Interview mit Terry Schlosser, Marketing-Leiterin von Suse

Was macht Suse am Openstack-Markt?

| Autor: Ludger Schmitz

Der Aufmacher des Suse-Stands auf dem OpenStack Summit Vancouver 2018
Der Aufmacher des Suse-Stands auf dem OpenStack Summit Vancouver 2018 (Bild: / Ludger Schmitz / CC BY 3.0)

Suse, der einstige deutsche Linux-Distributor, hat sich völlig geändert. Eine zentrale Rolle bei der neuen globalen Positionierung spielt Openstack. Produktmarketing-Leiterin Terry Schlosser erklärte im Interview mit Ludger Schmitz, wie sich Suse aufgestellt hat.

Es gibt Klagen, Openstack sei unübersichtlich. Eine Grafik bringt zwar eine Übersicht der wichtigsten Openstack-Produkte. Aber da stehen einige parallel neben einander, andere überlappen sich funktional. Für Interessenten dürfte das keine große Hilfe sein.

Schlosser: Bei unseren Anwenderprojekten ist das kein Problem. Denn wir gehen von den Anforderungen in den jeweiligen Projekten heran. Wir wählen die Produkte aus, von denen wir wissen, dass sie einsatzreif sind, die wir getestet haben, von denen wir wissen, dass sie gut zusammen funktionieren, und für die wir Support leisten können.

Terry Schlosser, Produktmarketing-Chefin bei Suse
Terry Schlosser, Produktmarketing-Chefin bei Suse (Bild: Terry Schlosser / Suse)

Nach anderer Kritik fehlen Openstack Lösungen für Administration, Upgrades und Security, aber das könnte ja auch Absicht sein. Lässt die Openstack Foundation bewusst Räume unbesetzt, damit die Distributoren da Business-Möglichkeiten bekommen?

Schlosser: Ich würde nicht sagen, dass sie den Distributoren Dinge überlässt, aber wir machen die Dinge. Was wir jetzt gemacht haben mit Suse Openstack Cloud und seiner Integration mit Kubernetes, ist ein Beispiel: Wir stellen sicher, dass die Kernfunktionen beider Seiten gesichert mit einander funktionieren. Wir machen es also allen Kunden leicht, die Kubernetes verwenden wollen. Und in Kürze wird der Suse Manager es ermöglichen, alles unter einem Tool zu administrieren.

Ist Suse Manager ein Add-on, das auch Sicherheitsfunktionen mit sich bringt?

Schlosser: Ja, es ist ein Add-on, und es wird alle möglichen Sicherheitsfunktionen mitbringen. Es macht Audits, es scannt die gesamte Infrastruktur, die ihm angeschlossen ist: VMs, Bare Metal, Container, Linux-Umgebungen, alles untersucht es danach, welche Sicherheitslevel, welche Security-Patches eingerichtet sind. Es wird warnen, wenn etwas übersehen worden ist, und man kann Automatismen einrichten, um diese Schwächen zu beheben.

Und so machen sich Distributionen unverzichtbar.

Schlosser: 90 Prozent der Openstack-Anwender arbeiten mit einem Partner zusammen. Es gibt nicht viele Organisationen, die sich Openstack nehmen und im Alleingang ein Cloud-Projekt angehen. Suse stellt Open-Source-Komponenten zusammen, um Lösungen zu liefern. Es geht um mehr, als Stücke zusammenzuführen. Wir testen sie zusammen, zertifizieren sie auf Hardware, von der wir wissen, dass unsere Kunden sie wirklich haben. Wir wollen nicht zusätzliche Kosten verursachen, sondern Openstack soll mit der bestehenden Infrastruktur arbeiten. Es ist ziemlich schwer, alle Teile, alle Treiber so zusammenzustellen, dass das Ganze solide funktioniert.

Bergen die Add-ons zu Openstack die Gefahr, dass die Distributionen quasi proprietär werden und Anwender in eine Lock-in-Situation geraten?

Schlosser: Nein, jedenfalls nicht bei Suse. Wir positionieren uns als „Open Open Source Company“. Wir wollen, dass die Leute verstehen, dass es um mehr geht als offenen Code. Wir sind stolz darauf, offen zu sein und Kunden die Freiheit der Wahl zu erhalten – und zwar durch alle Layer von der Hardware aufwärts. Ich glaube schon, dass einige unserer Wettbewerber proprietäre Dinge einführen. Zum Beispiel verlangen sie von ihren Kunden, ihren gesamten Stack zu nehmen. Das kommt für uns nicht in Frage. Wenn ein Kunden andere Dinge einsetzen möchte, die nicht zu unserem Portfolio gehören, kann er das. Wir haben Kunden mit OpenShift auf Suse Openstack Cloud. Wir haben die Schnittstellen, sauber programmiert und offen. Wir würden nicht selbst ein exotisches Storage unterstützen, aber wir stellen sicher, dass unsererseits alles einwandfrei ist.

Welche Auswirkungen hatte die Übernahme der Openstack-Aktivitäten von HPE?

Schlosser: Unsere Entwicklungsmannschaft hat sich verdoppelt. Wir haben eine Menge Expertise hinzugewonnen, nicht nur in Sachen Openstack, sondern auch bei Kubernetes und Cloud Foundry. Das hat es uns ermöglicht, unsere Kunden besser zu bedienen. Und wir stellen immer mehr Leute ein.

Hat sich das in der Marktposition von Suse bereits niedergeschlagen?

Schlosser: Oh ja! Mit solchen Kräften haben wir unsere Position allgemein und insbesondere in Bezug auf die Entwickler in der IT-Welt verbessert. Wir haben bessere Zugänge.

