Datensicherheit, Objektspeicher und mehr Storage-Trends 2021 – und was sie für Unternehmen bedeuten

Autor / Redakteur: Rainer Kozlik* / Dr. Jürgen Ehneß

Krise und Digitalisierung – zwei Wörter, die das Jahr 2020 wie keine anderen geprägt haben. Durch die Corona-Pandemie wurde die ganze Welt vor beispiellose wirtschaftliche und sozioökonomische Herausforderungen gestellt. Gleichzeitig wurde durch sie die Digitalisierung rasant beschleunigt und die Bedeutsamkeit von IT noch einmal auf eine weitaus höhere Ebene gestellt. Was lässt sich anhand der diesjährigen Entwicklungen für das kommende Jahr vorhersagen? Mit dieser Frage hat sich Rainer Kozlik, Director Sales Central & Eastern Europe bei Seagate Technology, beschäftigt und fünf Storage-Trends für das Jahr 2021 formuliert.

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Rainer Kozlik von Seagate erläutert fünf Storage-Trends fürs kommende Jahr.
Rainer Kozlik von Seagate erläutert fünf Storage-Trends fürs kommende Jahr.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

1. Zunehmende Bedeutung hierarchischer Sicherheit (für Data at rest und in flight)

Der Trend zu hyperskalierbaren Software-Ökosystemen nimmt weiter zu und ermöglicht die Entwicklung und Bereitstellung von Anwendungen in kleineren „atomaren Einheiten“ für Unternehmen und Standorte, die möglicherweise nicht über die erforderliche Netzwerkinfrastruktur verfügen. Immer mehr Cloud-native Anwendungen laufen in sogenannten Points-of-Presence oder Co-Location-Einrichtungen auf der ganzen Welt. Da sich Modelle, bei denen die gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen im Zentrum stehen, immer stärker durchsetzen, ist es notwendig, die Daten vollumfänglich zu schützen. Denn Datenübertragungen („in flight“) und gespeicherte Daten („at rest“) sind kritische Bereiche, wenn es um den Schutz von Benutzerdaten in einem Bereitstellungsmodell geht, das mehrere Orte umfasst.

Data-at-rest-Verschlüsselung wird in immer mehr Branchen zur Pflicht, um sowohl externe als auch interne Bedrohungen zu verhindern. Führungskräfte sollten sich daher jetzt intensiv mit diesem Thema beschäftigen, auch wenn sie von derartigen Vorgaben bisher nicht betroffen sind. Der Umstieg auf verschlüsselte Festplatten kann beispielsweise ein erster Schritt sein, um für zukünftige Anforderungen gerüstet zu sein.

2. Eine breitere Akzeptanz von Objektspeichern in Unternehmen

Durch das enorme Datenwachstum werden Objektspeicher zum neuen Standard. Sie bieten Vorteile gegenüber traditionellen Datenspeicherlösungen wie präskriptive Metadaten, Skalierbarkeit und folgen keiner hierarchischen Datenstruktur. Systeme können mithilfe von Objektspeichern auf ein viel größeres Wissen und Erkenntnisse, die sich hinter den Datensätzen verbergen, zugreifen. Zu den bisher gängigen Speichertypen gehören neben Objektspeichern auch Block und File Storage. Blockspeicher sind entscheidend für viele geschäftskritische Anwendungen, die auf eine hohe Leistung angewiesen sind. Dateispeicher waren lange die Grundlage für Legacy-Anwendungen und haben sich als robuste Architektur erwiesen.

Bei der Objektspeicherung steht die Entwicklung neuer Anwendungen in Kombination mit Block Storage im Fokus, um gleichzeitig Skalierbarkeit und Leistung zu bieten. So werden mittlerweile auch viele Legacy-File-Anwendungen auf eine Object-Storage-Infrastruktur migriert, um die Skaleneffekte zu nutzen.

Es ist also absehbar, dass Object Storage aufgrund der verbesserten wirtschaftlichen Effizienz und Skalierbarkeit langfristig Dateispeichersysteme verdrängen werden. Außerdem entwickeln Programmierer, die heute ihren Abschluss machen, zunehmend Workflows, die Schnittstellen für Object Storage voraussetzen. Diese neuen Fachkräfte und die Implementierung von Objektspeichern im eigenen Rechenzentrum können Unternehmen dabei helfen, sich zukunftsfähig aufzustellen.

3. Eine größere Akzeptanz von Composability

Die Idee, Systeme in unabhängige Einheiten aufzuteilen, die mit anderen unabhängigen Einheiten kombiniert werden können, ist nicht neu. Aktuell lässt sich aber eine breitere, auf Open Source basierende Anwendung der Kompositionsfähigkeit feststellen. Kubernetes, das Open-Source-System zur Automatisierung der Bereitstellung, Skalierung und Verwaltung von containerisierten Anwendungen, steht im Zentrum dieses Trends.

