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Kolumne: Der Storage Novize, Teil 1 Was isn ne Festplatte? Da stelle´mer uns mal janz dumm.

| Autor / Redakteur: Clara Himmel / Rainer Graefen

Diese Frage hätte mir mein neuer Kollege Hans-Daniel einfach nicht stellen sollen. Jedenfalls nicht jetzt. Damit bricht er Regeln, nein, sämtliche Prinzipien wirft er damit über den Haufen. Meine Mittagspause ist mir heilig und dann so eine blöde Frage. Das grenzt ja schon fast an Unverschämt!

Blackbox Festplatte oder geheimnisvolles Innenleben? Quelle: Pressebox
Blackbox Festplatte oder geheimnisvolles Innenleben? Quelle: Pressebox
( Archiv: Vogel Business Media )

Das weiß doch jeder wie speichern geht. Oder gehören Sie etwa zu den Glücklichen, die nicht dauernd speichern müssen. Ich speichere jeden Tag so viel, dass die LED meiner Festplatte mich regelmäßig um einen Zigarettenpause anfleht. Ein Wunder, dass ich sie noch nicht austauschen musste. Was gibt es da also noch zu klären. Ich kann es und der Rest interessiert mich nicht.

Mir schwant für die Zukunft Übles. Dummerweise soll ich Hans-Daniel zuarbeiten, ein echter Langweiler, der alles was weiblich ist und auf zwei Beinen steht, für wissensdurstige Gottesgeschenke hält, die nur auf einen Mann wir ihn warten, der ihnen den Computer vom Prozessor bis zu allen Schnittstellen ausführlich erklärt. Ein echter Experte, der sich berufen fühlt andere damit zu belästigen.

Mit ist das jedoch ziemlich egal, ob ein Prozessor eine Million oder eine Milliarde Transistoren hat. Wenn der die alle braucht, bin ich die letzte, die etwas dagegen hat. Ich bin zum Arbeiten hier, außer in der Mittagspause. Und sollte man meine Hilfe brauchen, um die IT zu reparieren, dann steh ich auch gerne mit Rad und Tat zur Seite. Für Details interessiere ich mich dann, wenn sie ärgern.

Das hinter dem Speicher

Aber zurück zum Speichern. Ich wollte Hans-Daniel in seiner Unwissenheit nicht ganz allein lassen. „Das ist wirklich ganz einfach“, sagte ich. „Einfach auf das Symbol Diskette klicken. Fertig. Aus die Maus. Und mit einer Suchmaschine findet man die Datei sogar Wochen später wieder. Was will ich mehr.“

„Gar nicht schlecht, Clara“, versuchte es Hans-Daniel auf der ganz primitiven Hobby-Psychologen-Tour. In der Hoffnung, er hätte nun mein Interesse geweckt. Natürlich nützte er die Chance sofort, um mir zu sagen, dass es da noch mehr gibt. Ich solle die Funktionsweise eines Programms nicht mit dem physikalischen Prozess verwechseln, schwafelte er geschwollen über den Mittagstisch.

„Womit hab ich das verdient, ein humanistisch Gebildeter in der Mittagspause“, murmelte ich leise. Und laut: „Ach so, du wolltest was über superparamagnetische Wunder, gigantische Magnetwiderstände und Moore´sche Prognosen hören.“

Formaler Faktor

„Eigentlich nicht, aber gut, dass du es erwähnst“, staunte er zurück. „Mir hätte eine Kurzbeschreibung der Festplatte ausgereicht.“

„Muss man das wissen? Ich will ja keine Festplatten reparieren, sondern drüber schreiben. Mir reicht es, wenn die meine Daten speichert. Und wenn die das nicht mehr tut, dann wird sie ausgewechselt wie ne kaputte Glühbirne.“

„Wenn man auf seine Daten und die Performance seines Speichersystems keinen Wert legt, dann kann man das schon so sehen“, wagte Hans-Daniel kleinere Einreden. „Andernfalls tut man sich leichter wenn man die Wirkungen von Flächendichte und Drehzahl auf das Gesamtsystem kennt.“

Clara, das wird ne harte Nuss. „Soll ich uns noch einen Nachtisch holen“, fragte ich, um Zeit für´s Nachdenken zu bekommen.

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