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Neue Art der Speichervirtualisierung nutzt Preisverfall und senkt so Kosten Thin Provisioning schöpft Speicherkapazitäten voll aus

Autor / Redakteur: Winfried Pröhl / Nico Litzel

Der Kostendruck auf IT-Abteilungen wächst. Eine der elegantesten Optionen, unnötige Aufwendungen zu vermeiden und Einsparpotenziale zu nutzen, ist das Thin Provisioning. Dadurch muss Speicherkapazität nicht schon auf Jahre im Voraus angeschafft, sondern kann zeitnah bei Bedarf hinzugekauft werden. Aber Thin Provisioning hat noch weitere entscheidende Vorteile gegenüber dem klassischen Provisioning.

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Wenn Administratoren ein neues Speichersystem aufsetzen, stehen sie vor einer höchst undankbaren Aufgabe: Sie müssen Hellsehen! Denn sie müssen möglichst realitätsnah die Speicherbedürfnisse unterschiedlichster User und Usergruppen abschätzen, um ihnen entsprechende Kapazitäten zuweisen zu können. Dabei müssen sie oft über Jahre im Voraus planen.

Auch wenn Erfahrungswerte herangezogen werden, so kann dabei nicht mehr herauskommen als ein „educated guess“. Beim sogenannten Exact oder Hard Provisioning ist dieser Blick in die Glaskugel unerlässlich, denn die Volumen und Partitionen lassen sich bei diesem Verfahren nicht flexibel konfigurieren und ändern. Das kann ernste Folgen nach sich ziehen: Da keine gesicherte Prognosebasis für zukünftige Speicheranforderungen vorliegt, passiert oft Folgendes: Um zu vermeiden, dass einzelne Anwender oder Anwendungen die ihnen zugewiesene Speichergrenze überschreiten, werden die Kapazitäten großzügig bemessen – oft zu großzügig.

Dennoch lässt sich nicht ausschließen, dass der Platz dennoch knapp wird. Der Speicherhunger vieler Applikationen und der wachsende Zwang zur Archivierung geschäftsrelevanter Dokumente und E-Mails leisten hier ganze Arbeit.

Andere Anwendungen verfügen ihrerseits permanent über ungenutzten Speicher. Und der hat die unangenehme Eigenschaft, nicht nur Kosten bei der Anschaffung zu verursachen, sondern zudem rapide an Wert zu verlieren. Ein Albtraum für Controller und Finanzverantwortliche im Unternehmen und ein potenzieller Konfliktstoff für Storage-Administratoren.

Aller guten Dinge sind drei

Die Antwort auf dieses Dilemma heißt Thin Provisioning. Thin ist dabei eher mit schlank, als mit dünn zu übersetzen. So gesehen schlägt das Schlankheitsideal also auch im Bereich der Storage-Systeme zu.

  • Flaschenhälse werden vermieden,
  • Speicherkosten amortisieren sich schneller und
  • Kapazitätserweiterungen werden unabhängig vom Betriebssystem unterstützt.

Durchs Nadelöhr

Eine Kette reißt immer am schwächsten Glied. Auch ein Speichersystem hat so eine Schwachstelle. Zum Flaschenhals wird das Volumen, das am meisten genutzt wird und dadurch als erstes quasi vollläuft. Für Systeme, die mit Exact Provisioning eingerichtet wurden, muss jetzt zusätzlicher Speicher gekauft werden – auch dann, wenn auf anderen Volumen des Gesamtsystems noch Giga- oder gar Terabyte an ungenutzten Speicherkapazitäten vorhanden sind.

Systeme, die mit Thin Provisioning arbeiten, sind hier flexibel. Potenziell steht der gesamte freie Speicher allen Volumen zur Verfügung. Erst wenn die Gesamtkapazität ausgereizt ist, muss nachgerüstet werden. Und je später das passiert, desto weniger wird das Budget belastet.

Der Preis ist heiß

Es gibt kaum volatilere Kosten in der IT-Industrie als die für Speicher. Festplattenpreise werden tagesaktuell gehandelt, und der Preis pro Gigabyte halbiert sich etwa alle sechs Monate. Es ist also nichts unvernünftiger, als Speicher auf Vorrat zu kaufen und anzulegen. Genau darum kommt man aber beim Exact Provisioning nicht herum, da bereits beim Einrichten des Systems die in einigen Jahren notwendigen Kapazitäten bereitgestellt werden müssen.

Unabhängigkeitserklärung

Um Speicherplatz nutzen zu können, muss er für das Betriebssystem „sichtbar“ sein. Das gilt natürlich auch für die Kapazitätserweiterung. Und da sind einige Betriebssysteme nicht ganz unkritisch. Die Betriebssystemunabhängigkeit hat in diesem Zusammenhang also einen ganz besonderen Charme.

Genau diese Fähigkeit besitzen Storage-Systeme mit Thin-Provisioning-Option. Ja, sie gehen noch einen Schritt weiter. Sie können Volumen verwalten, die um Faktoren größer sind, als die gesamte zur Verfügung stehende physische Speicherkapazität. Und wenn diese erreicht ist, kann sie erweitert werden, ohne dass sich für das Betriebssystem etwas ändert. Es hat die größere Kapazität ja schon immer „gesehen“. Natürlich muss der Administrator wissen, wann die Grenze der Gesamtkapazität erreicht ist, um einen drohenden Engpass erkennen zu können und die notwendige Kapazitätserweiterung vorzunehmen.

Auch daran ist bei Systemen mit Thin Provisioning, wie beispielsweise den StorTrends von AMI, gedacht worden. Ein integriertes, konfigurierbares Alarmmanagement meldet kritische Ereignisse, etwa wenn individuell gesetzten Kapazitätsgrenzen erreicht werden.

Weitere Vorteile

Neben diesen drei Hauptvorteilen hat Thin Provisioning noch weitere. Einer davon ist die Möglichkeit des sogenannten Provision Trackings. Dabei wird protokolliert, auf welchen Speicherplatz häufig zugegriffen wird. Daraus lässt sich ableiten, welche Daten häufig und welche selten genutzt werden. Dieses Wissen kann wiederum Anwendungen zur Verfügung gestellt werden – etwa zum Caching bestimmter Daten. Das hat die Vorteile, dass sie schnellerer verfügbar sind oder Sicherungsmechanismen wie Replikationen oder Snapshots effizienter werden.

Aus der Evolutionsforschung wissen wir, dass die Fähigkeit zur Anpassung eines der entscheidenden Kriterien zur Entwicklung höherentwickelter, durchsetzungsfähigerer Lebensformen ist. Es erscheint durchaus sinnvoll, dieses Prinzip auch in solch vergleichsweise profanen Dingen wie einem Speichersystem zu nutzen.

Winfried Pröhl ist Geschäftsführer der American Megatrends International GmbH.

Mehr zum Thema Thin Provisioning erfahren Sie in der kommenden Ausgabe unserer Fachzeitschrift STORAGE, die am 7. August erscheint. Registrieren Sie sich jetzt auf Storage-Insider.de (Link siehe unten), und sie bekommen STORAGE regelmäßig kostenlos nach Hause geliefert.

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