Definition

Was ist LTO-8?

| Redakteur: Rainer Graefen

Seit dem 27.10.2017 wird das LTO-8-Modell von IBM ausgeliefert.
Seit dem 27.10.2017 wird das LTO-8-Modell von IBM ausgeliefert. (Bild: IBM)

Linear Tape-Open (LTO) ist eine Bandspeichertechnologie mit „offenem Format“, die gemeinsam von Hewlett-Packard (HP), IBM und Quantum entwickelt und vermarktet wird. LTO-8 kann nun auf eine Cartridge komprimierte 30 TByte Daten speichern. Die LTO-Roadmap wird mit der Einführung der Generation 8 von bisher 10 auf 12 Laufwerksgenerationen erweitert. Damit ist LTO für weitere zehn Jahre technisch abgesegnet.

Mit der Verfügbarkeit von LTO-8 hat der Industrieverbund lto.org die Roadmap für LTO-Laufwerke erweitert und grob skizziert in welche Dimensionen uns die Generationen LTO-11 und -12 führen werden. Als streaming device können LTO-Laufwerke bei wahlfreien Zugriffen weder mit Festplatte noch mit Flash-Speicher konkurrieren.

Anders sieht es bei sequentiellen Zugriffen aus, die zeigen, dass Bandlaufwerke hier einsame Spitze sind. Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass LTFS, das von IBM initiierte Linear Tape File System, eine der wenigen Möglichkeiten für den Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Betriebssystemen ist. Für die Pre- und Postproduktion von Videos ein Alleinstellungsmerkmal.

Technische Parameter für LTO-8 und Vorgänger

Generation 8: LTO-8 ist laut IBM mit der Veröffentlichung dieses Artikels im Zustand GA, es ist general available, kann also gekauft werden. Die „nackten Zahlen“ lauten wie folgt (komprimierte Datenmengen und -raten jeweils in Klammern): Die Cartridge fasst nun 12 Terabyte Daten (30 TB). Zwei SAS-Schnittstellen pro Drive sorgen für die Koppelung von Laufwerken und damit höhere Speicherkapazität durch daisy chaining.

Laufwerke mit voller 5,25-Zoll Bauhöhe transferieren die Daten mit 360 Megabyte pro Sekunde (1.180 MB/s), die mit halber Bauhöhe „performen“ mit 300 MB/s. In einer Stunde sind damit minimal 1,08 TB Daten auf das Band beschrieben, sofern die Datenquelle mit dieser Geschwindigkeit mithalten kann. Ein Datencache von 1 Gigabyte (GB) soll sicherstellen, dass das Laufwerk nicht in den Start-Stop-Betrieb gezwungen wird.

Wie die meisten früheren LTO-Generationen werden WORM-Cartridges, Encryption und das LTFS-Format unterstützt. Die aktuelle Generation unterstützt wie üblich Generation 7. Die Speicherkosten gibt die LTO-Organisation mit <1 US-Cent/GB an. LTO-7 und LTO-8 werden bevorzugt in den Anwendungsbereichen Pre- and Post-Video-Production, Healthcare, Video-Surveillance, Hyper-Scale-Datacenter, Initial-Cloud-Storage, Nearline- und Long-term-Storage eingesetzt.

Tricky: das M8-Format

Aufgrund des TMR-Kopfes (Tunneling Magneto Resistive) und verbesserter Kodierung kann das LTO-8-Laufwerk eine LTO-7-Cartridge mit 9 TB Daten beschreibe, statt nur mit 6 TB wie in einem LTO-Laufwerk. Komprimiert sind 22,5 TB pro Band erreichbar. Die Transferrate für alle Formate liegt offiziell bei 300 MB pro Sekunde.

Beim Einsatz dieser Funktion sollte allerdings das Nachfolgende bekannt sein:

  • Das als LTO-7 Type M (kurz: M8) bezeichnete Format eignet sich vor allem für die kurzzeitige Datenspeicherung.
  • Da die von den LTO-8-Laufwerken als M8 initialisierten Bänder von LTO-7-Laufwerken nicht erkannt werden und auch die Erkennung des M(-Formats in zukünftigen Laufwerken nicht sichergestellt ist, sollte das Band nicht für die Archivierung oder Datenmigration eingeplant werden.
  • Schon von LTO-7-Laufwerken initialisierte Bänder lassen sich in LTO-8-Laufwerken nicht überschreiben.
  • Es wird aber wohl vorinitialisierte M8-Bänder geben.

Generation 7: Seit Dezember 2015 ist LTO-7 auf dem Markt. LTO-7 speichert 6 TB (15 TB) Daten, die Transferrate liegt bei 300 MB/s (750 MB/s).

Generation 6: LTO-6 kam im Dezember 2012 auf den Markt. Ohne Komprimierung lassen sich auf einem Band 2,5 TB speichern, mit Komprimierung können es bis zu 6,25 TB sein, wenn sich Daten durchschnittlich mit 2,5:1 komprimieren lassen. Die Transferrate liegt bei 160 MB/s (400 MB/s).

Generation 5: Seit dem zweiten Quartal 2010 ist LTO-5 mit einer komprimierten Speicherkapazität bis zu 3 TB sowie einer Transferrate von bis zu 280 MB/s auf dem Markt. HPE hatte dieses Laufwerk so modifiziert, dass unkomprimierte Datenraten im Geschwindigkeitsbereich von 47 bis 140 MB/s ohne den gefürchteten Start-Stop-Betrieb verarbeitet werden können.

Generation 4: Im Sommer 2007 kam schließlich LTO-4, Ultrium 4 respektive 1640LTO, auf den Markt. Dieser Streamer speichert 800 GB unkomprimiert und benötigt im Streaming-Modus 120 MB Daten pro Sekunde. LTO-4 kann Daten on-the-fly verschlüsseln.

Generation 3: Ende 2004 wurde Generation 3 unter dem Namen LTO-3, Ultrium 3 oder 820LTO vorgestellt, die eine Speicherkapazität von 400 Gigabyte unkomprimiert sowie eine maximale Transferrate von 70 bis 82 Megabyte pro Sekunde boten. Seit LTO-3 wird auch die WORM-Funktion unterstützt.

Wie man an den Zeitabständen zwischen den bisher erschienenen LTO-Generationen sieht, folgt alle zwei bis drei Jahre eine neue Generation. Nachdem LTO-8 nur zwei Jahre nach LTO-7 auf den Markt gekommen ist, ist 2019 mit LTO-9 und 2021 mit LTO-10 zu rechnen. Laut Roadmap können diese Laufwerke voraussichtlich 62,5 TB beziehungsweise 120 TB komprimiert speichern.

Nun stehen auch schon für LTO-11 und -12 die ungefähren Entwicklungsziele fest: LTO-11 wird 96 TB, LTO-12 soll 192 TB und komprimierte 480 TB Daten speichern. Die Transfergeschwindigkeiten steigen auf 1.770 MB/s und 2.750 MB/s. Im Gegensatz zur Festplatte mit circa 250 MB/s steigen die sequentiellen Geschwindigkeiten beim Tape mit jeder Generation durch zusätzliche Köpfe und verbesserte Kodierung.

Auch über die offizielle Roadmap der LTO-Organisation hinaus hat IBM zusammen mit Fuji im IBM-Forschungslabor im Schweizer Rüschlikon nachgewiesen, dass weitere Steigerungen von Kapazität und Geschwindigkeit umsetzbar sind. In Rüschlikon wurden Kapazitäten von hochgerechnet 220 TB erreicht.

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