Kommentar von Vineet Kakani über Oberflächen und Oberflächlichkeit

Wer kann da widerstehen, wenn Storage einfach, innovativ und flexibel ist?

| Autor / Redakteur: Walter Schadhauser / Rainer Graefen

(Bild: Tintri)

Ganz ohne Gegenreden wollen einige Mitbewerber EMC doch nicht von der großen IT-Bühne lassen. Bei Tintri bemühte sich die Geschäftsetage in einem Blog um den Nachweis, dass der ehemalige Storage-Gigant auf seiner letzten EMC World auch nur alten Wein in neuen Schläuchen verkaufte.

Im seinem Blog machte sich der leitende Tintri Produktmanager Vineet Kakani lustig über das EMC Produkt "Unity", die "neueste" Speicherplattform für das Einstiegssegment. Schaut man genau hin, mokiert er sich, sieht man jedoch, dass an Unity überhaupt nichts neues ist.

EMC tritt jedoch unfreiwilligerweise den Beweis an, dass die Speicherhersteller der ersten Stunde auch keine guten Ideen mehr haben und von neuen Anbietern inzwischen technisch von links und von rechts überholt werden.

Doch ich will nicht nur polemisieren, sondern im Detail analysieren, was sich bei EMCs Unity hinter den Marketingschlagwörtern "einfach, modern und flexibel" versteckt:

“Einfach”

Komplexität gilt in der Speicherbranche ja als "böse". Früher bezeichnete man damit eine umfassendes Verständnis eines Problems. Aber würde heute jemand von einem komplexen Produkt reden, dann hätte er am Markt keine Chance mehr damit. Einfachheit ist also das große Credo. Das beherrscht jeder Hersteller. Aber wie genau macht man das seinen Kunden glaubhaft? EMC hat sich hier auf die Unterstützung von Vmwares Vvol verlegt.

Unterstützung für VVol ist jedoch bei Weitem nicht das selbe wie VM-zentrischer Speicher. Es ist nicht einmal nah dran. Unity basiert noch immer auf LUNs, einer schlechten Grundlage für virtualisierte Applikationen. Ja, man sollte mit VVol-Unterstützung vorkonfigurierte Speichereinstellungen für seine VMs vornehmen können, aber nur mit VM-zentrischem Speicher kann man jegliche Speicheraktion auf der VM-Ebene ausführen.

Mit Tintri kann man einzelne VMs replizieren, Grenzen für Quality of Service setzen und sogar die Ursache für VM-Latenzen von Host, Netzwerk und Speicher sehen.

All dies ist mit Unity unmöglich.

Tintri Produkte beherrschen das komplett für vSphere, Hyper-V, RHEV, XenServer UND OpenStack. Man möchte EMC provokant fragen: „Und wie kann ich Speicheraktionen auf VM-Ebene für meine VMs auf Hyper-V, RHEV, XenServer oder OpenStack ausführen?

Einer unserer Tintri-Kunden startet jeden Monat 20.000 VMs auf 74 Speichern über acht Rechenzentren hinweg. Er ist ein Windows-Admin und schafft das in gerade einmal VIER Stunden pro Woche. Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Zeit und Mühe es kosten würde, eine solche Umgebung mit EMC zu verwalten!

“Modern”

EMC spricht viel darüber, dass die neue Plattform "speziell für Flash entworfen" wurde. Tja, das eint sie mit so gut wie jedem anderen Speicher heutzutage. Dabei geht es doch gar nicht um Flash. Keiner kauf einfach aus einer Laune heraus Flash, es geht darum Performance für virtuelle Applikationen zu garantieren.

EMC, und ganz nebenbei auch viele andere Hersteller, scheinen der Meinung zu sein, IOPS seien ein kostbares Gut. Die Wahrheit ist, dass nur Tintri aufgrund seines VM-zentrischen Ansatzes Performance für virtualisierte Apps garantieren kann. Flash hin oder her.

Unity und andere zwängen die I/Os aller Apps beim Speicherzugriff durch eine einzelne Transportstrecke. Ganz egal wie breitbandig diese ist, das ist auf jeden Fall komplizierter als jeder VM eine eigene Transportspur zuzuteilen, so dass Zugriffskonflikte mit anderen Apps vermieden werden.

Sollte das in seltenen Fällen nicht ausreichen, lässt sich die Bahnspur an die Bedürfnisse der VM anpassen - zur Erinnerung, DAS nennt man Quality of Service. Samt einer Garantie für Minimum oder Maximum IOs.

“Flexibel”

Unity kann gemischte Workloads bis zu einer Skalierung von 3 PByte konsolidieren. Würde man also seine VMs neben den unternehmenskritischen Datenbanken auf einem einzelnen EMC-Speicher laufen lassen? Sicher nicht, da dies "Noisy Neighbours" bedeuten würde, die sich sicher bald in die Haare bekommen und um Performance streiten. Für Tintris Kunden ist das Normalität, weil die Workloads voneinander isoliert sind.

Wie sieht Flexibilität in einem hoch virtualisierten Rechenzentrum denn wirklich aus? Es ist die Fähigkeit mehrere Hypervisoren parallel auf einer Plattform laufen zu haben, mit einem einzigen OS und Analyse über den gesamten Speicher hinweg. Man kann es auf jede einzelne VM herunterbrechen und damit ganz genau vorhersagen wie sich der Speicher und die Workloads entwickeln werden.

Und - Flexibilität hört nicht bei 3 PByte auf, oder? Bei unserem T5000 haben wir schon 10 PByte erreicht und werden sicherlich weiter skalieren können, wenn die Kunden das brauchen. Doch der Speicherumfang ist nur ein Teil des Problems. Kann EMC in seinem "flexiblen" Produkt ebenfalls 160.000 VMs laufen lassen und das mit einem einzigen Mitarbeitern produktiv verwalten lassen?

Wohl eher nicht, da die EMC-Produktpalette zwar vielfältig ist, aber nett gesagt "historisch gewachsen" ist. Wenn man echte Innovation im Bereich Speicher sehen will, also Innovationen die ein Rechenzentrum auf eine komplett neue Stufe heben, dann sicher nicht bei EMC Unity. Das ist nur eine Plattform mehr, die dann ein weiterer Mitarbeiter betreuen muss.

Bei genauem Hinsehen bleibt von den drei Marketing-Schlagworten „Einfach“, „Modern“ und „Flexibel“ nichts übrig. Wir denken, dass eine schicke neue Oberfläche auf alter LUN-basierter Architektur nur eine Mogelpackung ist: Nichts anderes als ein mit Lippenstift bemaltes Schwein.

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