ITK-Gründermotive

Start-ups: Lieber die Welt verbessern als reich werden

| Redakteur: Jürgen Schreier

Wollte man früher als (Jung-)Unternehmer reich werden, so verfolgen Gründer heute eher andere Ziele.
Wollte man früher als (Jung-)Unternehmer reich werden, so verfolgen Gründer heute eher andere Ziele. (Bild: Pixabay / CC0)

Jeder dritte Gründer will mit seinem Start-up die Welt verbessern. Dies ist das erstaunliche Ergebnis, das aus dem vom Digitalverband Bitkom veröffentlichten "Startup Report 2018" hervorgeht und der darüber hinaus Zahlen zu Personal, Finanzierung, Technologie, Standort und Politikzufriedenheit von Gründern liefert.

"Reich werden als Unternehmer oder: Wie werde ich Millionär?" So titelt die Website "Die Unternehmer-Schule", die mit allerlei mehr oder minder nützlichen Tipps für Gründer und solche, die es werden wollen, aufwartet. In Deutschland scheint dieser Gedanke jedoch ein wenig aus der Mode gekommen zu sein. Nur 15 Prozent der im Rahmen der von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbandes befragten Unternehmensgründer gaben an, dass sie mit ihrem Start-up reich werden wollen. Stattdessen hat jeder dritte (36 Prozent) das erklärte Ziel, die Welt zu verbessern.

Erfindergeist gedeiht am Arbeitsplatz (oder in der Kneipe)

Dies ist eines der zahlreichen Ergebnisse des Bitkom-Verbandes unter Start-ups aus der Digitalszene. Und gerade einmal drei Prozent lockte die Hoffnung, mit ihrer Firma Berühmtheit zu erlangen. Am seltensten (zwei Prozent) wurde als Motiv für eine Start-up-Gründung die Angst genannt, dass man ansonsten keinen spannenden (!) Job gefunden hätte.

Auch der berühmte Daniel Düsentrieb, der im stillen Kämmerlein Geniales ertüftelt, ist unter deutschen ITK-Gründern eher die Ausnahme. Die Idee für ein neues Produkt oder eine neue Lösung kommt vielen am Arbeitsplatz - und zwar dann, wenn man zum x-ten Mal denkt, dass die Arbeit, die man gerade verrichtet, sich auch einfacher erledigen ließe. Auch die Kneipe scheint ein prädestinierter Ort für Geschäftsideen zu sein. Im Freundeskreis wird dort überlegt, was die Welt noch brauchen könnte, um glücklicher zu werden.

Gründer wollen etwas "Eigenes" aufbauen

Viele Neugründungen werden also auf den Weg gebracht, weil es für ein bestehendes Problem noch keine Lösung gibt. Mehr als jeder dritte Gründer (70 Prozent) sagt, Motiv für seine Gründung sei die Idee für ein Produkt oder eine Dienstleistung gewesen, die er gerne gehabt hätte und selbst in die Tat umsetzen wollte. Ähnlich viele (68 Prozent) geben an, sich etwas "Eigenes" aufbauen zu wollen. 30 Prozent wollten durch den Schritt in die Selbstständigkeit verhindern, in einem Angestelltenverhältnis zu "versauern".

Bitkom Research hat für diese Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom mehr als 300 deutschen Start-ups befragt. "In Deutschland haben wir viele kluge Köpfe, viele gute Ideen, aber viel zu wenig Gründer. Es sollten mehr Menschen den Schritt von ihrer möglicherweise weltverändernden Idee zur Unternehmensgründung wagen", sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Weitere Ergebnisse des des Digitalverbands Bitkom sind unter anderem:

