Kommentar von Dirk Schiller und René Stolte, Computacenter Wie gelingt der Start in die Cloud?

Autor / Redakteur: Dirk Schiller und René Stolte, Computacenter / Nico Litzel

Cloud ja – aber wie? So lässt sich das Dilemma vieler IT-Abteilungen zusammenfassen, die sich derzeit mit der Einführung oder dem Ausbau von Cloud-Lösungen beschäftigen. Von null auf hundert in wenigen Monaten, dafür ist die Ausgangslage in den meisten Fällen zu komplex. Es gilt also, schrittweise und pragmatisch vorzugehen.

Firmen zum Thema

(Copyright: Kentoh - Fotolia.com)
(Copyright: Kentoh - Fotolia.com)

Bevor es an die Umsetzung geht, muss jedes Unternehmen für die unterschiedlichen IT-Themen – von der Infrastruktur bis zum Betrieb – seinen individuellen Startpunkt für die Reise in die Cloud definieren. Ein komplexes Unterfangen, bei dem ein herstellerneutraler IT-Dienstleister mit einer effizienten, zielorientierten Reifegradanalyse und individuellen Handlungsempfehlungen helfen kann.

Für den Weg in die Cloud ist eine Route mit drei Phasen, Kapseln, Automatisieren, Cloud Computing, ¬ empfehlenswert, die als Basis für die Analyse der Cloud-Reife dient. Demnach vollzieht sich der phasenweise Übergang zum Cloud Computing in drei Schritten mit eng verzahnten technischen und organisatorischen Aufgaben (siehe Grafik 1). Damit die komplexe Cloud-Technik überschaubar bleibt, werden im ersten Schritt IT-Techniken wie Server, Storage und die Virtualisierungsplattformen innerhalb von festgelegten, funktionalen Blöcken gekapselt. Ziel der Kapselung ist es, den Virtualisierungsgrad zu erhöhen sowie Betriebsabläufe zu strukturieren und zu vereinheitlichen.

Bildergalerie

Der zweite Schritt auf dem Weg in die Cloud ist die Automatisierung und Orchestrierung von Prozessen für die Bereitstellung von IT-Services. Der dritte Meilenstein markiert den Übergang zum serviceorientierten, bedarfsgerechten Cloud Computing. An dieser Stelle werden IT-Verantwortliche zu Produkt-Managern. IT-Dienste müssen in einem Servicekatalog zusammengefasst, als Produkte definiert und mit einem Preis versehen werden, um sie verbrauchsabhängig abzurechnen.

Einstieg über fundierte Reifegradanalyse

Doch vor der praktischen Umsetzung von Cloud-Maßnahmen stehen wichtige strategische Überlegungen. Für jede genannte Phase werden gemeinsam mit dem Kunden Antworten auf folgende Fragen ermittelt: Wo steht das Unternehmen ¬technisch wie organisatorisch? In welchen Bereichen will und kann es sich in Richtung Cloud entwickeln? Dabei wird festgestellt, wie leistungsfähig die IT beispielsweise bei Themen wie dem Service Management, der Betriebseffizienz oder Security ist.

Zur Erhebung dient ein standardisierter Fragenkatalog mit rund 250 Fragestellungen, der sich aus dem sogenannten Innovation Check (Reifegradmodell für verschiedene Infrastrukturthemen) ableitet, den Computacenter bereits lange Jahre erfolgreich einsetzt. Das Besondere an diesem Katalog ist, dass er neben Fragen auch bereits mögliche abgestufte Antwortszenarien liefert. So können wenige Experten die Reifegradinterviews vor Ort beim Kunden für ganz unterschiedliche IT-Themen durchführen.

Lautet die konkrete Frage „Wie installieren Sie Ihre Server-Systeme?“, staffeln sich die möglichen Antworten von der manuellen Vorort-Installation bis hin zum komplett automatisierten Installationszyklus mit Genehmigungsworkflow. So lässt sich die Cloud-Reife für organisatorische und technische Themen ganz individuell in die Reifegrade 1 bis 5 unterteilen. Das hat den Vorteil, dass der Entwicklungsgrad der Infrastruktur objektiv beurteilt werden kann.

Auch bei ITIL (Information Technology Infrastructure Library) oder COBIT (Rahmenwerk für IT-Governance) gibt es entsprechende Assessment-Modelle, die allerdings eher Einzelgebiete untersuchen. Was die beschriebene Reifegradanalyse ausmacht, ist ihr Umfang: Alle IT-Bereiche vom Access zum Rechenzentrum über das Service Management bis hin zum energieeffizienten Betrieb können auf ihre Tauglichkeit für die Cloud untersucht werden.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Je nach Cloud-Zielsetzung ergeben sich die verschiedenen Themen für die Reifegradanalyse grundsätzlich aus dem Architekturmodell für die Dynamic Datacenter Infrastructure Solutions (siehe Grafik 2). Nicht jedes Unternehmen möchte allerdings sein gesamtes Rechenzentrum mit allen vorhandenen Services „cloudifizieren“, daher ist das Modell in erster Linie eine strukturelle Vorlage.

