Womit sich Startups heute beschäftigen, Teil 5

Virtualisierung greift jetzt auch nach den Daten

| Autor / Redakteur: Tina Billo / Rainer Graefen

Speicher- und Datenvirtualisierungslösungen sollen es Unternehmen ermöglichen, die immer größeren Datenberge effizient und wirtschaftlich im Griff zu behalten.
Speicher- und Datenvirtualisierungslösungen sollen es Unternehmen ermöglichen, die immer größeren Datenberge effizient und wirtschaftlich im Griff zu behalten. (Bild: Primary Data)

Die Servervirtualisierung ist inzwischen in vielen Unternehmen gängige Praxis. Den großen Erfolg bescherte der Technik vor allem eines: das eingelöste Einspar-Versprechen. Beflügelt durch den anhaltenden Siegeszug keimen immer wieder neue Startups auf, die mit ihren Lösungen ebenfalls auf eine Verschlankung und Optimierung von Infrastrukturen setzen. Heiß gehandelt werden vor allem diejenigen unter ihnen, die sich auf die Speicher- und Datenvirtualisierung konzentrieren.

Um Rechenzentren fit für die Zukunft zu machen, kommen Unternehmen in vielen Fällen nicht um einen Umbau der Infrastruktur herum. Virtualisierungstechniken sind dabei häufig ein beliebtes Mittel, da ihre Einführung vielerlei Vorteile mit sich bringt. Diese reichen von weniger Hardware sowie einer besseren Ressourcennutzung und –verteilung bis hin zu einem einfacheren Management. Weitere Pluspunkte: Prozesse lassen sich optimieren und Kosten senken.

Dass die Technologie angekommen ist und das auch in deutschen Unternehmen, zeigt sich am Virtualisierungsgrad. Knapp 40 Prozent der Firmen hierzulande hatten gemäß Zahlen von Crisp Resarch ihre gesamte Serverlandschaft im Jahr 2015 bereits auf eine virtuelle Ebene gehoben, weitere 50 Prozent immerhin schon die Hälfte ihrer Systeme. Auch die Virtualisierung von Storage scheint auf dem Vormarsch zu sein – bei über einem Drittel der von dem unabhängigen IT-Research- und Beratungsunternehmen befragen Teilnehmern kommen bereits entsprechende Infrastrukturen zum Einsatz, weitere 27,8 Prozent planen deren Einführung.

Es wird weiter virtualisiert

Der Trend zur Virtualisierung wird sich wohl auch künftig fortsetzen, dies ist zumindest das Ergebnis der von Feedback Consulting in Kooperation mit Infosys aufgelegten Studie mit dem Titel „Agenda 2016 – Top Technology-led Implications & Priorities for Enterprises“. Befragt nach Top-Technologien, denen eine maximale Wirkung zugesprochen wird, rangieren Cloud- & Virtualisierungstechniken mit 18,5 Prozent weltweit (Europa: 17,5 Prozent) auf Platz 2.

Analog hierzu stehen Invesitionen in Virtualisierungsinitiativen im Jahr 2016 auf dem Programm der Unternehmen. Eine Umfrage des US-amerikanischen Fachmagazins Computerweekly ergab, dass bei 64 Prozent der Teilnehmer bereits Beta-Tests oder Pilotprojekte rund um die Server-, Storage-, Desktop- oder Netzwerkvirtualisierung am Laufen sind.

Speichervirtualisierung gewinnt an Boden

Die Aussichten für Startups, die auf diesem Gebiet neue innovative Lösungen anbieten können, stehen somit nicht schlecht. Vor allem dann, wenn es sich hierbei um Technologien handelt, mit denen sich Storage virtualisieren lässt. Die durchschnittliche Wachstumsrate in diesem Segment soll zwischen 2015 und 2019 weltweit bei über 24 Prozent liegen, prognostizieren die Marktforscher des US-amerikanischen Analystenhauses Technavio.

Den Aufschwung begründen sie damit, dass sich die zu speichernden und verwaltenden Datenmengen durch den Einzug des Cloud Computing in die Geschäftswelt aber auch durch das Internet der Dinge oder Industrie 4.0 drastisch vervielfachen. Das wiederum fordere Technologien, mit denen sich Prozesse zentralisieren, Ressourcen besser skalieren und Workloads abbauen ließen. Eine Lösung, die Unternehmen dabei helfen und zudem den Übergang zur Cloud-Storage-Generation ebnen soll, kommt von Formation Data Systems.

„Google-artige Speicherfunktionalitäten für Unternehmen“

Formation Data Systems zielt mit seiner Virtualisierungssoftware darauf ab, Unternehmen den Aufbau hyperskalierbarer Enterprise-Storage-Lösungen mit enormen Speicherkapazitäten zu erleichtern. Hierbei nimmt sich das Startup Google, Facebook oder Amazon zum Vorbild. Nach Aussage von Mark Lewis, Mitbegründer und CEO des Startups, entschieden sich diese gegen den Kauf der von den Storage-Herstellern angebotenen Lösungen und für den Einsatz von Bare Metal, schrieben ihre eigene Software - et voilà.