  • Im Schnitt beschäftigt jedes Start-up in Deutschland aktuell 16 Mitarbeiter.
  • Drei Viertel der Start-ups (73 Prozent) werden in diesem Jahr voraussichtlich neue Arbeitsplätze schaffen.
  • Mehr als jedes zweite Start-up (56 Prozent) konnte eine Stelle nicht besetzen, weil es an geeigneten Kandidaten fehlte.
  • Sieben von zehn Start-ups (72 Prozent) benötigen für die kommenden zwei Jahre frisches Kapital, im Schnitt werden 3,1 Millionen Euro gebraucht. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2017 mit 2,5 Millionen Euro. Eine große Mehrheit (79 Prozent) ist aber zuversichtlich, das Kapital einsammeln zu können.
  • Ein Auftritt in einer Start-up-Fernsehshow (Die Höhle der Löwen) kommt für die meisten Gründer nicht in Frage. Zwei Drittel (65 Prozent) der Gründer schließen eine Teilnahme aus.
  • Jedes fünfte Start-up (22 Prozent) hält einen Börsengang in Zukunft für denkbar, vor einem Jahr lag der Anteil mit 14 Prozent deutlich darunter.
  • Ein Initial Coin Offering (ICO) ist für mehr als jedes siebte Start-up (15 Prozent) eine Option. Ähnlich viele (16 Prozent) haben von dem Thema noch nichts gehört.
  • Rund sechs von zehn Unternehmensgründern (59 Prozent) meinen, dass sich in den vergangenen zwei Jahren die Situation für Start-ups in Deutschland verbessert hat. Aber nur 44 Prozent sagen, das dies auch für die Situation des eigenen Unternehmens gilt.
  • Aktuell setzen bereits vier von zehn Start-ups (43 Prozent) in Deutschland Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI) ein, weitere drei von zehn planen oder diskutieren den Einsatz von KI.
  • 61 Prozent der befragten Unternehmensgründer würden ihr Start-up wieder in Deutschland gründen, vor einem Jahr waren es 68 Prozent. Die USA sind seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump für deutsche Gründer weniger attraktiv: Hätten 2016 noch 32 Prozent im Fall einer erneuten Gründung ihr Start-up gerne in den USA gestartet, so sind es aktuell nur noch 21 Prozent.
  • Neun von zehn Start-ups glauben, dass nur wenige oder gar keine Maßnahmen für Start-ups aus dem Koalitionsvertrag auch wirklich umgesetzt werden. Im Schnitt geben Gründer dem Koalitionsvertrag im Hinblick auf seine Start-up-Politik nur die Note "ausreichend".

Daten gegen Strom: Kostenlose e-Mobilität für alle

Kostenlose Elektromobilität für Jedermann? Genau das will das Start-up UZE Mobility, eine Ausgründung der RWTH Aachen, erreichen. Im Dezember 2018 startet dazu der erste Pilot mit rund 50 Fahrzeugen, die sich Endnutzer für Umzüge, Großeinkäufe und andere Transporte kostenfrei ausleihen können.

Die Gratis-Elektromobilität soll die Menschen, die Wirtschaft und die Politik dazu bewegen, schneller auf elektrische Mobilität umzusteigen. Finanzieren soll sich das kostenlose Angebot durch Werbung und andere datengetriebene Geschäftsmodelle. Dazu hat UZE Mobility die UZE Box entwickelt, die in den Fahrzeugen sämtliche Daten sammelt und auswertet.

„Daten werden das Benzin der kostenlosen Elektromobilität sein. Dank der zahlreichen Fahrzeug-Daten können Unternehmen beispielsweise zielgruppen- und straßengenaue Werbung auf Werbedisplays an den Elektromobilen schalten. Die Menschen werden auf der Straße gezielt mit regionalen Angeboten angesprochen. Außenwerbung wird für die Unternehmen messbarer und kalkulierbarer. "Darüber hinaus entwickeln wir gerade weitere datenbasierte Geschäftsmodelle, um die abgasfreie Stadt in 2025 zu erreichen", erklärt Sebastian Thelen, Digitalchef von UZE Mobility. "Unser Ziel sind abgasfreie Städte bis 2025. Das gelingt nur, wenn wir die Menschen motivieren auf Elektrofahrzeuge umzusteigen", erklärt Dr. Dr.-Ing. Alexander N. Jablovski, CEO & Co-Founder von UZE Mobility.

Diesen Beitrag haben wir von unserem Partnerportal Industry of Things übernommen.

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