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Strategie für „kalte“ unstrukturierte Daten Wie Cold Storage das neue Datenzeitalter prägt

Von Timothy Sherbak*

Durch die digitale Transformation erleben wir aktuell eine sogenannte „Datenexplosion“. Die Menge der erzeugten unstrukturierten Daten wächst jährlich um bis zu 60 Prozent und wird Schätzungen von IDC zufolge bis 2025 voraussichtlich 80 bis 90 Prozent aller Daten ausmachen. Unternehmen sehen sich deswegen mit neuen Herausforderungen bei der Datenspeicherung konfrontiert.

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Auch „kalte“ Daten sollten aufbewahrt werden – mit einer entsprechenden Strategie.
Auch „kalte“ Daten sollten aufbewahrt werden – mit einer entsprechenden Strategie.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Insbesondere die Aufbewahrung von „Cold Data“, also inaktiven „kalten“ unstrukturierten Daten, auf die nur selten zugegriffen wird, stellt die Speicherinfrastruktur vieler Unternehmen auf eine harte Probe. Laut einer kürzlich von Forbes durchgeführten Umfrage geben 95 Prozent der Unternehmen an, dass sie unstrukturierte Daten verwalten müssen, 40 Prozent regelmäßig. Hierzu ein paar Beispiele für die schiere Menge an Daten, die heutzutage erfasst und verarbeitet werden:

  • Ein Halbleiterhersteller erstellt jährlich über eine Milliarde Bildscans, die den Herstellungsprozess von 4.000 Wafern pro Woche dokumentieren. Dies erzeugt Petabytes an Daten, die sechs Monate bis mehrere Jahre lang aufbewahrt werden müssen.
  • Ein autonomes Auto produziert jede Stunde bis zu 2 TB an Daten, die mehrere Jahre lang für mögliche Sicherheitsanalysen oder Software-Updates aufbewahrt werden müssen.
  • Jedes sequenzierte menschliche Genom ist einzigartig und benötigt 100 GB Speicherplatz. Jeder dieser Datensätze enthält einen immensen, noch nicht ausgeschöpften Nutzen für die aktuelle und künftige medizinische Forschung. Deshalb ist es notwendig, diese Daten auf unbestimmte Zeit zu speichern, das heißt nicht nur für Jahre, sondern für Jahrzehnte.

Da die Kluft zwischen Datenwachstum und Budgets für Datenspeicherung immer größer wird, kann das Problem der unstrukturierten und inaktiven Daten nicht ignoriert werden. Eine Strategie zur Aufbewahrung der kalten Daten – „Cold Storage“ – ist ein bekannter und bewährter, aber oft übersehener Archivierungsansatz. Aber das ändert sich gerade.

Was ist Cold Storage genau?

Der effiziente und zeitnahe Zugriff auf große Datenmengen ist der Schlüssel für effiziente Produktionsabläufe. Daten haben auch einen Lebenszyklus, genau wie Produkte und Trends. Je nachdem, wo sich die Daten in ihrem Lebenszyklus befinden und welchen Wert sie für ein Projekt haben, gibt es verschiedene „Temperaturen“, die die verschiedenen Phasen des Zyklus kennzeichnen. Daten, die aktiv für ein Projekt verwendet werden, werden als „heiße“ Daten (Hot Data) bezeichnet. Dies sind zum Beispiel Finanztransaktionen, auf die häufig zugegriffen werden muss. Dann gibt es „warme“ Daten (Warm Data), auf die noch über einen gewissen Zeitraum regelmäßig zugegriffen wird. „Kalte“ Daten (Cold Data) oder inaktive Daten hingegen sind Daten, die nicht mehr oder nur noch sehr selten verwendet werden, aber immer noch über 60 Prozent aller gespeicherten Daten ausmachen.

Historisch gesehen wurden „kalte“ Daten von Unternehmen in erster Linie aufbewahrt, um gesetzliche Vorschriften oder interne Richtlinien einzuhalten. Dies trifft jedoch nicht mehr in allen Fällen zu. Immer mehr Unternehmen entscheiden sich für die Aufbewahrung von Cold Data, nicht weil sie dazu verpflichtet sind, sondern weil sie folgendes erkannt haben: den langfristigen strategischen Wert von Daten sowie das Potenzial zur Wiederverwendung von Daten für künftige Projekte und die Möglichkeit, Daten im Laufe der Zeit mit neuen Informationen gewinnbringend anzureichern.

