Speicherzukunft

Von Molekülspeichern, Nano-Schmelzern und Holographen

11.12.2006 | Autor / Redakteur: Jürgen Hinderer, Rainer Graefen / Rainer Graefen

Für die Zeit nach Gordon Moore (Mooresches Gesetz) arbeiten Forschungsinstitute weltweit an alternativen Speichertechniken. Hier wird weit in die Zukunft geblickt und gleichzeitig schon immer das Ende der gegenwärtigen Aufzeichnungstechniken herbeigefürchtet. Einerseits sind fast alle Ersatztechniken nicht soweit, andererseits lässt sich mit Risikokapital einiges an derzeitiger wissenschaftlicher Unkenntnis beseitigen.

Wer sich tiefer gehend mit neuen technologischen Konzepten beschäftigt, hat den Eindruck, dass er bei manch hoch gelobter Technik in die Anfangszeiten der Datenspeicherung zurück versetzt wird. Da finden sich immer wieder X-Y-Matrizen, wie beim Kernspeicher, die an ihren Kreuzungspunkten irgendein Speichermaterial beeinflussen. Neben magnetischen und anisotropen Materialien sind zurzeit winzig kleine, identisch herstellbare Moleküle angesagt, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen und identische Verhaltenmuster haben.

Oder man erkennt die Prinzipien der guten alten Lochkarte wieder, nur dass heute nicht mehr Papierkarten gestanzt wird, sondern feinste Laser Löcher in das Material bohren oder alternativ mit kleinsten Abtastarmen Vertiefungen schmelzen. Hier werden im übertragenen Sinn also Nano-Lochkarten hergestellt.

Auch die seit vielen Jahren propagierte Speichervariante Holografie findet immer wieder begeisterte Befürworter – manches mal so Begeisterte, dass man selbst schon an den Durchbruch glaubt. Hoch im Kurs stehen ebenfalls Methoden, die den Drehimpuls eines Atoms zur Speicherung nutzen wollen. Computertomographen auf Basis der Magnetresonanz sind Beispiele für das Funktionsprinzip.

WORM mit Holografietechnik chancenlos?

Trotz aller wissenschaftlichen Grundlagenkenntnisse – fast bis zum Urknall – ist die Umsetzung in praktische Produkte nicht ganz einfach. „Tesa-Film“ beispielsweise galt als die ultimative Antwort auf die zukünftigen Engpässe bei der Archivierung von Daten. Die Firma Opticom versprach, 100 Terabyte Daten auf einer elektronisch auslesbaren Folie unterzubringen. Finanzier Intel hat dem Projekt inzwischen den Rücken gekehrt.

Auch die von Beiersdorff gegründete Firma Tesa Scribos, die in Tesa-Film mit einem Laser mikrometerkleine Punkte brennen will, hat nach viel Marketinggeschrei so ihre Probleme. Finanzstarke Partner sind nicht zu finden. Ähnlich ergeht es anderen Technologien wie der Holographie. Bislang scheint nur das einmalige Schreiben zu funktionieren. Trotz dieser für die Archivierung wichtigen WORM-Funktion (Write once, read many) ist der wirtschaftliche Erfolg in weite Ferne gerückt, da es nicht mehr ausreichend ist nur Magneto-optische Aufzeichnungsverfahren zu verbessern, sondern auch notwendig ist sich gegen WORM-Festplatten-Speichersysteme zu behaupten.

Die Speicherzukunft liegt bei Disk und RAM

Eine Herausforderung, bei der nicht nur die eigenen immensen Entwicklungskosten hinderlich sind, sondern wahrscheinlich selbst ein gebrauchsfertiges Produkt an der Speicherindustrie scheitern dürfte. Industriepartner wie Hewlett-Packard und Fujitsu Siemens Computer, die MO-Jukeboxen gerade aus ihren Produktkatalogen streichen, werden sich wohl nicht mehr so schnell wieder auf eine neue optische Speichertechnik einlassen. Ein weiteres entscheidendes Hemmnis wäre neben dem Aufsetzen neuer Prozesse auch die Filmindustrie, die seit Jahren ein fälschungssicheres Medium sucht – und nicht findet.

Wer Antworten auf die heutigen Speicherprobleme sucht, wird sie nicht in den Zukunftstechnologien finden. Dort stimmen weder Robustheit und Formfaktor noch Speicherdichte oder Geschwindigkeit. Die magnetische Aufzeichnung auf Festplatten wie auch die Siliziumtechnik werden uns noch mindestens für zehn weitere Jahre Innovationen bescheren und für dreißig weitere Jahre als Commodity begleiten.

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