Open Source ist die Zukunft der Anwendungsentwicklung. Der Ansatz ermöglicht einer viel größeren Gemeinschaft, an den Herausforderungen verschiedener Branchen zu arbeiten und die Entwicklung domänenspezifischer Lösungen voranzutreiben, die von den offenen Architekturen profitieren. Die Hardware so zusammenzustellen, dass sie die Software- oder Geschäftsanforderungen optimal erfüllt, ist dementsprechend eine logische Entwicklung.

Für Unternehmen bedeutet das konkret, dass sie sich diese Technologien hinter Kubernetes und Containern zu eigen machen müssen, falls sie es bisher noch nicht getan haben. Richtig in Rechenzentren eingesetzt, ermöglicht der Kompositionsfähigkeitsansatz eine einfachere Bereitstellung und Umverteilung von Ressourcen, ohne dass a priori Konfigurationen und statisch konfigurierte Verhältnisse zwischen Rechenleistung und Speicher erforderlich sind.

4. Tiering in Massenspeichern

Im Design der GPUs des Herstellers Nvidia wird der Speicher in verschiedene Ebenen unterteilt (Register, Shared und Global Memory). Jede dieser Ebenen hat unterschiedliche Eigenschaften. Register Memory weist eine niedrige Latenz und wenig Speicherkapazitäten auf. Global Memory hat eine hohe Latenz und bietet hohe Speicherkapazitäten. Nvidia stellt eine Software-Schnittstelle zur Verfügung, mit der sich die Vorteile von Tiered Storage oder auch Storage Tiering nutzen und optimierte Lösungen für diese Architektur programmieren lassen. In ähnlicher Weise können Unternehmen SSDs und HDDs auf verschiedenen Ebenen betrachten.

Ein Speichersystem, das ausschließlich aus Hochleistungsspeichergeräten besteht, ist wahrscheinlich teurer, als es sein muss. Und ein Speichersystem, das nur aus Geräten mit hohen Kapazitäten besteht, ist wahrscheinlich nicht so performant, wie es sein soll. Storage Tiering bietet einen Ausweg und ist dadurch zu einem wichtigen Trend geworden, da sich so die effizienteste Balance zwischen Kosten und Leistungsanforderungen finden. Mit dem Aufkommen zusätzlicher Technologien (wie zum Beispiel Storage Class Memory) nimmt die Bedeutung von Architekturen, die den größten Nutzen aus allen Speicherklassen ziehen können, immer weiter zu.

5. Formative KI hilft, Daten nutzbar zu machen

Nicht nur die Generierung großer Datenmengen steigt massiv, sondern auch die Menge der Daten, die wertvolle Informationen und Erkenntnisse bereitstellen können. Sogar archivierte Daten werden „wiederbelebt“, da die Fortschritte in Bezug auf Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML) es Anwendern ermöglichen, zusätzliche Informationen aus einst archivierten Daten zu gewinnen. Unternehmen müssen daher heutzutage darauf vorbereitet sein, mehr Daten zu speichern als je zuvor, um Modelle zu trainieren, wichtige Informationen zu gewinnen und Daten zu archivieren, deren Nutzungsdauer sich wahrscheinlich verlängert.

Formative KI bietet eine Möglichkeit, das volle Potenzial von Daten auszuschöpfen, und ist daher ein Trend, den Unternehmen im Auge behalten sollten. Gartner definiert formative KI als „eine Art von KI, die sich dynamisch verändern kann, um auf eine Situation zu reagieren“. IDC sieht formative KI als „einen Überbegriff für eine Reihe von aufkommenden KI- und verwandten Technologien, die sich dynamisch verändern können, um auf Situationsänderungen zu reagieren“.

Formative KI steht zudem im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Storage-Tiering-Trend, da ihr Einsatz von einer flexiblen Architektur abhängt, die intelligent auf Veränderungen reagieren kann.

Nehmen wir ein Beispiel: Bei der Überwachung eines KI-Modells erscheint ein Signal, dass das Modell abweicht. Durch den Einsatz von formativer KI auf Basis einer flexiblen Storage-Architektur könnte man in diesem Fall auf ein anderes Modell ausweichen, um auf der Disk-Ebene nach den passenden Trainingsdaten zu suchen und diese automatisch auf die Flash-Ebene zu verschieben, damit das Training schneller abläuft. Die Disk-Ebene bestünde wahrscheinlich aus einem Objektspeicher, sodass sich auch hier der Trend hin zu Object Storage fortsetzt.

Rainer Kozlik, Director Sales Central & Eastern Europe bei Seagate Technology.
Rainer Kozlik, Director Sales Central & Eastern Europe bei Seagate Technology.
(Bild: Seagate)

*Der Autor: Rainer Kozlik, Director Sales Central & Eastern Europe bei Seagate Technology

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