Einen vergleichbaren Weg schlägt das Unternehmen mit der im September 2015 eingeführten FormationOne Dynamic Storage Platform ein, die auf einer dreistufigen verteilten Scale-out Architektur aufsetzt. Die Software ist hardware-agnostisch und lässt sich mit gängigen x86-Servern, aber auch Bare-Metal- und virtuellen Maschinen nutzen. Für den Einstieg reichen vier Knoten aus, bis hin zu 1.000 Nodes sind möglich.

„On-Demand“-Software, die alle Speicheranforderungen erfüllt

Die als hyperskalierbar und fehlertolerant ausgewiesene Lösung bietet laut Hersteller alle Funktionalitäten, die klassischen Enterprise-Storage-Produkten eigen sind. Hierzu zählt das dynamische Tiering (Flash und Festplatte) mit garantierten Service-Leveln sowie die Deduplizierung, das Backup und die Replikation von Daten. Journaling sowie CDP sollen zudem deren umfassenden Schutz gewährleisten. Block- File- und Objektdaten werden gleichermaßen unterstützt, darüber hinaus stehen Konnektoren für die Anbindung an Amazon S3 und Hadoop zur Verfügung.

Das Startup, dass sich laut Aussage von Lewis als „VMware der Storage-Welt“ sieht, wendet sich mit seiner Lösung in erster Linie an die Forbes Global 2000-Unternehmen sowie Firmen mit Big-Data-Workloads oder cloudbasiertem Objekt-Storage, deren Speicheranforderungen extrem hoch sind. Diese profitieren nach seiner Ansicht am meisten von der derzeit als Subskriptionsmodell bereitgestellten SaaS-Virtualisierungsplattform, die „zehnmal wirtschaftlicher“ sein soll, als die von traditionellen Storage-Anbietern derzeit angebotenen Lösungen.

Silo-übergreifendes Datenmanagement

Das 2013 gegründete kalifornische Startup Primary Data verfolgt bei seinem Virtualisierungsansatz eine einfache Vision: Daten sollen sich über Storage-Tiers hinweg virtualisieren sowie automatisch über die verschiedenen Plattformen hinweg verschieben lassen.

Die Idee basiert auf einem simplen Gedanken: Heutige Speicherinfrastrukturen setzen sich aus unterschiedlichsten nebeneinander koexistierenden Storage-Lösungen (DAS, SAN, NAS, Cloud-Storage) zusammen. Daten zwischen diesen Silos auszutauschen und zu verwalten ist schwierig und lässt sich mit Storage vMotion oder damit vergleichbaren Features aufgrund der Bindung an die Systeme eines Herstellers nicht zufriedenstellend erledigen.

Ein globaler Data Space

Mit der im August 2015 eingeführten DataSphere Virtualisierungssoftware will Primary Data nun eine Lösung anbieten, mit der sich laut CEO Lance Smith „Daten anstelle von Speichersilos“ verwalten lassen. Um dies zu erreichen, werden Daten in einem sogenannten globalen Data Space unter Einsatz von Metadaten virtualisiert und automatisch in dem jeweils am besten geeigneten Speicher abgelegt. Kriterien sind dabei unter anderem Performance, Kapazität und Kosten. Interessant dabei ist, dass dieser Ansatz künftig auch weitere Faktoren – Datenschutz, Verfügbarkeit, Priorität, Sicherheitsparamenter etc. – einbeziehen könnte.

Die nach Aussage des Startups bewusst für große Unternehmen entwickelte Lösung ist hardware-agnostisch und skalierbar und eignet sich unter anderem für Sicherungs-, Archivierungs- und Disaster-Recovery-Zwecke sowie die Migration von Daten über Tiers hinweg. Zudem sollen sich mit dem Einsatz der Software die Anwendungsperformance und der Lastenausgleich optimieren lassen.

Derzeit wird die Software, die mit den Betriebssystemen Windows, Linux und ESX zusammenspielt, ebenso wie die von Formation Data Systems im Abo-Modell angeboten. Ein Ausbau des Funktionumfangs ist geplant – folgende Schritte bestimmen dabei die Strategie:

  • Virtualisierung mit VMware vSphere 6.0 und Virtual Volumes
  • Scale-out NAS (hier möchte man sich zu einer Isilon-Alternative entwickeln)
  • Datenmigrations-Szenarien
  • Backup, Restore, Archivierung, Cloud-Gateway

Ob das Konzept aufgeht, hängt stark davon ab, in welche Richtungen sich Infrastrukturen entwickeln. Denn sollten beispielsweise hyperkonvergente Systeme bestehende Silostrukturen ablösen, könnte die Primary Data-Lösung ihre Daseinsberechtigung verlieren.

Im nächsten Teil unserer Startup-Serie geht es dann um eine weitere eigentlich „schon erwachsene“ Technologie: Flash ist dann das Thema.

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