Geringes Vertrauen in Politik

Startup-Szene: Ernüchterung macht sich breit

| Autor / Redakteur: Martin Hensel / Rainer Graefen

Bitkom-Präsident Achim Berg
Bitkom-Präsident Achim Berg (Bild: Bitkom)

Deutsche Startups zeigen sich ernüchtert von der Politik. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Bitkom Research. Die meisten Gründer monieren, dass die Politik kein Verständnis für ihre Probleme hat.

Bei vielen Startups setzt sich der Eindruck durch, dass es die Politik nicht wirklich mit der „Startup-Nation Deutschland“ ernst meint, so der Digitalverband Bitkom. Fehlendes Verständnis für die Probleme von jungen Unternehmen bemängeln 86 Prozent der befragten Gründer. Und das, obwohl 89 Prozent grundsätzlich der Meinung sind, dass die Politik die Bedingungen für Startups in Deutschland entscheidend verbessern könnte.

Dementsprechend fordern rund drei Viertel (74 Prozent) der Jungunternehmer: Die Politik sollte Startups möglichst große Freiräume gewähren und sich ansonsten raushalten. „Dabei geht es nicht vordergründig um finanzielle Förderung. Vor allem leiden innovative Tech-Startups ganz besonders unter Überregulierung etwa in der Finanz- oder Gesundheitsbranche und übermäßig strenger Auslegung von Datenschutzvorgaben, die Entwicklungen im Bereich Datenanalyse und Künstlicher Intelligenz gerade mit Blick auf Wettbewerber aus den USA oder China beeinträchtigen“, erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Schwindende Zuversicht

Nur noch 44 Prozent der Startups gaben an, dass sich ihre Situation in den vergangenen beiden Jahren verbessert hat. Noch im letzten Jahr lag dieser Anteil bei 54 Prozent. Auch der Koalitionsvertrag, der 25 Einzelmaßnahmen mit potenziell positiver Auswirkung auf junge Unternehmen enthält, wird im Schnitt nur mit der Schulnote „ausreichend“ bewertet. Allerdings gaben hierbei 35 Prozent der Startups an, sich gar nicht mit den Inhalten der Vereinbarung zwischen CDU und SPD befasst zu haben und daher kein Urteil abgeben zu können.

Ein Grund für dieses Desinteresse könnte der Zweifel am Wahrheitsgehalt der Ankündigungen sein. 79 Prozent gehen davon aus, dass allenfalls wenige Maßnahmen umgesetzt werden. 8 Prozent rechnen sogar damit, dass gar nichts passieren wird. „Das Vertrauen der Startups in die Politik schwindet. Es gibt nur ein Mittel, das zu ändern: Startup-Politik nicht nur aufschreiben, sondern machen“, so Berg. „Von einer entschlossenen Startup-Politik würden nicht nur Startups direkt profitieren, sondern indirekt auch alle deutschen Leitbranchen, die bei der Digitalisierung dringend das Tempo erhöhen müssen“, ergänzt er.

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