Der Branchentreff der Speicherindustrie im Rückblick

Storage Networking World Europe 2007 – eine Nachlese

16.11.2007 | Autor / Redakteur: Rainer Graefen und Nico Litzel / Nico Litzel

Anlässlich des zehnten Jubiläums des Branchenverbandes SNIA (Storage Networking Industry Association) haben Jürgen Arnold (links), Chairman der SNIA Europe, und Vincent Franceschini, Chairman der SNIA, die Fortschritte beim Storage Management und die Entwicklung der Storage-Industrie seit Gründung des Verbandes Revue passieren lassen.
Anlässlich des zehnten Jubiläums des Branchenverbandes SNIA (Storage Networking Industry Association) haben Jürgen Arnold (links), Chairman der SNIA Europe, und Vincent Franceschini, Chairman der SNIA, die Fortschritte beim Storage Management und die Entwicklung der Storage-Industrie seit Gründung des Verbandes Revue passieren lassen.

Vom 29. bis 31. Oktober fand im Frankfurter Congress Center die Storage Networking World (SNW) Europe 2007 statt. Rund 1.500 Besucher informierten sich auf Europas wichtigstem Branchentreff über die Themen Virtualisierung, Fibre Channel over Ethernet (FCoE), Daten-Deduplizierung und „Grüne IT“.

Storage-Insider.de hat Rechenzentrumsleiter nach ihren Eindrücken von der SNW Europe 2007 befragt. Der überwiegende Teil zeigte sich rundum zufrieden mit der Veranstaltung. Besonders gut wurde „das positive Umfeld“ wahrgenommen. „Alle wichtigen Firmen sind vertreten. Man kommt sehr leicht mit den Herstellern in Kontakt“, berichtet ein IT-Leiter aus Bonn. Resümee eines britischen Kollegen: „Eine großartige Veranstaltung. Besonders die Training Sessions zum Thema Virtualisierung waren für mich sehr hilfreich.“

Doch die Storage Networking World Europe gab auch Anlass zu Kritik. So zeigten sich auffallend viele Teilnehmer von einzelnen Fachvorträgen enttäuscht. Einige Präsentationen seien „sehr oberflächlich“ oder „extrem Marketing-lastig“ gewesen und hätten „wenig Neues geboten“, so das Fazit der Befragten.

Ebenfalls unangenehm war vielen Besuchern das permanente Tracking, das nicht immer reibungslos funktionierte: Die Veranstalter hatten freundliches – vereinzelt auch bestimmt auftretendes – Personal abgestellt, das vor den jeweiligen Vorträgen die Tickets der Besucher einzuscannen hatte. Dem einen oder anderen Besucher wurde die Prozedur nach dem x-ten Male lästig – besonders, wenn der Barcode vom Scanner zum wiederholten Male nicht erkannt wurde.

Weniger gut angekommen sind auch das Mittagessen und die Kaffeepausen in der Ausstellungshalle, ließen die Storage-Anwender durchblicken: Viel zu wenig Tische hätten für die hungrigen Massen bereitgestanden. Doch abgesehen vom mangelnden Platzangebot bei der Verköstigung hatte die Ausstellungshalle Besuchern einiges zu bieten, wie der folgende Rundgang zeigt.

Deduplication

Nachdem vor einem Jahr kaum einer den Begriff Deduplizierung kannte, ist er nun in aller Munde. Angesichts des viel zitierten Datenwachstums ist die Idee, Speicherplatz durch die Abschaffung von Duplikaten zu sparen, ein Volltreffer, der die Storage-Insider.de-Leser sicherlich das ganze kommende Jahr hindurch begleiten wird.

Zwar muss auch hier erheblich in neue Hardware investiert werden, dafür spart man aber nicht nur Energiekosten wie bei der Green IT. Der Grund für die Hersteller- wie auch die Anwender-Euphorie ist sehr offensichtlich: Deduplizierung reduziert die Medien- und Lizenzkosten bei Bandbibliotheken und senkt inzwischen auch, siehe Quantums DXi-Systeme, die notwendige Bandbreite für die Replizierung des Zweigstellen-Backups zum Rechenzentrum.

