Kommentar von Rainer Graefen zu disruptiven Speichertechnologien

Von der Unwahrscheinlichkeit einer Flash-Alternative

| Redakteur: Rainer Graefen

Rainer Graefen, Chefredakteur Storage-Insider.de
Rainer Graefen, Chefredakteur Storage-Insider.de

Jahrzehntelange Forschung kann nicht billig sein. Selbst wenn sie gelingt können viele Millionen Euro in den Sand gesetzt sein, weil die Konkurrenz einen Tick schneller war. Diese Konsequenz droht in den nächsten zwei, drei Jahren vielen Laboren, die sich mit der Miniaturisierung der Speichertechnik befassen.

Legt man den Verbraucherstandpunkt an, dann kann es gar nicht genug Speicher für mobile Geräte geben, um all die Wünsche nach mehr Apps zu befriedigen. Selbstredend darf der möglichst keinen Strom aus dem Akku ziehen, aber nach dem Einschalten muss das Gerät sofort funktionsfähig sein.

Legt man den Standpunkt eines Service-Providers oder allgemeiner eines professionellen Anwenders an, dann ist diesem der Hauptspeicherausbau seiner Servers mit Terabytes von DRAM-Modulen viel zu teuer und die aktuellen Flash-Speicher auf NAND-Basis viel zu langsam.

Zwischen DRAM mit Zugriffszeiten von 5 Nanosekunden und Flash mit 250 Mikrosekunden "klafft", gemessen an gegenwärtigen Performance-Bedürfnissen eine "riesige" Lücke, die viele gerne zu einer lukrativen Marktlücke ausbauen würden.

Sich selbst Konkurrenz machen

Einen neuartigen Halbleiterspeicher auf den Markt zu bringen, ist nicht ganz einfach. Das Produktmarketing spricht gerne von einem "moving target", das "behind a window" vorbeiläuft. Gemeint ist, dass das Marktgeschehen nicht statisch ist und der Angriff auf eine bewährte Technik nur in einem engen Zeitfenster erfolgreich sein kann.

Auf die Flash-Technik bezogen heißt das, dass deren Produzenten durch technische Innovationen schon einige Angriffe abwehren konnten. Nun ist das Potenzial von Flash allerdings weitgehend ausgeschöpft.

Eine weitere Verkleinerung der Elektronenfalle, deren Füllmenge ein bis maximal drei Bit unterscheidbar machen, ist sehr schwer und auch die Erweiterung in die dritte Dimension löst diese grundsätzliche Herausforderung nicht.

Günstige Zeiten

Nicht unerheblich ist ebenfalls das Problem, dass wahrscheinlich nur noch drei Produktionsschritte möglich sind, um die maximale Flächendichte von Flash zu erreichen. Schon heute sperren die immer dünner werdenden Grenzschichten nicht mehr ohne zusätzliche Dotierungs-Tricks.

Allerdings ist das Interesse, einen Verkaufsschlager wie Flash aus dem Verkehr zu ziehen und durch eine PCM-Alternative zu ersetzen, nicht eine Frage des besseren Produktes, sondern hat etwas mit Unvermeidbarkeit, einfacheren Herstellungsverfahren und vor allem dem Entwicklungspotenzial und damit einer langfristig brauchbaren Umsatzquelle zu tun.

Die Gegenspieler der Flash-Technik, die ja fast immer auch deren Produzenten sind, stellen insofern das "Angriffsziel" wie auch die angreifende Technik vor eine harte Bewährungsprobe. Die Überführung eines erfreulichen Forschungsergebnis in ein Industrieprodukt ist auf jeden Fall ein risikoreiches Pflaster.

Ganz ausgeräumt ist damit allerdings immer noch nicht das Problem, dass eine Konkurrenztechnologie entgegen aller Erwartungen die Fertigungsreife erlangt. Von der Kunst das "Fenster" nicht zu verpassen, hängt damit die Zukunft des Unternehmens ab.

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