Traditionell wurde Cold Data auf Tape geschrieben, also offline übertragen und vorgehalten, falls in Zukunft wieder auf die Daten zugegriffen werden musste. Diese Lösung wird auch heute noch als äußerst langlebiges, sicheres und kostengünstiges Mittel zur langfristigen Aufbewahrung von Daten geschätzt. Doch das Aufkommen neuer Methoden der Datenanalyse, die steigende Rechenleistung und die wachsende Erkenntnis, dass Unternehmen aller Branchen einen digitalen Wandel vollziehen müssen, stellen in zunehmendem Maße neue Anforderungen an die Online-Speicherung und den einfachen Zugriff auf Daten. Gleichzeitig müssen eine langfristige Haltbarkeit, Datensicherheit und geringe Kosten weiterhin berücksichtigt werden.

Ist eine Cold-Storage-Strategie wirklich notwendig?

Der überwältigende Anstieg der Datenerzeugung zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung. Es wird prognostiziert, dass in den nächsten drei Jahren mehr Daten erzeugt werden als in den letzten 30 Jahren zusammen. Dadurch, dass Unternehmen den Wert von Cold Data immer mehr erkennen, und durch den bereits erwähnen rasante Zunahme an generierten Daten, ist eine Cold-Storage-Strategie unerlässlich. Unternehmen müssen proaktiv sinnvolle Lösungen entwickeln, um datengestützte Innovationen und Chancen zu nutzen und gleichzeitig die mit der massiven Datenanhäufung und dem kontinuierlichen Datenwachstum einhergehenden Probleme zu entschärfen.

Was sind die Vorteile von Cold Storage?

Es ist kein Geheimnis, dass die Speicherung von Daten für Unternehmen kostspielig sein kann. Technologien, die sich für Cold-Data-Storage eignen, sind jedoch wesentlich günstiger als die NVMe- und SSD-Technologien, die für den Hochleistungszugriff auf „heiße“ Daten eingesetzt werden. Der Hauptgrund dafür ist, dass Cold Data von Kompromissen zwischen der Leistung und den Kosten der verschiedenen Speichertechnologien profitiert. Kalte Daten können auf einer leistungsschwächeren und kosteneffizienteren Speicherinfrastruktur gespeichert werden, entweder On-Premises oder in der Cloud, sodass Unternehmen kostengünstig ihre wachsenden Datenmengen speichern können.

Moderne Cold-Storage-Archive wurden zuerst von einigen der weltweit größten Cloud-Anbieter entwickelt, aber mit neuen Architekturen und Diensten können diese Lösungen nun auch vor Ort im Rechenzentrum eines Unternehmens, in einem Colocation-Rechenzentrum oder in einer gehosteten IT-Umgebung eingesetzt werden. Jüngste Innovationen maximieren gleichzeitig die Performance, die Haltbarkeit der Daten und die Speichereffizienz und legen damit die Messlatte für Leistung und Kosteneffizienz höher. Die Daten sind leichter zugänglich, ohne dass gesonderte Gebühren anfallen, und können innerhalb von Minuten, nicht Stunden oder Tagen, abgerufen werden. Neue sogenannte Erasure-Coding-Algorithmen sind jetzt speziell für Cold Storage optimiert und reduzieren den Speicherbedarf gegenüber der Speicherung mehrerer Kopien. Die Daten können jetzt auch On-Premises aufbewahrt werden. Dadurch können die unternehmensinternen oder branchenbedingten Sicherheits- und Compliance-Richtlinien umgesetzt werden und so die Vorgaben hinsichtlich der Datenhoheit und des Speicherorts erfüllt werden.

Enormer Mehrwert durch die zukünftige Archivierung und Aufbewahrung von Daten

Die richtige Cold-Storage-Strategie bietet nicht nur die Möglichkeit, wachsende Datenmengen zu speichern, sondern hilft Unternehmen auch, die Kontrolle über diese wertvollen Bestände durch die Aufbewahrung im eigenen Unternehmen zu behalten. Durch den leichten Zugriff auf diese Daten kann ihr Wert erschlossen und gesteigert werden. Im neuen Datenzeitalter wird es immer offensichtlicher, dass Daten aufgrund ihrer Relevanz und ihres Mehrwerts gespeichert werden und online zugänglich sein müssen, um ihren zukünftigen Wert nutzen zu können. Dank der neuen Fortschritte bei Cold Storage muss die Aufbewahrung inaktiver Daten nicht mehr aus Kostengründen zugunsten der Verfügbarkeit aktiver Daten geopfert werden. Unabhängig davon, ob ein Unternehmen seine Kosten senken oder den Wert seiner Daten steigern möchte, sollte Cold Storage stets berücksichtigt werden.

Timothy Sherbak, Enterprise Products and Solutions Marketing bei Quantum.
Timothy Sherbak, Enterprise Products and Solutions Marketing bei Quantum.
(Bild: Quantum)

*Der Autor: Timothy Sherbak, Enterprise Products and Solutions Marketing bei Quantum.

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