Analystenstimmen und erste Folgen der Konzernumbau-Ankündigung

Wo steuert Hewlett-Packard ohne PCs, Tablets und Smartphones hin?

| Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Die Banner von HP stehen künftig mehr für Software.
Die Banner von HP stehen künftig mehr für Software.

Hewlett-Packard wird künftig weniger Apple nacheifern, sondern mehr dem IBM-Konzern. Datenanalyse wird ein zentrales Thema, während WebOS-Smartphones und Tablets eingestampft werden und die Zukunft der PC-Sparte unklar ist.

Der geplante Umbau des HP-Konzerns sorgt für Wirbel in der IT-Branche. Denn betroffen ist nicht nur HP, sondern auch deren Konkurrenten samt Fachhändler sowie die Kunden. Es werde derzeit geprüft, sich komplett oder teilweise von der PC-Sparte zu trennen, hieß es aus dem Unternehmen. Dieses Segment sorgt bei Hewlett-Packard für etwa ein Drittel der Umsätze. Entschieden ist hier allerdings noch nichts Konkretes. Zeichen setzt HP dagegen in Sachen WebOS-Produkte: die werden nun zu Billigpreisen verramscht.

Weniger Apple

Dass man sich vom Geschäft rund um Konkurrenzprodukte zum iPhone und iPad verabschieden will, steht hingegen bereits fest. Wie das Unternehmen aus Palo Alto mitteilt, habe man mit eigenen Smartphones und Tablets die finanziellen Ziele verfehlt und werde daher das Engagement in den Bereichen Touchpad und WebOS-Phones einstellen. Die letzten bestände werden inzwischen auch in Deutschland zu Sonderpreisen verramscht.

Mit dem Tablet Touchpad sowie den Smartphones Pre³ und Veer hatte der Hersteller erst kürzlich sein Portfolio an WebOS-Geräten aktualisiert. Trotz Preissenkungen haben die Geräte HPs Absatzerwartungen offenbar nur unzureichend erfüllt.

WebOS-Zukunft ist ungewiss

Was aus dem Betriebssystem selbst wird ist bislang unklar. HP will weitere Optionen für WebOS prüfen und kündigte etwas schwammig an, dass man ausloten werde, wie man den Wert der WebOS-Software optimieren könne. Laut Meinung von IDC habe die Ankündigung den „schon geringen Marktchancen von WebOS als mobiles Betriebssystem den Garaus gemacht“. Zwar könnte das Betriebssystem potenziell als Lizenz vergeben werden. Und Anbieter wie HTC, LG und Samsung werden sich tendenziell – nachdem Google die Motorola Mobility aufkaufen will – durchaus nach Android-Alternativen umsehen. Grundsätzlich wäre HP als Lizenzgeber also in Frage gekommen. Dass WebOS nun auf das Abstellgleis geschoben wurde, könne jedoch als „Todesstoß“ verstanden werden. Das iOS von Apple und Android von Google seien jetzt schon mit einem nicht mehr aufholbaren Vorsprung gesegnet. Niemand warte in so einer Situation auf ein besseres WebOS, so die Zwischeneinschätzung von IDC.

Das System stammt aus der erst 2010 vollzogenen Akquisition des PDA-Pioniers Palm. Damals mutmaßten Branchenkenner, dass es HP vor allem auf die multitasking-fähige Software abgesehen haben könnte, die dem Konzern eine Zukunft im Mobile-Segment sichern könne. Nun ist unklar, auf welchen Geräten WebOS künftig noch laufen soll.

Ausverkauf hat begonnen

Bereits kurz nach der Ankündigung verwandelten sich HPs Tablets von einem 399-US-Dollar-Flop zu einem 99-US-Dollar-Schnäppchen. Die 16-Gigabyte-Version des einstigen Hoffnungsträgers sank im US-amerikanischen Online-Handel auf dieses Preisniveau.

