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Technik kurz erklärt Die Entwicklung der Maus

Von Felix Haas 4 min Lesedauer

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In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir Meisterwerke der Konstruktion und besondere Entwicklungen vor. Heute: die Computermaus – kurz: Maus.

Ein Nachbau der ersten „Mouse“ aus Holz; zwei Rädchen an der Unterseite griffen die Bewegung des Geräts ab. Douglas C. Engelbart präsentierte die Entwicklung 1968 der Öffentlichkeit .(Bild:  Sergei Magel/HNF)
Ein Nachbau der ersten „Mouse“ aus Holz; zwei Rädchen an der Unterseite griffen die Bewegung des Geräts ab. Douglas C. Engelbart präsentierte die Entwicklung 1968 der Öffentlichkeit .
(Bild: Sergei Magel/HNF)

Auch heute ist sie als intuitive Bedienung von Computern von kaum noch einem Schreibtisch wegzudenken: die Maus. Zwar hat sich mit dem Siegeszug der Smartphones und Tablets in den vergangenen 15 Jahren eine neue – man möchte sagen noch intuitivere – Schnittstelle zwischen Mensch und Computer etabliert, aber in vielen Fällen ist die Maus in Kombination mit der Tastatur nach wie vor unangefochten. Das gilt vor allem im beruflichen Kontext.

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Die Entwicklung der Maus ist eine Geschichte, die aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt werden kann: Allgemein als „Erfinder der Maus“ anerkannt ist heute der US-Amerikaner Douglas C. Engelbart. Der Computerpionier stellte die „Mouse“ im Dezember 1968 auf einer Demo-Präsentation vor. Der Name des Eingabegeräts rührt daher, dass ein Mitarbeiter Engelbarts Teams anmerkte, dass das Gerät – mit dem Kabel als Mausschwanz vorgestellt – wie das Nagetier aussähe. Die Maus wirkte aus heutiger Sicht noch unförmig und war aus Holz gebaut. Zum Abtasten der Bewegung waren an der Unterseite des Geräts zwei orthogonal zueinander verlaufende Rädchen angebracht. Damit konnte Bewegung in der X- als auch Y-Achse dargestellt werden.

Legendäre Präsentation in San Francisco

Die mittlerweile legendäre Präsentation Engelbarts in San Francisco auf der „Fall Joint Conference“ wird heute in der Tech-Szene als „The Mother of All Demos – die Mutter aller Demos“ – bezeichnet. Wahrscheinlich auch, weil die Videoaufzeichnung zur Präsentation von Engelbart noch heute im Web verfügbar ist.

Engelbart entwickelte das Eingabegerät bereits seit etwa 1963 im Auftrag der NASA. Diese konnte letztlich jedoch wenig mit der Erfindung anfangen, da die Maus in der Schwerelosigkeit des Alls nicht funktionierte. Trotzdem hatte Douglas C. Engelbart bereits in der ersten Hälfte der ’60er-Jahre funktionierende Prototypen des Eingabegeräts entwickelt. Die Präsentation und damit die öffentliche Vorstellung fand jedoch erst Ende 1968 statt. Ab Minute 31:22 geht Engelbart genauer auf die Funktionsweise der Maus ein. Er zeigt die intuitive Bedienung, die grundsätzlich exakt wie heute funktioniert, auch live:

Maus made in Germany – die Rollkugelsteuerung

Die zweite, weniger bekannte Perspektive der Entwicklung der Maus ist die Erfindung der „Rollkugelsteuerung“ in Deutschland, ebenfalls in den ’60er-Jahren. Die damalige „Bundesanstalt für Flugsicherung“ forderte ein System, mit dem Fluglotsen auf den Radarbildschirmen Flugzeugpositionen markieren konnten. Telefunken wurde mit der Entwicklung des Zeigersystems beauftragt, ein Team um Elektroingenieur Rainer Mallebrein entwickelte den Prototyp. Noch zwei Monate vor Engelbarts Präsentation stellten sie diesen der Öffentlichkeit vor. Die weniger elegant betitelte „Rollkugelsteuerung“ drehte dabei das Prinzip eines „Trackingballs“, einer Kugel, die fest auf dem Tisch montiert ist, um. Somit ist die Kugel an der Unterseite angebracht und das kleine Zeigergerät dafür beweglich.

