Die Startup-Szene in Deutschland vernachlässigt die Speichertechnik, Teil 1

Storage-Ikarusse gesucht

| Autor / Redakteur: Walter Schadhauser / Rainer Graefen

Startups - die Idee ist da, nur ein paar Millionen Euros fehlen noch.
Startups - die Idee ist da, nur ein paar Millionen Euros fehlen noch. (Bild: Sunny-studio_fotolia.com)

Mit Losgröße 1 noch wirtschaftlich produzieren - das versprechen die Protagonisten von Industrie 4.0. Erreicht werden soll das Ziel mit Robotern und mit Komponenten, die miteinander während des Fertigungsprozesses kommunizieren. Da es noch viel zu forschen und entwickeln gibt, werden "frische" Ideen von Startups händeringend gesucht. Storage-Insider hat sich in der internationalen Speicherszene umgesehen.

Während auf der einen Seite die Industrie 4.0 für den Verlust von Zigtausenden von Arbeitsplätzen verantwortlich gemacht wird, ist die andere Seite von der großen Chance durch den massiven Einsatz von Robotern überzeugt. „In zwanzig Jahren wird fast die Hälfte der heutigen Arbeitsplätze in Deutschland durch Roboter ersetzt werden, die die Jobs effizienter erledigen können“, sagte Dr. Martin Sonnenschein, Partner und Europachef bei A.T. Kearny, vor einem halben Jahr dem Schweizer Maschinenmarkt.

Grundlage dieser Aussagen von A.T.Kearney ist eine Forschungsarbeit der Oxfordprofessoren Carl Benedikt Frey und Michael Osborne über den deutschen Arbeitsmarkt, die 300 von insgesamt 1200 Jobprofilen als sehr „anfällig“ für das Automatisierungsrisiko einstufen. Hier arbeiten 17,2 Mio. Männer und Frauen, 45 Prozent aller Beschäftigten!

Ran ans Metadatum

Die „Gefahr“ respektive „Chance“ kommt nicht nur von Seiten autonom agierender Roboter, sondern auch durch Avatare, die als virtuelle Verkörperung künstlicher Intelligenz bald für unterschiedlichste Interessenslagen auf jedem Smartphone aktivierbar sind. Die ersten Erscheinungsformen kennt fast jeder: Sie nennen sich Siri (Apple), Cortana (Microsoft) und Watson (IBM).

„Wir müssen die Verschmelzung der Welt des Internets mit der Welt der industriellen Produktion schnell, bewältigen, weil uns sonst diejenigen, die im digitalen Bereich führend sind, die industrielle Produktion wegnehmen werden“, verkündete Angela Merkel vor dem Wirtschaftsforum in Davos. Die Bundeskanzlerin hat sich auf die Seite der Chancen geschlagen und steht für eine Aufbruchstimmung im Lande, die sich kurz als Startup-Euphorie definieren lässt.

Und wer in seinem Online- und Offline-Umfeld mal auf die Schlagworte Unternehmensgründungen, Spin-offs und Startups achtet, der wird schnell fündig. Die ETH-Zürich vermeldete im Januar 2016 für das Jahr 2015 die Zahl von 25 Spin-offs, die sich mit intelligenten Glühbirnen, der Entgiftung von Patienten und nicht zuletzt mit viel Informations- und Kommunikationstechnik beschäftigen.

Ideen und Sprungbretter

„Investitionen in deutsche Startups auf Rekordhöhe“ vermeldete Heise online im Januar 2016. Die Kapitalgeber haben ihre Investitionen von 1,6 Mrd. Euro im Jahr 2014 auf 3,1 Milliarden Euro gesteigert. In Deutschland konzentrieren sich die Startups allerdings auf E-Commerce, FinTech (modern für Finanztechnologien) und Big Data, das wohl besser High Performance Analyse heißen sollte.

Die Frankfurter Allgemeine stellte im Gegenzug schon mal klar, dass hier nicht über ein Strohfeuer von Existenzgründungen in Form von Einzelunternehmen geredet wird, die der wirtschaftlichen Not geschuldet sind, sondern aus einer gesicherten Position heraus erfolgen.

Das Startup-Fieber packt inzwischen auch Weltunternehmen. Schließlich geht es um den Einstieg deutscher Großkonzern wie Siemens, die ein europäische Cloud, grenzüberschreitende Glasfaserkommunikation und nicht zuletzt bei der Datenanalyse mit dabei sein wollen. Bei der Neueröffnung der Münchner Konzernzentrale wirbt Siemens mit seinem neuerworbenen Startup-Spirit für sich. Konzernchef Joe Kaeser ist bekanntlich von der umtriebigen Gründungseuphorie des Silcon Valley begeistert und will dies auch in seinem Konzern leben.

Allerdings mit Niveau. Während anderswo bei Gusto die Schuhe ausgezogen werden und damit eine neue Firmenkultur begründet wird, gibt es bei Siemens für die "Generation Y" Work-Life-Balance, Sabbaticals, Home Office und Kitas obendrauf auf den "Job". Die höfliche Form der Anrede weicht dem "Du" und die Krawatte wird zum Fremdwort. Schöne neue Arbeitswelt.

Sicherheit im Speicher organisieren?

Leider finden sich keine deutschen Unternehmensgründer für den Bereich Speichertechnik, die gibt es allem Anschein nach nur in Amerika, Korea, Israel und Frankreich. Solange es ums Silizium geht, ist das verständlich. Intel oder Samsung den Schneid abzukaufen, dafür gibt es auf dieser Welt wohl keinen Wagniskapitalgeber.

Trotzdem glauben wir beim Storage-Isnider, dass eine Kombination von Storage und Security für deutsche Startups ein interessantes Umfeld sein könnte. Unser Blick ins Silicon Valley zeigte jedenfalls, dass die dortigen Storage-Startups schon sehr konventionell aufgestellt. Es geht um Detailverbesserungen, die sicherlich ihre Käufer finden werden.

Denn eins ist sicher, anders als in Deutschland, wo in vielen Firmen Ideenwettbewerbe stattfinden, um die Produktionsprozesse zu verbessern, setzt das amerikanische Startup mit seinen finanzkräftigen Kapitalgebern darauf, dass die großen Unternehmen weder Zeit noch Geld investieren (dürfen), um die eigene, langjährig bewährte Produktpalette mit eigenen innovativen Ideen abzulösen. Nächste Woche geht es los mit unserer Startup-Artikelserie.

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