Am Abend gab dann auch HP Deutschland den Ausverkauf der Restbestände bekannt. Das HP TouchPad wird in der 16-GB-Version für 99 Euro, die 32-GB-Version für 129 Euro und die 64-GB-Version für 179 Euro abverkauft. Im Bereich der Smartphones wird das HP Veer auf 59 Euro und das HP Pre³ auf 79 Euro reduziert (alle Preise UVP). Die Preise aller WebOS-Accessoires werden um 50 Prozent gesenkt. Garantie- sowie Support- und Serviceleistungen werden jedoch weiterhin in vollem Umfang gewährleistet, betonte HP.

Zwang zur Rendite

Die Marktforscher von IDC haben sich Gedanken zu den aktuellen Entwicklungen beim HP-Konzern gemacht. Wafa Moussavi-Amin, der Geschäftsführer bei IDC Deutschland findet: „Der Druck von Seiten der Wall Street und der Aktionäre zwang HP dazu, sich auf seine gewinnträchtigeren Sparten zu konzentrieren, und das notorisch margenschwache PC-Geschäft war hier eine besondere Zielscheibe, auch wenn es in den jüngsten Quartalsergebnissen 31 Prozent des HP-Gesamtumsatzes ausmachte“. Moussavi-Amin kritisiert jedoch die Vorgehensweise, denn ohne klare Pläne oder einen Käufer, laufe nun ein Countdown für rentable PC-Geschäfte ab. Der Wert der PC-Sparte sinke ab jetzt, so seine Einschätzung. Ohne Zukunftsperspektive sei die Sparte auf dem absteigenden Ast, denn das negative Kundenverhalten sei bereits abzusehen. Großunternehmen fordern „klare Produkt-Roadmaps, ein stabiles Image und eine langfristige Verfügbarkeit“. Solange diese Basics nicht gewährleistet sind, werden Kunden lieber beim Wettbewerb einkaufen.

Parallelen zu IBM

Für den Fall, dass bald ein Käufer gefunden wird, zieht der IDC-Geschäftsführer Parallelen zur Ausgliederung der PC-Sparte von IBM an den chinesischen Konzern Lenovo. Auch bei HP könnten mit dem künftigen Besitzer der PC-Sparte ausgehandelt werden, dass die Sparte „Technology Services“ weiterhin Support für diese Produkte leistet. Außerdem könnten langfristige Reseller-Vereinbarung HP in die Lage versetzen, die PCs auch nach einer eventuellen Ausgründung weiterhin verkaufen zu können. Dann wäre der Vorteil, alles aus einer Hand bieten zu können, gesichert.

Noch mehr Aspekte an den Planungen deuten darauf hin, dass HP ein neues Vorbild hat: Es wird nicht mehr Apple nachgeeifert, mit erfolglosen Versuchen, Käufer aus der Fangemeinde für iPhones und iPads für HP-Interpretationen dieser Geräteklassen zu begeistern. Die Wahrheit ist: Bislang hat nur Apple eine „Fangemeinde“, die diesen Namen verdient. Vielmehr scheint HP nun „den IBM-Weg“ in Richtung Datenanalyse zu gehen.

Vorläufiges Fazit

Noch im März dieses Jahres kündigte Apotheker bei einem Treffen mit Analysten und Investoren in San Francisco an, den Konzern mehr in Richtung Cloud Computing zu steuern. Ein Abschied von der Hardware zeichnete sich aber keineswegs ab, da Konkurrenzprodukte zum iPad auf WebOS-Basis in Aussicht gestellt wurden. Es scheint daher so, als ob sich bei HP einige grundlegende Strategie-Entscheidungen sehr kurzfristig ergeben haben.

Insbesondere weil die Zukunft der wichtigen PC-Sparte noch nicht feststeht, kann noch nicht klar skizziert werden, wie Hewlett-Packard nach dem Umbau aussehen wird.

HPs bisherige Pläne müssen als Teil grundlegenden Umstrukturierung verstanden werden. Mehr oder weniger fest steht bislang, dass sich das Unternehmen künftig vorrangig auf Kunden im Unternehmens- und Behördenumfeld konzentrieren will. Denen wolle man ein Portfolio mit Drucklösungen, Software, Services, Server, Storage und Networking bieten.

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