Sehr verbreitet sind Klagen, es gebe zu wenig Openstack-Spezialisten. Hat sich das verbessert?

Schlosser: Es gibt noch einen Mangel an Expertise für Deployments und Administration. Bei den Entwicklern ist das nicht so ein Problem. Wir suchen Leute nicht, weil es zu wenig gibt, sondern weil wir so schnell wachsen. Die Nachfrage nach Openstack-Expertise ist auf Anwenderseite auch deswegen so hoch, weil immer mehr Organisationen Openstack verwenden oder ausbauen.

Wie sieht die Release-Planung von Suse Openstack Cloud aus?

Schlosser: Die aktuelle Version 8 basiert auf Openstack Pike. Release 9 kommt im nächsten Jahr und wird auf dem kommenden Openstack Rocky aufsetzen. Wir bringen jedes Jahr ein Release heraus, das heißt, wir überspringen das aktuelle Openstack Queens.

Die Anwender liegen mit ihren produktiven Openstack Releases meist um zwölf bis 18 Monate zurück. Liegt es an den Distributoren?

Schlosser: Früher haben wir wie Openstack Cloud im Sechs-Monats-Rhytmus neue Version herausgebracht. Tatsächlich ging das unseren Kunden zu schnell. So wollen gar nicht so oft ihre Infrastruktur updaten. Und jetzt ist Openstack reifer geworden. Es ist wirklich nicht nötig, dass Anwender alle sechs Monate ein Update fahren. Für uns bedeutet es außerdem, dass wir mehr Zeit haben für das Testing, Zertifizierungen etc.

Welche Wünsche äußern Ihnen gegenüber die Kunden?

Schlosser: Integration, Integration. Natürlich haben wir eine Menge Anfragen zur Integration von Kubernetes. Das ging ab Suse Openstack 7 mit Magnum, seit Version 8 ist die Integration auch mittels unserer eigenen Kubernetes-Distribution auf einfache Weise möglich. Neben Containers ist Storage ein großes Thema, vor allem die Zusammenarbeit von Suse Enterprise Storage und Suse Openstack Cloud.

Früher war es wichtig, dass wir die Distribution hatten, die sich am schnellsten einrichten ließ. Jetzt stellen wir fest, dass Kunden nach etwas suchen, das sich einfacher einrichten und ausbauen lässt sowie robuster ist. Entsprechend haben dir die Deployment Engine in unserem Cloud Lifecycle Manager weiterentwickelt. Die Kunden können ihre Umgebung besser designen, das macht erst das Deployment einfacher und dann die Updates. Die Anwender denken mehr an morgen und übermorgen.

Ist die einst deutsche Linux-Firma Suse ein wirklich global agierendes Unternehmen geworden?

Schlosser: Ja, wir sind längst global aufgestellt. Wir mögen nicht zu den Branchenschwergewichten zählen, aber wir übertreffen andere in guten Märkten deutlich. Zuerst ist Openstack bei den Anwendern in den USA angekommen, dann in Europa. Jetzt erleben wir in Asien, besonders in China ein rapides Wachstum.

Die meisten IT-Anbieter im Openstack-Kreis kommen aus den USA, und entsprechend sitzen dort die Entwickler. Wie ist das bei Suse? Spielt Nürnberg noch eine Rolle?

Schlosser: Generell haben wir Entwickler über die ganze Welt verteilt, ein großer Teil aber ist in Nürnberg. In Vancouver wurde eine Menge unserer Aktivitäten in Richtung Kubernetes und Cloud Foundry entwickelt. Diese globale Verteilung ist ziemlich einzigartig, besonders unter den Cloud-Service-Anbietern, die meist ihren Schwerpunkt in den USA haben. Der Suse Manager wurde vor allem in Deutschland entwickelt, eine Menge Linux-Entwicklung läuft in Nürnberg, nicht aber Suse Openstack Cloud. Dessen Entwickler sind weltweit verstreut.

Zum guten Schluss noch Fragen zu Edge Computing. Wie agiert Suse in dieser Richtung?

Schlosser: Wir kooperieren diesbezüglich mit Partnern aus dem Embedded-Bereich. Von denen arbeiten viele mit den Raspberry-Systemen, das perfekte Edge-System. Dafür gibt es eine Suse Linux Distribution, und mit dem neuen Suse Manager wird man diese Geräte managen können. Diese Kombination verwenden viele Anbieter. Der Suse Manager kann auch Edge-Geräte laufend scannen und feststellen, ob es da irgendwelche ungeplante Änderungen, Updates und andere Abnormalitäten gegeben hat.

Ist Edge Computing schon ein florierender Markt oder in einer frühen Entwicklung?

Schlosser: Ein noch ganz junger Markt, aber Edge wird ein richtig starker. Die Möglichkeiten sind endlos, und niemand kann diese Entwicklung stoppen.

Ist Openstack hier von Anfang an vorne dabei, oder hat es wie die meisten Open-Source-Projekte einen Rückstand auf proprietäre Lösungen aufzuholen?

Schlosser: Ich kenne zu wenig über die proprietären Angebote, aber ich glaube nicht, dass Openstack hier einen Rückstand aufzuholen hat. Ganz allgemein: Heutzutage schauen die Anwender viel mehr auf Open-Source-Angebote, ganz viele sogar zuerst. Linux hat den Weg geebnet, Openstack war ein weiterer wichtiger Faktor von vielen. Open Source ist sicherer als proprietäre Umgebungen, es bedeutet schnellere Innovation, es bringt Vorteile bei der Integration von Systemen. Open Source ist heute Leading Edge. Open Source hat die IT-Welt fundamental verändert.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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