Patentkontroverse zwischen USA und China

US-Chiphersteller Micron droht Importverbot nach China

| Autor / Redakteur: Sebastian Gerstl / Rainer Graefen

Der amerkanische Chiphersteller Micron darf angeblich seine Arbeits- und Flashspeicher-Chips nicht mehr nach China verkaufen.
Der amerkanische Chiphersteller Micron darf angeblich seine Arbeits- und Flashspeicher-Chips nicht mehr nach China verkaufen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Der US-Chiphersteller Micron Technology darf viele seiner Speicherprodukte vorerst nicht mehr nach China verkaufen. Die Ursache liegt allerdings nicht im Handelskrieg zwischen US-Präsident Trump und China, sondern in angeblichen Patentrechtsverletzungen. Experten befürchten schwere Auswirkungen auf den Speichermarkt.

Der taiwanesische Chiphersteller United Microelectronics Corp. (UMC) setzte dieses vorläufige Verbot nach eigenen Angaben in einer Patentklage durch. Betroffen von dem Verkaufsverbot seien 26 Micron-Produkte wie Arbeitsspeicher- und Flash-Speicherchips. Micron selbst wollte sich dazu zunächst nicht äußern. Das Unternehmen sei noch nicht über die Entscheidung informiert worden.

An den Börsen sorgten die Neuigkeiten für deutliche Reaktionen. Die Aktien von Micron gingen in New York mit minus 8 Prozent aus dem Handel. Die Papiere von UMC legten in Taipeh um fast 4 Prozent zu. Eine Kopie der Entscheidung wollten weder UMC noch das Gericht selbst auf Nachfrage zur Verfügung stellen. Ein Gerichtssprecher bestätigte aber, dass sie existiert.

UMC war im Januar rechtlich gegen Micron vorgegangen. Die Taiwanesen werfen den Amerikanern vor, Patente bei Speicherchips und anderen Produkten verletzt zu haben. Die Klage ist Teil eines umfassenderen Streits zwischen den Unternehmen, bei der es auch um Vorwürfe in die andere Richtung geht. Im vergangenen Jahr verklagte Micron UMC und deren Partner Fujian Integrated Circuit. Dabei ging es um den Vorwurf, die beiden hätten Geschäftsgeheimnisse der Amerikaner gestohlen.

China ist der größte Markt für Halbleiter. Allerdings sitzt keiner der zehn weltgrößten Halbleiterhersteller im Reich der Mitte. Micron erzielte im vergangenen Jahr die Hälfte seines gesamten Umsatzes in dem Land. UMC wurde zwischenzeitlich vorgeworfen, dass das Unternehmen China helfen wolle, die eigene Chipindustrie nach vorn zu bringen.

Micron ist einer der weltweit größten Speicheranbieter: Alleine im ersten Quartal 2018 besaß das US-Unternehmen 12 Prozent Marktanteil im weltweiten Flash-Segment und einen Anteil von 23 PRozent am weltweiten DRAM-Markt.

Auswirkungen auf weltweiten Speichermarkt

Marktbeobachter von DRAMeXchange fürchten, dass diese Anordnung massive Auswirkungen auf den NAND-Flash- und DRAM-Speichermarkt haben könnte. Die Experten schätzen ein, dass China im Jahr 2018 alleine voraussichtlich 26 Prozent von Microns DRAM-Geschäft und 20 Prozent von Microns NAND-Flash-Geschäft ausmachen dürfte. Das stellt einen erheblichen Einbruch des bisherigen Umsatzes dar.

Neben einem Verbot von Produktverkäufen soll Micron auch angewiesen worden sein, sein Montage- und Testwerk in Xi'an zu schließen und die Vertriebsaktivitäten am Standort Shanghai einzustellen.

China plant, noch im Laufe dieses Jahres eigene inländische Flash- und DRAM-Fertigungsanlagen in Betrieb zu nehmen. Diese wurden innerhalb kürzester Zeit durch massive Kapitalaufwendungen seitens Chinas "Big Fund" und Regierungsanstrengungen zum Aufbau einer eigenen High-End-Chipindustrie aus dem Boden gestampft. Die Annahme liegt Nahe, dass diese inländische Produktion den Verlust durch das wegfallende Micron-Geschäft mindestens ausgleichen soll. Das Aufkommen neuer chinesischer Konkurrenz auf dem Speichermarkt wird, in Verbindung mit dem andauernden Zollstreit zwischen China und den USA, in jedem Fall für massive Unsicherheit und Belastung auf dem Chipmarkt sorgen.

* Diesen Beitrag haben wir von unserem Partnerportal Elektronik Praxis übernommen.

Kommentare werden geladen....

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45387497 / Branchen/Mittelstand/Enterprise)