Dell-Experte Peter Dümig im Interview zu Server-Hardware Von Wasserkühlung bis Lichtleiter – was gehört in einen Dell-Server?

Autor / Redakteur: Nicolai Zotow* / Ulrike Ostler

Peter Dümig ist der Experte bei Dell in Deutschland, wenn es um Server-Hardware geht. Wir haben ihn zu den derzeit bestimmenden technischen Ausprägungen und zur Konkurrenz aus China befragt: Wird es wassergekühlte Systeme geben? Wie sieht es mit Silicon Photonics aus? Welche Dichte wird Standard und werden hyperkonvergente Systeme das Bild im Rechenzentrum bestimmen?

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Peter Dümig, Field Product Manager Enterprise Solutions Dell, weicht auch Fragen nach der Konkurrenz nicht aus.
Peter Dümig, Field Product Manager Enterprise Solutions Dell, weicht auch Fragen nach der Konkurrenz nicht aus.
(Bild: Dell GmbH)

Wie sehen Sie die Zukunft der Wasserkühlung in Server-Systemen?

Peter Dümig: In speziellen Umgebungen wie beim High Performance Computing bietet sie zwar Vorteile, weil so höhere Energiedichten möglich sind. Im kommerziellen Umfeld jedoch wird sie sich nicht durchsetzen, da ihre Handhabung zu komplex ist. So muss beispielsweise am Münchner Leibnitz-Rechenzentrum viel Aufwand betrieben werden, um das Wasser neutral zu halten.

Die Administratoren müssen sich um Filter und Algenwuchs kümmern. Außerdem muss man, wenn man die Geräte nicht komplett unter Kühlflüssigkeit setzt, die Konnektivität sicherstellen. Bei komplett getauchten dürfen keine drehenden Teile vorhanden sein.

Der Aufwand für Wasserkühlung ist groß. Bei Dell gehen wir den gegenteiligen Weg. Hier setzen wir auf höhere Betriebstemperaturen, damit der Kühlungsaufwand geringer bleibt. Dell hat bereits mit Emerson Network Power zusammen solche Systeme beim Bundesinstitut für Berufsbildung realisiert. Außerdem arbeiten große Hosting-Anbieter mit freier Kühlung. Vorstellen könnte ich mir allerdings gekapselte Racks mit eigener Kühlung.

All-purpose oder Customized: Wohin geht Ihrer Meinung nach die Reise bei Server-Systemen?

Peter Dümig: Darauf zu antworten ist nicht ganz so einfach. Auf dem Markt werden die Standardsysteme gewinnen. Sie sind schneller auf den Markt zu bringen und dabei auch noch preiswerter.

Fast verschwunden ist der mittlere Bereich mit den Unix-Systemen. Diese befinden sich zwischen Mainframes und Standardsystemen und werden von ihnen bedrängt. Im Großen und Ganzen werden die x86-Systeme gewinnen. Außerdem gibt es bereits spezialisierte Systeme auf x86-Basis. Beispiele dafür wären Microsoft CPS mit dem gleichen Ansatz wie bei „EVO Rail“. Hier fährt man ein Grid-Konzept, auf dem die Infrastruktur aufgebaut wird.

Was Mainframes betrifft, spielt hier der Sicherheitsaspekt eine Rolle, auch weil es keine Historie bezüglich Einbrüchen gibt. Kunden kaufen sie auch wegen der Ausfallsicherheit. Allerdings sind sie schwerer zu verwalten und auch teurer. Am Ende muss man sich immer überlegen, welches Ergebnis man erreichen möchte.

Wenn es einen spezifischen Nutzen gibt, akzeptiert ein Kunde eine Lock-in-Situation. Wegen den Software-defined-Konzepten nehmen Kunden neuerdings gerne offene Systeme, um flexibler agieren zu können. Die von Mainframes gewohnte Ausfallsicherheit kann man auch durch Grid-Konzepte erreichen.

Mit steigender Anpassung der Technologie und der Geschwindigkeit verschieben sich die Grenzen des Möglichen von Jahr zu Jahr immer weiter. Vor Jahren hätte man zum Beispiel in der Virtualisierung einiges nicht erreichen können, was heute Usus ist. So werden die Preise von proprietären Systemen durch die zukünftig niedrigere Nachfrage noch steigen.

Wie sehen Sie die Position von Quanta im heutigen Umfeld?

