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Die Zukunft der Datenrettung hängt vom Verständnis der Datenspeicherlogik ab

Vom Reinraum-Retter zum Software-Strukturexperten

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Zehntausendfache Datenmenge, gleiche Reparaturzeit

Geändert sich sich in der Zwischenzeit die Betrachtungsweise der Sektoren. Sie ist von einer Kopf/Sektor/Zylinder- zu einer logischen Block-Adressierung geworden. Heute arbeiten Disks mit dem Dateisystem FAT32. Bei einer Festplatte mit ein TByte hat die entsprechende FAT-Tabelle einige zehntausend Sektoren.

Manuell ist das nicht mehr zu stemmen, doch inzwischen arbeiten die Datenretter mit ausgefeilten Software-Tools, die vieles halbautomatisch erledigen. Die Reparatur einer Terabyte-Festplatte dauert deshalb immer noch nicht wesentlich länger als die einer 100 MByte-Festplatte von vor 15 Jahren.

In anderen Aspekten hat sich die Komplexität eher verringert: Vor einer Dekade gab es noch eine Vielzahl von Herstellern herkömmlicher Festplatten. Der Datenrettungsexperte musste sich entsprechend mit einer Vielzahl von Eigenheiten in Bauart,

Dateisystem und Aufbau auskennen – und ein großes Ersatzteillager vorhalten, mit Schreib-/Leseköpfen, Ersatzplatinen und anderen Komponenten von Festplatten aller Hersteller und Typen. Inzwischen ist die Vielfalt eher einer Einheitskultur gewichen. Preisverfall und Marktkonsolidierung haben dazu geführt, dass es bald nur noch drei relevante Festplattenhersteller gibt.

Das geheime Wissen der Datenretter

Wer erfolgreich Daten von einer ausgefallenen Festplatte – oder einem anderen Speichermedium – retten möchte, braucht Spezialwissen über die internen Strukturen des jeweiligen Systems.

Für den Datenrettungsingenieur gilt es also Schritt zu halten mit der Entwicklung von Dateisystemen, Server-Organisationsstrukturen, dem Installationsverhalten von Betriebssystemen und der Vorgehensweise von Optimierungs-Tools.

Denn nur wer ein System genau kennt, weiß, welche Daten in welchen Verzeichnissen, Sektoren oder Segmenten von Datenträgern zu finden sind. So lassen sich beispielsweise gelöschte Daten relativ leicht wiederherstellen, wenn die Daten noch nicht überschrieben wurden.

Eine systematische Suche findet auch Fragmente von Dateien in freigegebenen Clustern oder im Slack-Bereich. Und wer das jeweilige Betriebssystem und seine Eigenheiten kennt, kann auch aus gelöschten E-Mails oder über die Wiederherstellung von Meta-Daten viel retten.

Virtuelle Filesysteme und Verschlüsselung

Neu hinzugekommen sind seit kurzem die sehr populären virtuellen Welten von VMware, Microsoft und anderen. Die Datenrettungsspezialisten arbeiten intensiv mit den jeweiligen Herstellern zusammen, damit sie Daten aus solchen Systemen wiederherstellen können.

Eine Entwicklungs- und Forschungsabteilung arbeitet ständig daran, die Geheimnisse von Verfahren und Prozeduren genau zu erforschen – was umso wichtiger wird, je komplexer das System ist. Gute Kontakte zu den Herstellern sind auch bei der Verschlüsselungstechnik unabdingbar.

Vor einigen Jahren gab es noch eine ganze Reihe kleiner Anbieter in diesem Sektor, inzwischen sind viele von den großen Softwarehäusern übernommen worden. Geblieben ist die Devise: Wenn die Datenretter frühzeitig Kontakt zu den Herstellern aufnehmen, erhalten sie leichter Einblick in die Strukturen.

Im Idealfall können sie sogar daran mitwirken, dass Verschlüsselungsprozeduren die Datenrettung im Notfall erleichtern. Ohne Kopie der Schlüssel geht allerdings auch im besten Datenrettungslabor nichts mehr.

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