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Toyota: Geduldsprobe Brennstoffzelle

| Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Rainer Graefen

Etwa zwölf Jahre brauchte der Hybridantrieb, bis er sich durchgesetzt hat. Das könnte sich als schnell erweisen - denn Toyota stellt sich bei der Brennstoffzelle auf einen wesentlich längeren Zeitraum ein.

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Der Motorraum des Toyota Mirai.
Der Motorraum des Toyota Mirai.
(Foto: Toyota)

Bis sich Brennstoffzellen-Fahrzeuge durchsetzen, wird es noch einige Jahre brauchen. Toyota stellt sich auf einen langen Zeitraum ein: „Beim Hybrid haben wir 12 Jahre gebraucht, mit dem Wasserstoff kann es 20 Jahre dauern“, sagte Toyota-Technikexperte Dirk Breuer im Rahmen eines Pressegesprächs in Düsseldorf.

Mit dem Mirai treibt Toyota die Entwicklung der neuen Technologie voran. Die ersten Fahrzeuge kamen im Sommer des vergangenen Jahres nach Europa, zunächst nach Deutschland, Großbritannien und Dänemark. Den Vertrieb übernahm Toyota selbst. So soll es auch noch einige Jahre bleiben.

Breuer geht davon aus, dass erst 2025 die Fahrzeuge zu den Händlern kommen werden. Bislang ging nur einer der ausgelieferten Mirai an einen Privatkunden.

Toyota Mirai: Voll auf Wasserstoff
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Dass es an dem Brennstoffzellen-Fahrzeug Interesse gibt, zeigen die Zahlen. Natürlich auf einem recht niedrigem Niveau: 1.200 Bestellungen gingen bis Herbst vergangenen Jahres auf dem Heimatmarkt ein. Dem stand zunächst die Jahresproduktion von 700 Einheiten im Jahr 2015 gegenüber. Doch die Japaner wollen die Produktion schnell ausbauen. Im laufenden Jahr will Toyota 2.100 Mirai bauen, 2017 sollen es dann 3.000 sein.

Nach Einschätzung Breuers wird es künftig sowohl batterie-elektrisch betriebene als auch Fahrzeuge mit Wasserstoff-Brennstoffzelle geben. Beide Technologien hätten ihre Vorteile. Die Wasserstoff-Brennstoffzelle des Mirai versorgt einen 113 kW/154 PS starken Elektromotor mit Strom.

Mit einer Reichweite von rund 500 Kilometern und einer vergleichsweise kurzen Dauer von drei bis fünf Minuten fürs Volltanken hat die Technologie die bislang bestehenden Nachteile von reinen Elektrofahrzeugen nicht.

Lokale Emissionen gibt es nicht, aus dem Auspuff wird lediglich Wasserdampf ausgestoßen. Der Einstiegspreis beträgt 78.540 Euro. Jedoch bietet Toyota den Mirai tatsächlich nur im Leasing an – für 1.219 Euro pro Monat.

Es hakt allerdings noch an der Infrastruktur: Nach Kenntnis der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST), einem Beratungsunternehmen für nachhaltige Energie und Mobilität, gibt es in Deutschland insgesamt 34 Wasserstoff-Tankstellen, davon sind 21 öffentlich zugänglich (Stand Ende Januar 2016). Damit steht Deutschland noch ganz gut da, denn weltweit zählen die Berater gerade mal 121 öffentlich nutzbare H2-Tankstellen.

Wettbewerber gibt es für den Mirai bislang nur wenige: Von Hyundai ist das Kompakt-SUV ix35 Fuell Cell seit Mai 2015 für 65.450 Euro bestellbar. Alternativ gibt es das Modell im vierjährigen Full-Service-Leasing für 1.290 Euro im Monat. Im vergangenen Jahr haben die Südkoreaner bereits mehr als 100 Brennstoffzellenfahrzeuge an deutsche Kunden ausgeliefert. Die Konzern-Schwester zieht nach: Kia will im Jahr 2020 ein Brennstoffzellenfahrzeug auf den Markt bringen.

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