Die Anwendung ist kognitiv, die Plattform cloudy, Teil 2

Was wird aus IBMs Hardware-Sektor?

| Autor / Redakteur: Dietmar Müller / Rainer Graefen

Schillernde Morgenröte für IBM ....
Schillernde Morgenröte für IBM .... (Bild: mdesigner125 / Fotolia.com)

Mit Hardware erwirtschaftet IBM nur neun Prozent seines Umsatzes. Doch die verbliebenen "harten"Komponenten werden extrem wichtig. Im Open-Source-Umfeld sollen Power-CPUs die Intel-Vormacht untergraben und der schnelle Halbleiter-Speicher ist quasi überall unverzichtbar. Gelingt der Umbau des Konzerns, wird das die Hardware stärken.

Das Geschäft mit Hardware ist offenkundig ein schwieriges, insbesondere wenn Technologien zu Commodity-Geschäftsfeldern werden. IBM handelte hier konsequent im vergangenen Jahr und übergab sein Geschäft mit Intel-Standard-Servern an den chinesischen Hersteller Lenovo, die Chip-Sparte ging an Globalfoundries.

Die ganze Chip-Sparte? Nein, denn der Power-Systems-Bereich soll gestärkt werden. Ein wichtiger Schritt dazu ist die Open-Power-Foundation, der bereits über 200 Mitglieder angehören. Diesen steht die "Power-8"-Technik zur eigenen Nutzung und Adaption offen. Dazu wird man aller Voraussicht nach die RISC-Architektur der Power-Chips auch für Opencompute öffnen.

Das wird von den Analysten insgesamt als Kampfansage an Intel gewertet. Opencompute-Power-Server basieren auf einem offenen Systemdesign und erlauben den Kunden mehr Flexibilität als mit vergleichbaren x86-basierten Servern. Bis 2020 will Big Blue im Server-Chip-Markt einen Marktanteil im zweistelligen Prozentbereich erreichen.

Flash und Power

IBMs Fokus liegt im höherpreisigen Segment, aktuell ist die Power-8-Architektur am Start. Die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern. Server mit der kommenden Power-9-Architektur erwarten Experten in der zweiten Jahreshälfte 2017, an Power 10 wird bereits geforscht.

Auch in Sachen Storage gibt IBM nicht auf, im Gegenteil: Wissenschaftler von IBM Research in Rüschlikon bei Zürich haben Ende Juni eine neue Speichertechnologie vorgestellt, die Smartphones, Komponenten des Internet der Dinge und der Industrie 4.0 sowie hochwertige Cloud-Speicher fit für Big Data machen.

Dafür kommt "Phase Change Memory" (PCM) zum Einsatz, sowohl als eigenständigen Speicher als auch in Kombination mit Flash für Anwendungen, in denen die Technologie als extrem schneller Cache-Speicher dient.

Apropos Flash: Einen Monat zuvor hatte IBM drei All-Flash-Speicher-Arrays – die Flash Systems A9000 und A9000R sowie die Hochleistungsspeicherlösung DS8888 - für kognitive Anwendungen vorgestellt. Das Verschieben von Daten von einer Speicherklasse zur anderen erfolgt dabei durch ein intelligentes Speichersystem, das den Vorgang analysiert und Nutzungsmuster darüber erlernt, wie oft auf Daten zugegriffen wird. Die automatische Verteilung von Daten soll helfen, "hot spots" bei der Bereitstellung von Informationen für Analysevorgänge zu vermeiden.

Offen für Neues

Als weiteres entscheidendes Hardware-Standbein will Ingolf Wittmann, IBMs Technical Director DACH, das Engagement in Sachen Openpower verstanden wissen. Die Power-Prozessorarchitektur ist zum einen direkt auf Watson hin ausgelegt.

Ende vergangenen Jahres gab IBM beispielsweise bekannt, dass durch die Integration von "Nvidia-Tesla-K80"-GPUs, den Flagschiff-Produkten der Nvidia-Tesla-Accelerated-Computing-Platform, in Kombination mit der Power-basierten Architektur von Watson die Such- und Rangfolge-API-Fähigkeiten um 70 Prozent gegenüber der bisherigen Geschwindigkeit gestiegen sind.

Zum anderen will man Intel nicht als CPU-Monopolisten das Feld überlassen. Zudem "besteht ein Bedarf für Systeme, die mit größerer Geschwindigkeit Einblick in Daten ermöglichen, da wir in die Ära der kognitiven Systeme eintreten", so Brad McCredie, IBM Fellow und Openpower Foundation President.

"IBM und die Openpower-Mitglieder sind an der Vorderfront dieser Entwicklung, die für Innovation auf allen Ebenen des Technik-Stacks benötigt wird. Dazu gehört auch die Entwicklung des branchenweit ersten, offenen Hochgeschwindigkeits-Interconnects zwischen Prozessoren und Beschleunigern."

Openpower ist neben bodenständiger Hardware aber noch für viele andere Innovationen verantwortlich, etwa für den Open-Access-Cloud-Service "SuperVessel", die als virtuelle Forschungs- und Entwicklungs-Engine für die Erstellung und Pilotierung von neuen Anwendungen wie Deep Analytics, Machine Learning und Software für das Internet der Dinge fungiert.

