. Die Migration in die Cloud ist weit mehr als nur die Einführung einer neuen Technologie in einen Prozess. Sie bringt mit sich, dass Menschen umgeschult und Arbeitsabläufe völlig neu definiert werden müssen.

All diese Bedenken sind zwar verständlich, aber relativ leicht zu überwinden, da die Einführung von Cloud-Technologien schrittweise erfolgen kann. Das bedeutet: Im dezentralen Medienumfeld migriert jede Organisationen in ihrem eigenen Tempo. Die meisten Unternehmen verfügen bereits über solide Schulungs- und Entwicklungsprozesse, die sie nutzen können, um ihre Mitarbeiter mit der Cloud vertraut zu machen. Dank ihrer Skalierbarkeit kann die Cloud bei jeder Art von Projekten unterstützen, von kleinen unabhängigen Filmproduktionen bis hin zu internationalen Filmfestivals mit Live-Streaming.

Gute Aussichten dank der Cloud

Die Hindernisse können und müssen überwunden werden, um die Weichen für die Zukunft der Broadcast-Industrie zu stellen. Medienunternehmen, die den Weg in die Cloud gewagt haben, sind oft verblüfft, wie viel einfacher es war, als sie erwartet hatten und wie schnell sie bereits die positiven Auswirkungen dieser Umstellung spüren konnten.

Ein wesentlicher Vorteil von Cloud-Technologien ist die Steigerung der Betriebseffizienz. Werden Inhalte gleich während der Aufzeichnung in die Cloud hochgeladen, verkürzt sich die Zeitspanne für die Erstellung des fertigen Produkts erheblich. Regisseure, Produzenten, Redakteure und Toningenieure können direkt auf den Inhalt zugreifen und in Echtzeit bearbeiten.

Der schnelle Zugriff auf Inhalte hilft auch bei der Einbindung des Publikums. Das Erstellen von großartigen Inhalten reicht für Medienunternehmen nicht mehr aus, um jüngere Generationen an sich zu binden. Inhalte müssen den Jungen nicht nur Spaß machen, sondern ihnen auch so schnell wie möglich und auf vielen Geräten zur Verfügung stehen. Zudem ist die digitale Archivierung und Compliance von großem Vorteil, denn sie ermöglicht es Medienunternehmen und Rundfunkanstalten, den Zugriff auf ihre Archive anzubieten und zu monetarisieren.

Die Medienlandschaft ist im Umbruch und muss sich den veränderten Bedürfnissen eines zunehmend anspruchsvollen Publikums stellen. Im Auge des digitalen Sturms bleibt ihnen nur wenig Zeit, sich an die wandelnde Technologielandschaft anzupassen und die Cloud ins Zentrum ihrer Zukunftsstrategie zu stellen. Moderne Sehgewohnheiten, wie die Nutzung mehrerer Bildschirme oder Virtual-Reality-Erlebnisse von Sportereignissen, funktionieren nur über die Cloud. Immerhin wurden Cloud-Technologien von anderen Branchen bereits erfolgreich erprobt und getestet. Es ist an der Zeit, dass die Medienbranche ihnen folgt und Cloud-Technologien einsetzt, um auch in Zukunft attraktiv zu bleiben.

* Stuart Almond, Leiter Marketing und Kommunikation bei Sony Professional Europe

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