In einem Interview im „Südkurier“ von 2018 erinnerte sich Mallebrein zurück: „Ja, Engelbart hat seine Mouse offiziell am 9. Dezember 1968 vorgestellt. Eine Veröffentlichung von Telefunken vom 1. Oktober 1968 belegt jedoch, dass wir vor Engelbart auf dem Markt waren. Die Erfindung war meiner Erinnerung nach sogar noch etwa sechs bis acht Monate vorher abgeschlossen. Außerdem kam man zu dem Schluss, dass unsere technische Umsetzung aus heutiger Sicht wesentlich besser war als die von Engelbart.“

Auch die Geschichte lässt darauf schließen, dass deutsche Umsetzung der US-amerikanischen technisch überlegen war. Die ersten erschwinglicheren Mäuse, wie die „P4“ der Schweizer Firma Logitech und die Mäuse, die von Apple und Microsoft ab 1983 verkauft wurde, setzten allesamt auf das System mit Kugel – nicht auf Engelbarts Lösung mit den beiden Rädchen. Trotzdem funktionierte auch Engelbarts Prinzip in der Präsentation 1968 schon gut. Mit der Kugel ist es aber nicht vergleichbar, da diese sich freier bewegen lässt. Außerdem hatte die von Telefunken entwickelte Maus bereits ein Gehäuse aus Kunststoff, nicht aus Holz.

Patentamt hielt den technischen Fortschritt für zu gering

Was im deutschen Team jedoch nicht funktioniert hat – im US-amerikanischen dafür schon –, ist die Patentierung der Maus. In den USA wurde diese von Engelbart nämlich als „X-Y Position Indicator for a Display System“ patentiert. Damit gilt Douglas C. Engelbart auch offiziell als Erfinder der Maus. Das Team um Rainer Mallebrein versuchte sich damals noch vor Engelbart auch an einer Patentierung. Das deutsche Patentamt wies den Antrag jedoch mit der Begründung ab, dass die „technische Fallhöhe nicht groß genug“ sei. Rainer Mallebrein ist heute klar, dass der Patentantrag die neue Art der Anwendung von Mensch-Maschine-Interaktion hätte mehr betonen müssen. In der Maschinentechnik war das Kugel-Steuerungs-Prinzip nämlich auch damals nichts Neues.

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Das Grundprinzip des Eingabegeräts ist bis heute unverändert, wobei die Technik nichts mehr mit den Anfängen zu tun hat. Von den beiden Rädchen oder dem Ball an der Unterseite ging es schnell zu sensorischen Lösungen – mit Laser-Sensoren verbesserten sich die Genauigkeit und Haptik des beliebten Eingabegeräts nochmals.

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Visionäre Gedanken lange vor der Digitalisierung

Auch das Gehäuse der Maus hat sich stark verändert; vom anfänglich von Douglas C. Engelbart noch verwendeten Holz nahmen bereits die ersten Massenprodukte Abschied, stattdessen hielt der leichtere Kunststoff Einzug. Auch die Form veränderte im vergangenen halben Jahrhundert so stark, dass sie kaum noch zu erkennen ist: Moderne Mäuse sind ergonomisch gestaltet und versuchen so, den Bedienkomfort für den Nutzer weiter zu verbessern.

Sowohl das US-amerikanische als auch das deutsche Team bestanden damals so oder so aus technologischen Visionären. Douglas C. Engelbart sagte in einem Interview: „In unserer Vision gingen wir davon aus, dass die Menschen zur Lösung von Problemen computergestützte Arbeitsstationen einsetzen werden. Diese Stationen setzten voraus, dass man mit Hilfe eines Geräts einen Cursor und damit die Informationen auf dem Bildschirm ansteuern konnte.“

Quellen:

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal konstruktionspraxis erschienen.

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