Damit will IBM künftig Profit machen

IBM hat in diesem Jahr massiv Stellen abgebaut, auch in Deutschland. Das Management hatte am 30. März Aufsichtsräte, Gesamtbetriebsräte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hierzulande über den geplanten Abbau von fast 1.000 Stellen informiert. Betroffen von den Kürzungen sind vor allem die hiesigen Service-Bereiche des US-amerikanischen IT-Konzerns.

Im Zusammenhang mit dem Job-Abbau soll unter anderem auch eine Betriebsstätte in Hannover komplett geschlossen werden. ver.di beklagte in einem offenen Brief "massive Management-Fehler". Statt in Forschung und Entwicklung sowie neue Produkte und Dienstleistungen zu investieren, habe der Konzern seit dem Jahr 2000 über 165 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe und Dividenden ausgegeben.

An der Unternehmensstrategie bezüglich Cognitive Computing und Watson hat die Gewerkschaft dagegen nichts auszusetzen. Wie auch: Der Kurs scheint profitabel. IBM ist aktuell in 36 Staaten vertreten, Tendenz steigend.

Kunden in den Sektoren Finanzen, Gesundheit, Automotive und anderen sollen bald schon durch neue Fähigkeiten des Systems gewonnen werden. So soll Watson bald sehen und auch Sprachen wie Arabisch oder Japanisch verstehen können.

Beratung lohnt sich

Für sein "Cognitive Business" hat IBM gerade eine neue Beratungsorganisation mit rund 2.000 Analytics-Experten, Data Scientists sowie Industrie- und Change-Management-Spezialisten gegründet. Deren Ziel ist es, Kunden beim Umbau ihres Unternehmens in ein kognitives Business zu unterstützen.

Im vergangenen Jahr, so Rometty, habe man alleine mit der Datenanalyse 18 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. "Doch das Potential ist noch weitaus größer", so die Konzernchefin. Schließlich lägen rund 80 Prozent aller Daten weltweit in unstrukturierter Form vor und seien bislang nicht verwertbar.

Und neue Umsatzquellen hat IBM nötig: Im Geschäftsjahr 2015 schrumpfte der Umsatz um 11,9 Prozent von knapp 92,8 auf rund 81,7 Milliarden Dollar. Allerdings verbesserte sich der Profit unter dem Strich um 9,7 Prozent von 12,0 auf 13,2 Milliarden Dollar.

Das Softwaregeschäft, einst ein großer Hoffnungsträger, verzeichnete im vierten Quartal des vergangenen Jahres einen Umsatzrückgang von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 6,8 Milliarden Dollar, das Global-Technology-Services-Geschäft reduzierte sich um sieben Prozent auf 8,1 Milliarden Dollar und das Hardwaregeschäft belief sich auf 2,4 Milliarden Dollar, ein Prozent weniger als noch vor einem Jahr.

Der Umbau ist noch nicht komplett

IBM zufolge verbesserten sich allerdings die Einnahmen aus dem im Vergleich zu Watson anachronistisch anmutenden Mainframe-Geschäft um 16 Prozent. Absolute Zahlen für dieses Segment nannte der Hersteller allerdings nicht.

IBM mache jedenfalls große Fortschritte beim Umbau seines Geschäfts, so Rometty bei der Vorstellung der Zahlen im Januar. Die strategischen Geschäftsfelder Cloud, Analytics, Mobile, Social und Security seien im vergangenen Geschäftsjahr um 26 Prozent auf ein Volumen von knapp 29 Milliarden Dollar gewachsen und würden mit bereits erwähnten 35 Prozent nun mehr als ein Drittel zum Gesamtumsatz beitragen. Dieser Anteil soll stetig erhöht werden, um so die Rückgänge in den klassischen Geschäftsbereichen aufzufangen.

Das zieht

Zusammengefasst will IBM aktuell in drei Bereichen richtig Geld verdienen:

  • Mit Software, für die kognitive Techniken eine immer wichtigere Rolle spielen, verdient IBM am meisten. 50 Prozent dürfte dies in etwa vom Gesamtumsatz ausmachen.
  • Mit den IBM Global Business Services (GBS) und Global Technology Services (GTS), bei denen ebenfalls kognitive Techniken eine immer wichtigere Rolle spielen. Insgesamt erwirtschaftet der Bereich Service rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes.
  • Mit Hardware macht IBM zirka neun Prozent; dazu zählen die Bereiche Storage, gerade im Bereich Flash, sowie Object Storage und (immer noch) das Geschäft mit den Mainframes.

"IBM ist seit über 100 Jahren im Geschäft. In dieser Zeit haben wir eines gelernt: Es braucht eine permanente Veränderungsfähigkeit, um für die Wachstumsfelder der Zukunft gerüstet zu sein", so Wittmann. "Mit Hardware alleine lässt sich immer weniger verdienen, das erlebt die IBM genauso wie ihre Wettbewerber. Aber ganz ohne Infrastruktur ist auch die schönste kognitive Technologie verloren. Hardware wird also auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen."

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