Nach dem umfangreichen systematischen Assessment fließen die Analyseergebnisse in ein Reifegradmodell. Es zeigt, wie leistungsfähig die IT einer Organisation im Bereich der Cloud-Meilensteine Kapseln, Automatisieren und Cloud Computing bereits ist. Dieser Istzustand wird den zuvor definierten Zielsetzungen, den aus Sicht von Computacenter idealtypischen Reifegraden und den Zuständen in vergleichbaren Branchen gegenübergestellt (siehe Grafik 3). Die Grafik zeigt auf einen Blick die Diskrepanz zwischen Cloud-Anspruch und -Wirklichkeit. An dieser Stelle werden die operativen Zielsetzungen des Unternehmens immer auch kritisch von den externen IT-Consultants geprüft. Denn nur wirklich erreichbare Ziele mit Optimierungspotenzial sind sinnvoll.

Konkrete, herstellerunabhängige Handlungsempfehlungen

Mit der Erkenntnis, dass das Unternehmen bei der Automatisierung der Betriebsprozesse noch viel zu tun hat, dagegen aber bei der Virtualisierung der Infrastruktur bereits gut dasteht, sollte die Analyse nicht enden. Deshalb werden konkrete, herstellerunabhängige Handlungsempfehlungen abgeleitet, die auf den Erfahrungen der externen IT-Consultants beim Aufbau und dem Betrieb von dynamischen Rechenzentren beruhen.

Die Maßnahmen fließen in einen zeitlich und thematisch strukturierten Cloud-Fahrplan mit individuellen, aufeinander abgestimmten Priorisierungen. Wider Erwarten dauert ein solch systematischer Cloud-Check, vom Assessment über die Maßnahmenableitung und deren Umsetzungsempfehlung nicht mehrere Monate, sondern, je nach Umfang, nur zwischen fünf und maximal 15 Tagen. Das strukturierte, erprobte Vorgehen mit maßgeschneiderten Fragen und Antworten nur für die notwendigen IT-Bereiche garantiert eine effiziente Analyse.

Scheibchenweise in die eigene Wolke

Ohne Frage, auch mithilfe externer Experten bleibt der Aufbau einer eigenen Private Cloud ein komplexes Unterfangen. Wer hierbei schrittweise vorgeht, kann den Prozess gut entzerren und schnell erste Erfolge vorweisen. Unternehmen sollten sich zunächst ruhig Teilbereiche vornehmen. So kann beispielsweise nur die SAP-Infrastruktur für Test- und Entwicklungssysteme dynamisiert und flexibilisiert und als Private Cloud ausgebaut werden.

Das Hauptaugenmerk gilt der Automatisierung und der effizienten Ressourcennutzung. Im SAP-Umfeld müssen typischerweise Schulungs- und Testsysteme schnell bereitgestellt werden. Dabei muss der Zweck die eingesetzten Mittel heiligen. Werden diese Systeme häufiger als einhundert Mal im Jahr benötigt, sollte der Bereitstellungsprozess vollständig automatisiert sein, damit ein komplett eingerichtetes SAP-Testsystem innerhalb weniger Minuten verfügbar ist. Tritt dieser Fall dagegen nur einmal monatlich auf, lohnt es sich eher, Teilschritte zu automatisieren und noch geringen manuellen Aufwand zuzulassen.

Sollen Webserver-Farmen fit für die Cloud werden, sieht das Vorgehen wie folgt aus: In diesem Umfeld müssen hohe Lastspitzen flexibel abgefangen werden. Dafür ist jeweils ein hoher Virtualisierungs-, Standardisierungs- und Automatisierungsgrad notwendig. Im Gegensatz zu SAP-Umgebungen bestehen Webserver-Farmen aus vielen gleichartigen Systemen, sodass ein hoher Automatisierungsgrad wesentlich einfacher zu erreichen ist. Nach der maßgeschneiderten Virtualisierung und Automatisierung kann im dritten Schritt überlegt werden, wie die Services quasi als Cloud-Produkte über Self-Service-Portale angeboten, oder per Mail aus dem Service-Katalog bestellt werden sollen.

Gute Aussichten für Hybridwolken

Das Thema Private Cloud ist in den Unternehmen angekommen. Jetzt geht es darum, den Einstieg strategisch und methodisch konkret zu gestalten. Das funktioniert nur, wenn die Ausgangslage hinreichend gut analysiert wurde. Ist die Frage nach der Cloud-Reife ausreichend beantwortet, liefert ein maßgeschneiderter Maßnahmenkatalog den Wegweiser für die Reise in die Cloud, und zwar nicht nur in die Private Cloud.

Inzwischen gilt die scheinbar mangelnde Sicherheit besonders bei größeren Unternehmen nicht mehr als Totschlag-Argument gegenüber Public-Cloud-Angeboten. Viele CIOs prüfen sehr genau, welche Einsparmöglichkeiten das Service-orientierte Modell bietet. In den kommenden Jahren werden große Unternehmen und der gehobene Mittelstand Cloud-Angebote in Kombination mit der eigenen Infrastruktur nutzen. Die Herausforderung besteht dann darin, den optimalen Mix aus externen Services und eigenen Diensten zu finden.

(ID:31004530)