Längst ist der Anbieter aus China kein No-Name mehr.
Längst ist der Anbieter aus China kein No-Name mehr.
(Bild: Quanta)

Peter Dümig: Qanta ist klassisch groß geworden als Auftragsfertiger. In einigen Marktbereichen sind sie sicher Wettbewerber. Besonders bei Systemen, bei denen Service keine Rolle spielt. Das sieht man an deren wachsenden Marktanteilen. Allerdings darf man nicht übersehen, dass die meisten deutschen Anwender großen Wert auf Service legen. Schnelle Reaktionszeit und Know-how sind wichtig, wenn mal was schief geht. Ein Anbieter wie Quanta kann das nicht erfüllen.

Ihre klassischen Kunden sind Unternehmen wie Wortmann oder Thomas Krenn. Teilweise adressieren sie Endkunden direkt und sprechen mit Google oder Facebook. Unter Umständen ist aber die Zertifizierung Angelegenheit des Kunden. Der zweite Block ist das Systemmanagement. Darin können sich Anbieter differenzieren und die Administratoren der Kunden entlasten. Deswegen mache ich mir wegen diesen Anbietern keine Gedanken.

Und wie steht es um Lenovo?

Peter Dümig: Bei Lenovo steht und fällt die Position mit der Integration der x86-Sparte von IBM. Wenn sie es schaffen, eine Produktlinie aufzubauen, ist das mittelfristig ein Wettbewerber. Ich gehe davon aus, dass der Prozess ähnlich sein wird, wie nach der Integration von IBMs PC-Sparte. Da konnte man aber nicht sehen, dass diese gut gelang. Bei der letzten Übernahme gab es schwere Verwerfungen.

Manche Kunden gaben mir außerdem die Rückmeldung, dass sie Lenovo nicht als einen Partner im Server-Bereich sehen. Der Erfolg von Lenovo im Server-Business steht und fällt mit dem Know-how seiner Mitarbeiter. Man sollte das Thema in einem dreiviertel Jahr nochmal diskutieren, wenn sich der Staub gelegt hat. Wenn sie den Start schaffen, könnte ein spannender Wettbewerber entstehen.

Wenn Sie einen Blick in die Kristallkugel wagen, wer dürften die Gewinner auf dem Server-Markt sein?

Peter Dümig: Es gab Analysten, die zwei Überlebende der großen Schlacht auf dem Markt sehen: Dell und HP. Fujitsu könnte langfristig vom Markt verschwinden. Auf ihren Heimatmärkten Deutschland und Japan sind sie zwar stark, weltweit weniger präsent. Lenovo könnte der dritte Überlebende sein, aber ihnen fehlt heute noch die Erfahrung. Bislang hatten sie eher KMUs als Kunden.

Sie könnten an den Vorbehalten zu knabbern haben, denen sie im Markt begegnen. Allerdings haben sie Know-how, Stärken in der Produktion und eine Marktmacht. Ich hatte aber nicht den Eindruck, dass mit den bisherigen chinesischen Servern viel auf dem deutschem Markt passiert ist.

Wie sehen Sie die Diskussion um Konvergenz oder Hyperkonvergenz?

Peter Dümig: Hyperkonvergenz ist ein Marketingschlagwort. Wenn etwas hyperkonvergent ist, ist es auch konvergent. Konvergenz ist Evolution, Hyperkonvergenz ist Revolution. Kunden sehen, dass das zusammenwächst. Die meisten verstehen unter Hyperkonvergenz eine virtuelle Infrastruktur. In meinen Augen ist die Infrastruktur in beiden Fällen dieselbe.

Für mich stellt sich hier die Frage, wie schnell man an das Thema gehen möchte. Man kann seine alte Infrastruktur nicht einfach so wegwerfen. Bei Konvergenz nutzt man die alten Systeme weiter, während man bei Hyperkonvergenz vollkommen neu aufsetzen muss. Das Thema ist allerdings für viele wegen der höheren Flexibilität und Einfachheit interessant. Software defined Storage zum Beispiel interessiert auch viele. Es gibt aber noch viele Abhängigkeiten, die man nicht einfach überwinden kann.

Wie sehen Sie die Zukunft von Silicon Photonics?

Peter Dümig: Wir haben derzeit konkret nichts, was auf der Roadmap wäre, aber wir beobachten die Entwicklung. Es gibt bereits Referenzen von Fujitsu und Intel, die sich im frühen Stadium befinden. Silicon Photonics wird die IT aber nicht kurzfristig revolutionieren. Da sie auch teuer ist, ist es fraglich, ob sie sich jemals durchsetzen wird. Spannend wegen ihrer hohen Performance wäre sie ja. Ich würde ich ihr heute am ehesten Chancen in einer Nische einräumen.

* Nikolai Zotow ist freier Journalist und lebt in der Nähe von München.

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