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An Xiaomi kommt keiner vorbei Vom Kopieren zum Erfinden – Die „gelbe Gefahr“ 2.0

Autor / Redakteur: Peter Koller / Rainer Graefen

Es ist noch gar nicht solange her, da mussten wir uns an Namen wie Huawei oder Lenovo gewöhnen, heute sind beide chinesischen Konzerne etablierte Player im Elektronikgeschäft.

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Peter Koller, Chef vom Dienst, ELEKTRONIKPRAXIS
Peter Koller, Chef vom Dienst, ELEKTRONIKPRAXIS
(Archiv: Vogel Business Media)

Nun gilt es erneut, sich ein paar Namen ins Gedächtnis zu brennen, die Europäern nicht so leicht von der Zunge gehen: Yulong etwa oder Xiaomi. Letzteres Unternehmen gilt als der am schnellsten wachsende Smartphone-Hersteller der Welt und hat auf dem chinesischen Mobilfunkmarkt - dem größten der Welt - Samsung von der Spitze verdrängt. Nicht schlecht für ein Unternehmen, das gerade mal vier Jahre alt ist...

Nun mag man sich gerade über Xiaomi amüsieren, das sich nicht nur bei Hard- und Software stark an Apple „orientiert“, sondern sogar seinen CEO als Wiedergänger von Steve Jobs neue Geräte präsentieren lässt. Doch Tatsache ist, dass die Zeiten des reinen Kopierens für chinesische Elektronikhersteller lange vorbei sind.

Strategische Position durch Patente

Wer sich ein bisschen mit dem Thema Elektronikforschung beschäftigt weiß, dass es viele Menschen chinesischer Herkunft sind, die in den Spitzenlabors der ganzen Welt erfinden – und später nicht selten ihre Expertise und internationale Erfahrung auf dem boomenden Heimatmarkt vergolden. Auch die Zahl der Patentanmeldungen spricht für einen grundlegenden Wandel. Eine Studie der TU München zeigt, dass asiatische Hersteller gezielt Patente zur Lithium-Akku-Technik horten.

Sicher nicht nur, um Smartphones längere Laufzeiten zu bescheren, sondern um sich eine strategische Position in Bereichen wie Elektromobilität und Energiewende zu sichern. Denn frühere Entwicklungen etwa in Japan oder Taiwan haben gezeigt, dass es oft nur eine Frage der Zeit ist, bis asiatische Newcomer neben dem Stückzahlen-mächtigen aber an Margen armen Handygeschäft die genau gegenteilig aufgestellten Elektroniksektoren in Bereichen wie Industrie oder Automotive entdecken. Denn dort spielt derzeit in Sachen Halbleiterwachstum die Musik.

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