Kevin Platz, Managing Director EMEA Sales bei Data Domain, berichtete, dass sein Unternehmen nun nach Deduplizierungs-Gateways auch Daten auf den sekundären Speichersystemen komprimieren will. Bei Copan Systems war sich CTO Chris Santilli sicher, dass mit dieser Technik seine MAID-Systeme (Massive Array of Idle Disks) bei Kosten und Energieverbrauch nun auch mit Bandrobotern mithalten könnten.

Fibre Channel over Ethernet

Auf der amerikanischen SNW in Dallas war neben Deduplication auch Fibre Channel over Ethernet (FCoE) ein wichtiges Tagungsthema. FCoE soll das Fibre-Channel-Protokoll mit Ethernet versöhnen und iSCSI Konkurrenz machen. Während Emulex schon erste „Prototypen“ vorstellte und zuversichtlich war, spätestens Anfang 2009 auch erste Produkte liefern zu können, nahm Scott G. Kipp, Mitarbeiter des CTO bei Brocade, ein wenig Tempo aus dieser Ankündigung.

Zwar meinte auch er, dass der Standard schon im nächsten Jahr verabschiedet würde, aber Produkte würden frühestens im Laufe des Jahrs 2009 auf den Markt kommen. Die Unterschiede zwischen der inzwischen sehr weit entwickelten Fabric-Technik zu den Möglichkeiten des Ethernet-Protokolls seien doch erheblich und würden den Ingenieuren noch manches Kopfzerbrechen bereiten.

Kassenschlager VMware

So langsam entwickeln auch die Software-Hersteller der Storage-Branche Produkte für den Kassenschlager VMware. Acronis stellte auf der SNW seine Software True Image Echo vor, die klassische System-Images in VMware-fähige Formate umwandeln kann.

Zusammen mit mittelständischen Blade-Systemen wie dem Bladecenter S von IBM oder dem C3000 von Hewlett-Packard ließen sich dann Produktivsysteme in einer virtuellen Umgebung wiederherstellen. Natürlich geht das auch auf einem einzelnen virtualisierten Server, interessant werden solche Anwendungen jedoch, wenn sie weit gehend automatisiert ablaufen können.

Als weiterer Hersteller macht sich Datacore mit SAN Melody um VMware-Installationen verdient. Mithilfe virtueller HBAs von Emulex und Qlogic anstelle generischer Controller wird das Potenzial von iSCSI und auch Fibre Channel nun wesentlich besser ausgeschöpft.

Anwenderbefragung

Bei Hewlett-Packard gab man sich besondere Mühe mit den Unternehmensanwendern. In mehreren Workshops debattierten Produktmanager mit ihnen über drängende Kundenanforderungen. Das grundsätzliche Problem solcher Treffen ist allerdings, dass der Hersteller das Problem seiner potenziellen Kunden zwar aufnehmen, aber ad hoc keine Antworten liefern kann. Was soll man auch machen, wenn es dem Anwender bei seiner Netzwerkanalyse reichen würde zu wissen, ob der Hostcontroller ansprechbar ist, der Hersteller diese Funktion auch sofort liefern könnte, wenn der Anwender auf seinen Systemen nur einen kleinen Agenten installieren würde. Das mag dieser aber nicht, da er dann alle Updates und Upgrades diverser Softwarepakete auf seinen seit langem nicht abgeschalteten Produktivsystemen nachziehen müsste.

Ein zweiter Anwender, der medizinische Systeme zur Speicherung von CT- und MRT-Aufnahmen arbeitet, klagte über unzureichenden Speicherplatz. Hewlett-Packard hat zwar mit der Übernahme von Polyserve ein clusterfähiges Dateisystem für Windows im Programm, aber der Kunde bedauerlicherweise eine Linux-Anwendung mit nur einem Mount-Point entwickelt. Mehrere Lösungen für riesige Dateisysteme bis zwei Petabyte Speicher sind zwar auf dem Markt, es fragt sich nur, wer sich jetzt bewegen muss – die Industrie oder der Kunde?

