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Cisco entlässt sieben Prozent der weltweiten Belegschaft Stellenabbau trotz Gewinnplus

| Autor / Redakteur: dpa / Rainer Graefen

Im Zuge der Bekanntgabe der Geschäftszahlen 2016 bestätigte Cisco, 5.500 Stellen zu streichen. Die Entlassungswelle fällt damit nicht so drastisch aus, wie zunächst angenommen - in einem Bericht des US-amerikanischen Fachmagazins war unter Berufung auf unternehmensnahe Quellen zunächst von 9.000 bis 14.000 Arbeitsplätzen die Rede.

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5.500 Mitarbeitern kostet die Restrukturierung von Cisco ihren Arbeitsplatz.
5.500 Mitarbeitern kostet die Restrukturierung von Cisco ihren Arbeitsplatz.
(Bild: Cisco)

Wie erwartet nahm der Netzwerkausrüster Cisco im Rahmen der Präsentation seiner jüngsten Bilanz vergangenen Mittwochabend Stellung zu der bereits durchgesickerten Information, dass in Folge der Unternehmensrestrukturierung Entlassungen in großem Maßstab geplant seien.

5.500 Mitarbeiter der derzeit weltweit rund 73.300 Beschäftigten müssen nun gehen. Der Abbau soll bereits im aktuellen Quartal starten, für die damit einhergehenden Kündigungs- und Abfindungskosten plant der Konzern im laufenden Geschäftsjahr einen Sonderaufwand von 700 Millionen Dollar ein.

Die jetzt erfolgte Ankündigung kommt nicht wirklich überraschend. In den vergangenen sechs Jahren - abgesehen von 2015 - teilte Cisco stets zeitgleich mit den im August bekanntgegebenen Zahlen Stellenstreichungen an. Unter anderem, weil aktuelle Marktveränderungen oder aber redundante Personalstrukturen in Folge von Firmenübernahmen diesen Schritt erforderten.

Weg von Hardware, hin zu Software

Grund für den bereits erwarteten erneuten Job-Kahlschlag ist, dass sich der mit dem Verkauf von Hardware für Netzwerk- und Kommunikationsinfrastrukturen groß gewordene Hersteller seit geraumer Zeit im Umbruch befindet. Im Geschäftsjahr 2016 verbuchte das Unternehmen nach GAAP-Standard einen Umsatz von 49,2 Milliarden US-Dollar und damit einen Zuwachs von 0 Prozent. Dennoch konnte Cisco seine Nettoeinnahmen im Jahresvergleich von neun auf 10,7 Milliarden steigern.

Das Gewinnplus erwirtschaftete der Konzern jedoch nicht in seinem traditionellen Kerngeschäft, wie sich an den vorgelegten Zahlen ablesen lässt. Beispielsweise sank der mit mit Routern erzielte Umsatz im vierten Quartal gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um sechs Prozent. Hier ist der Druck durch die verschärfte Wettbewerbssituation aber auch bedingt durch den Wandel hin zu softwaredefinierten Netzwerken (SDNs) mittlerweile groß.

Diese Einnahmen gilt es auszugleichen. Dementsprechend wendet sich der Konzern seit geraumer Zeit verstärkt dem inzwischen als lukrativer angesehenen Software-Geschäft zu. Ziel des Unternehmensumbaus ist, rückläufige Einnahmen in Feldern mit geringem Wachstum zu optimieren und die dadurch eingesparten Mittel in erfolgversprechendere Bereiche wie die Cloud, das Internet der Dinge, Rechenzentren der nächsten Generation oder Security zu investieren.

Softwaredefinierte Zukunft erfordert neue Kompetenzen

Die Abkehr Ciscos von seinen Hardware-Wurzeln und der Wandel hin zu einer softwarezentrierten Organisation zeichnet sich schon seit geraumer Zeit ab. Um im Software-Geschäft zu bestehen, sind nach Aussage einer Quelle aus dem Unternehmensumfeld für den Hersteller andere Fähigkeiten als bisher erforderlich zwingend notwendig. "Der Markt für solche Produkte sei theoretisch größer und verspreche höhere Gewinnmargen, jedoch werde der Weg dorthin einige Zeit in Anspruch nehmen."

Das bedeutet im Rückkehrschluss, dass Mitarbeiter über die hierfür nötigen Qualifikationen verfügen müssen - dass es hieran wohl mangelt, wird als einer der Auslöser für die Stellenkürzungen angesehen.

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