Zehn Dinge, die wir wissen, weil sie auf Papier festgehalten wurden

Unvergessene Erbschaften der Menschheitsgeschichte

| Autor / Redakteur: André Adler / Rainer Graefen

Langlebiger als manch anderes Speichermedium
Langlebiger als manch anderes Speichermedium (Bild: VBM-Archiv)

Papier ist zwar geduldig, leider brennt es auch leicht. Wieviel Wissen beim Brand der Bibliothek von Alexandria verloren gegangen ist, kann man nur ahnen. Trotz solch kleiner Mängel war Papier immer für eines gut - es kann Gedanken ohne Strom festhalten.

  • 1. Seismografische Aufzeichnungen von der ersten Mondlandung verrieten die Zusammensetzung des Mondkerns: Bei der Mondlandung 1969 ließen die Astronauten Seismografen zurück. Diese übertrugen noch 20 weitere Jahre Daten zur Erde, denn jemand hatte vergessen die Geräte auszuschalten. Als die vielen Papieraufzeichnungen schließlich gefunden wurden, erwiesen sich die Ergebnisse von entscheidender wissenschaftlicher Bedeutung, um die Zusammensetzung des Mondkernszu bestimmen – wie man heute weiß, ist dieser demjenigen der Erde sehr ähnlich.
  • 2. Vorhersage von Sonneneruptionen anhand von Handzeichnungen aus Kalifornien: Sonnenerruptionen können sich sehr störend auf Stromnetze sowie auf GPS- und Kommunikationsnetze auswirken. Im Westen der USA hängt die Vorhersage für die Sonnenerruptionen zum großen Teil von täglich erstellten Handzeichnungen ab. Sie basieren auf Beobachtungen von Sonnenflecken durch ein Teleskop, das auf einem Berg bei Los Angeles steht. Seit 1917 hat man dieses Verfahren nicht verändert. Die Folge: Ein Archiv aus 23.350 Handzeichnungen.
  • 3. Profiling von Serienmördern aus den Zeitungen von 30 Jahren: Um die Psychologie von Serienmördern besser zu verstehen, werteten Forscher über 30 Jahre lang in einer Studie Zeitungsarchive aus (1980 bis 2012). Sie fanden heraus, dass das häufigste Profil eines Familienmörders, ein arbeitsloser Mann um die Dreißig war, und die größte Gefahr an einem Sonntagnachmittag im August bestand.
  • 4. Die Landkarte des Handtaschenraubs sagt, wann die Nächste geklaut wird: Im Januar 1998 entschied sich ein Polizist des Los Angeles Police Departments (LAPD), eine Karte zu zeichnen, auf der er die Details jüngster Fälle von Handtaschenraub festhielt. Mithilfe dieser Notizen konnte man mathematisch ermitteln, wo und zu welchem Zeitpunkt der nächste Überfall stattfinden würde. Seine Schlussfolgerungen erwiesen sich als richtig und dienten als Grundlage für das ausgeklügelte COMPSTAT-System, das das LAPD nun zur Verbrechensbekämpfung verwendet.
  • 5. Vitamin C beugt Erkältungen vor, oder auch nicht: Einige medizinische Mythen stellen sich letztendlich als wahr heraus. Wie man zum Beispiel weiß, beugen regelmäßige Dosen von Vitamin C Erkältungen vor. Allerdings verkürzt sich dadurch nur die Dauer der Symptome. Zu dieser Erkenntnis gelangte eine systematische Auswertung von medizinischen Studien zwischen 1966 und 2012.
  • 6. Grippeimpfung für Kinder unter 2 Jahren wirkungslos: Eine systematische Analyse von 75 Studien aus den Jahren 1950 bis 2011 ergab, dass Grippe-Impfstoffe für Kinder unter zwei Jahren wirkungslos sind; und das, obwohl viele Regierungen Impfungen für alle Kinder zwischen sechs und 23 Monaten vorschreiben.
  • 7. Heilmittel wie Ephedrin oder Aspirin seit 4749 Jahren nachgewiesen: Die moderne Forschung macht sich heute medizinisches Wissen zunutze, dass über die Jahrhunderte auf Papierdokumenten überliefert wurde. Im Jahr 2735 v. Chr. schrieb der chinesische Kaiser Shen Nong eine Abhandlung, die die Verwendung von Ephedrin gegen Atembeschwerden empfiehlt. Ephedrin wird heutzutage aus Pflanzenextrakt oder synthetisch gewonnen und von führenden Pharmaunternehmen als abschwellendes Medikament eingesetzt. Andere gängige Medikamente pflanzlichen Ursprungs sind ebenfalls auf antike Dokumente zurückzuführen: Aspirin, Chinin und Digitalis (Fingerhut).
  • 8. Jeans waren im 17. Jahrhundert in Italien in Mode: Der Jeans-Stoff Denim wurde schon vor 300 Jahren getragen. Eine Analyse von bisher unbemerkten Bildern aus dem 17. Jahrhundert ergab, dass Denim von der Arbeiterklasse in Genua, Italien, in den 1650er-Jahren getragen wurde.
  • 9. Ein Foto führt zu einer seit 1937 vermissten Pilotin: Das lang anhaltende Geheimnis um das Verschwinden der Pilotin Amelia Earhart 1937 kann womöglich durch eine High-Tech-Analyse von verblichenen Fotos aus dem Jahr 1938 geklärt werden. Auf einem dieser Fotos wurde das Seitenleitwerk eines Flugzeugs entdeckt, nahe jener Japan vorgelagerten Insel, wo Earharts Flugzeug zum letzten Mal gesehen wurde. Eine 2012 unternommene Expedition zu der Insel entdeckte die Überbleibsel einer Dose, von der angenommen wird, dass es sich hierbei um eine Anti-Sommersprossen-Creme aus den 1930er Jahren handelt. Für September 2014 ist eine Unterwasser-Expedition zum Auffinden des Wracks geplant.
  • 10. Altes Grundbuch beweist, dass die Alten nicht schlechter wirtschafteten:Das Domesday Book dokumentiert Grundbesitz und Steuern aus der Zeit von William the Conqueror, etwa 1086. Eine mathematisch-ökonomische Analyse des Domesday Books hat ergeben, dass die landwirtschaftlich geprägte Ökonomie aus dem 11. Jahrhundert ähnlich effizient war wie moderne Volkswirtschaften. Das Buch mit den Ländereien und Vermögenswerten aus dem England des 11. Jahrhunderts wurde 2006 digitalisiert und online gestellt.

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