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Kommentar Hybrid-Laufwerke Vista-Notebooks machen schneller schlapp

| Autor / Redakteur: Rainer Graefen / Bernd Schöne, Dipl. Phys. Bernd Schöne

Unter www.Hybridstorage.org ist eine klare Werbebotschaft zu lesen: Die Verschmelzung von Magnet- und Flash-Speicher bringt Microsoft Vista schneller auf den Notebook-Bildschirm und verlängert durch geringeren Stromverbrauch gleich noch die Akku-Laufzeit. Doch Vorsicht. Ob die tragbaren Rechner gleich eine halbe Stunde länger arbeitsfähig sind, wie die dort versammelten Festplattenhersteller behaupten, ist mehr als zweifelhaft.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Es ist für die IT-Industrie immer wieder schön, wenn Microsoft ein neues Betriebssystem auf den Markt bringt. Neben Intel und AMD freuen sich auch Motherboardhersteller und Lüfter-Lieferanten, wenn die Kundschaft wieder einmal um leistungsfähigere Prozessoren bettelt.

Zweitens freuen sich auch die Grafikkartenhersteller, da die Benutzung der „luftigen“ Aero-Oberfläche einen Grafikprozessor der gehobenen Art verlangt, um ihren animierten Charme voll zu entfalten.

Zwei einzelne Cores verbrauchen mehr als ein Dual-Core

Das hört sich nicht gerade Strom sparend an. Relativ betrachtet sind die Dual-Core-Prozessoren zwar sparsamer als zwei Prozessoren, absolut betrachtet verbraucht der Dual-Core allerdings mehr als ein einzelner Prozessor. Spätestens bei der Lektüre der Stromrechnung wird den Käufern der feine Unterschied bewusst

Bei den Grafik-Prozessoren ist das Ende des Stromhungers noch gar nicht absehbar. Dazu kommt, dass der Einsatz eines leistungsfähigen Produkts im Notebook nicht ohne ein Strom fressendes Heat-Pipe-System funktionieren dürfte, das die knappe Energie, wenn sie sich erst einmal in Wärme umgewandelt hat, so schnell als möglich wieder von den Prozessoren ableitet.

Ein weiterer Stromfresser ist wahrscheinlich der dynamische Hauptspeicher, da erst mit dem Ausbau auf zwei Gigabyte Vista flotter arbeiten wird.

Wenn der Notebook-Anwender das Thema Benutzungsfreundlichkeit niedriger hängt, besteht allerdings durchaus die Chance, Energie zu sparen. Nach Angaben von Microsoft können geduldige Zeitgenossen das neue Betriebssystem schon mit einem 800 Megahertz Prozessor und 512 MByte Arbeitspeicher betreiben.

Ein Watt weniger sind auch nur zwei Prozent

Aber selbst in der von Microsoft angegebenen Minimal-Konfiguration, stellt sich die Frage nach der Stromersparnis. Die Hauptstromverbraucher eines Notebooks sind nun einmal mit 25 Watt der Prozessor, danach folgen Grafikkarte und Display mit 10 Watt, ähnlich viel dürfte die Hauptplatine benötigen und ganz zum Schluss kommt die Festplatte mit etwa einem Watt.

Die Rechnung der Hybrid-Protagonisten sieht aus dieser Perspektive eher nach der klassischen Milchmädchenrechnung aus. Wer nur ein fünfzigstel der Energie spart, der arbeitet sicherlich nicht eine halbe Stunde länger. Bleibt die Botschaft, dass Vista nicht mehr so lange zum Booten braucht. O.K., das fände ich auch nicht schlecht, wenn mein Rechner schneller betriebsbereit wäre. Noch lieber wäre mir aber, wenn das auch für die Anwendungen gelten würde.

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