Geplante Obsoleszenz Wärmebildkameras: Bunte Bilder gegen schwarze Schafe

Redakteur: Rainer Graefen

Kurz nach der Gewährleistungsfrist funktioniert das Gerät nicht mehr. Zufall? HTV prüft Produkte auf vom Hersteller eingebaute Sollbruchstellen und verleiht das Prüfzeichen „HTV-Life“, falls alles in Ordnung ist. Wärmebildkameras von Testo leisten bei der Suche nach schwarzen Schafen Unterstützung.

Testo-Wärmebildkameras spüren Sollbruchstellen auf
Testo-Wärmebildkameras spüren Sollbruchstellen auf
(Bild: Testo AG)

In jüngster Vergangenheit sorgte das Thema „Geplante Obsoleszenz“ in Elektrogeräten für großen Gesprächsbedarf. Denn schnell alternde Gerätebauteile führen zu einer verkürzten Lebensdauer und verursachen für die Verbraucher nicht nur Mehrkosten in Millionenhöhe, sondern stellen auch eine enorme Belastung für die Umwelt dar, da der Elektroschrott ökologisch verträglich entsorgt werden muss.

Für Verbraucher und Experten steht deshalb die Frage im Mittelpunkt, wie diese Schwachstellen entstehen und welche Möglichkeiten es gibt, diese zu verhindern bzw. fragwürdige Produkte zu erkennen.

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Das Testhaus HTV führt bereits seit mehr als 27 Jahren Lebensdauerprüfungen durch und untersucht seit letztem Jahr Produkte gezielt auf geplante Sollbruchstellen. Hierzu werden Testverfahren entwickelt, an deren Ende zuverlässige Produkte das Prüfzeichen „HTV-Life“ verliehen bekommen.

Zur Prüfung gehören eine detaillierte Analyse der Herstellungsunterlagen, Lebensdauerbetrachtungen und eine Untersuchung der verwendeten Materialqualitäten sowie deren Verschleißanfälligkeit. Des Weiteren werden mechanische, elektronische und bei Bedarf softwaretechnische Aspekte berücksichtigt. Überdies muss der Hersteller eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass sich keinerlei geplante, lebensdauerbegrenzende Sollbruchstellen in seinem Produkt befinden.

Ein wichtiges Instrument bei diesen Untersuchungen stellen die Wärmebildkameras von Testo dar. Wärmequellen in Kombination mit wärmeempfindlichen Bauteilen sind eine oft verwendete Möglichkeit für eine geplante Obsoleszenz. Die mit den Wärmebildkameras durchgeführten thermografischen Analysen liefern für die Prüfer wichtige Erkenntnisse über die Entstehung und Auswirkungen solcher „Hot Spots“.

Dipl.-Ing. (TH) Holger Krumme, bei HTV als Managing Director Technical Operations tätig, kennt eine Vielzahl solcher Beispiele aus der Praxis: „Wir stellen immer wieder fest, dass zum Beispiel besonders hitzeempfindliche Bauteile in direkter Nähe zu Hitzequellen eingebaut werden. Hier sind Probleme quasi vorprogrammiert, die uns durch die Wärmebildaufnahmen in der Regel auch bestätigt werden“.

So fallen beispielsweise LCD-Monitore, Flachbildfernseher und Computer häufig deshalb aus, weil die Hersteller thermosensible Komponenten wie Elektrolytkondensatoren absichtlich neben sehr heißen Bauteilen wie Leistungstransistoren oder PC-Prozessoren einbauen.

An diesen Stellen liegen die Temperaturen bei rund 100 °C. Die Kondensatoren altern durch den Wärmeeinfluss sehr schnell und zerstören sich durch ein Aufwölben der Oberseite bis hin zum Ausgasen und Platzen. Deshalb liegt die Lebensdauer der Kondensatoren bei nur noch wenigen Tausend Stunden, d. h. nach zwei bis drei Jahren ist der Bildschirm kaputt. Aufgrund unverhältnismäßig hoher Reparaturkosten landen die Monitor meistens auf dem Müll und der Anwender muss einen neuen beschaffen.

„Ein Unding“, findet Holger Krumme. Um die Alterung zu beschleunigen, werden selbst bei Geräten renommierter Hersteller Computerplatinen gezielt im Heißluftstrom der Prozessorkühlung eingebaut, so die Erfahrung von Holger Krumme.

Thermografische Analyse

Um Wärmenester aufzuspüren, setzt HTV Wärmebildkameras von Testo, Typ testo 885-2, ein. Mit dieser Wärmebildkamera im Camcorder-Format finden die Untersuchungen im Gerätebetrieb statt, d.h. unter Spannung (elektrisch) bzw. in Bewegung (mechanisch).

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Das Ziel ist, Wärmenester und deren Entwicklung aufzuspüren und den Verlauf zu dokumentieren. Hierbei liefert die bewährte Optik der Kamera mit ihrem leichten Weitwinkel- oder Teleobjektiv sowie einer Auflösung von 320 x 240 Pixel außergewöhnlich scharfe und aussagekräftige Bilder. Durch die SuperResolution-Technologie kann sogar zusätzlich eine nochmals viermal höhere Bildauflösung erzeugt werden (640 x 480 Pixel). Testo bietet neben der Auswertesoftware IR-Soft auch eine vollradiometrische Videomessung an.

Holger Krumme: „Wir haben es uns bei der Auswahl der Wärmebildkameras nicht einfach gemacht, denn unser Anspruch war, eine ideale technische Unterstützung für unsere Tests zu erhalten. Letztlich fiel die Wahl auf Testo.

Die umfassende Beratung war für uns sehr hilfreich in der Entscheidungsfindung. Ein Vergleich mit anderen Anbietern ergab das beste Preis-Leistungsverhältnis. Und schließlich bietet Testo Qualität „Made in Germany“ mit einem umfassenden After-Sales-Portfolio. Das hat uns insgesamt klar überzeugt“.

Die Testo-Kameras werden normalerweise im Wärmespektrum von 40 bis 150 °C eingesetzt, wobei aber Temperaturspitzen bis rund 180 °C vorkommen können. „Für uns beginnt es dann besonders interessant zu werden, denn wir nutzen die Übersichts- und Detailaufnahmen, um den Verlauf der Temperaturentwicklung zu dokumentieren.

Hieraus ergeben sich Rückschlüsse auf konzeptionelle Schwächen des Gerätes, die entweder tatsächlich auf eine falsche Konstruktion oder absichtlich herbeigeführt werden“, erklärt Holger Krumme. In jedem Fall profitiere der Hersteller von diesen Hinweisen und könne am Gerät entsprechend nachbessern. Mit reinen Spannungsmessungen wäre dies nicht möglich.

Florian Gritsch (Produktmanagement Thermografie im Vertrieb Deutschland bei Testo) freut sich, dass die Wärmebildkameras seines Unternehmens für Hersteller, Verbraucher und nicht zuletzt die Umwelt einen wichtigen Beitrag leisten. „Die Prüfungen auf geplante Obsoleszenz zeigen ein weiteres Mal eindrucksvoll, wie vielfältig unsere modernern Wärmebildkameras eingesetzt werden können.“

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