Key-Management

Auf dem Stand von Hewlett-Packard konnte man sodann die neueste Entwicklung des Unternehmens bewundern, ein Key-Management-System namens Secure Key Manager. Im ersten Schritt arbeitet die Appliance nur mit LTO-4-Bandlaufwerken in den beiden hauseigenen Bandbibliotheken Storageworks ESL und EML zusammen. Das LTO-4-Laufwerk stimmt sich hier mit dem Secure Key Manager ab, der den Schlüssel in einem aufbruchsicheren Gehäuse sicher verwahrt. Auf einer zweiten Remote-Appliance werden die benutzten Schlüssel sicherheitshalber redundant hinterlegt.

Die aktuelle Version kann etwa 70.000 Schlüssel verwalten, an der nächsten Version mit einer halben Million Schlüsseln wird schon emsig gearbeitet. Diese wird dann auch HPs EVA (Enterprise Virtual Array) sowie die XP- und NAS-Systeme unterstützen.

Ob das Thema Verschlüsselung die deutschen IT-Leiter besonders bewegen wird, ist derzeit nicht absehbar. Man hat eher den Eindruck dass hier die Schusseligkeit amerikanischer Transportunternehmen die „drängenden Anforderungen“ nach dieser massiv CPU-Zeit-verbrauchenden Technik hervorrufen. Vor allem Rechenzentren, die schon heute mit Tape-Virtualisierung à la Centricstor von Fujitsu Siemens Computers oder gar mit Deduplizierungs-Appliances arbeiten, dürften den Sinn einer zusätzlichen Bandverschlüsselung nicht nachvollziehen können.

Zudem werden Anwender, die konzeptlos verschlüsseln, viel Freude an dieser Technik haben, da die Branche inzwischen auf Anwendungs-, Netzwerk- oder Speicherkomponenten-Ebene verschlüsseln kann. Ohne ein zentrales Key-Management-System dürfte die Entschlüsselung einer mehrfach verschlüsselten Datei eine gewisse Herausforderung darstellen.

Software-as-a-Service

Software-as-a-Service (SaaS) heißt eine der neueren Geschäftsideen, die „alte Hasen“ an das Application- und Storage Service Providing, kurz xSP, des Internet-Booms erinnern wird. Manch einer sah hier damals schon den Anfang von Microsofts Ende heraufdämmern.

Für die Datensicherung der mobilen Notebook-Kreativmitarbeiter bieten Firmen wie Iron Mountain, Seagate Vault, NTT und Novastor das Online-Backup. Per DSL und manchmal auch UMTS sollen die Daten in das Rechenzentrum des Anbieters übertragen werden. Reichten die Angebote früher vom vollständigen Backup bis hin zu Wiederherstellungsservices ganzer Notebook-Flottenbestände, so gewinnt man heute den Eindruck, dass sich die Service-Anbieter eine gewisse Selbstbeschränkung auferlegen und nur noch die ganz wichtigen Daten speichern wollen.

Das ist auch gut so, da der Online-Backup-Service, trotz aller technischen Raffinessen mit Bit- und Byte-inkrementellen Differenzsicherungen, ein äußerst schwieriges Metier ist. Manche Anbieter behaupten zwar immer noch, dass sie mit ihrem „SaaS“, massiv Personalkosten sparen könnten, zeigen damit allerdings, dass sie nicht wissen, dass in größeren Rechenzentren meist nur ein einziger Mitarbeiter das Backup verantwortet.

Kostendruck dürfte vor allem bei den Anbietern von Online-Backups selbst herrschen. Inzwischen kosten USB-Sticks mit einem Gigabyte Arbeitsspeicher weniger als zehn Euro. Falls der Service nicht stimmt, dürfte diese „neue“ Geschäftsidee immer noch keine Zukunft haben.

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