Die Einführung von Cloud Computing in Unternehmen schreitet in rasantem Tempo voran und hat durch die Corona-Pandemie und den damit verbundenen Trend zur Fernarbeit deutlich an Fahrt aufgenommen. Doch ohne Plan immer neue Workloads in die Cloud zu migrieren, kann böse Überraschungen bringen.
Aus Mangel an Transparenz und fehlendem Verständnis, wie sich die Cloud kurz- und langfristig auswirken wird, können Unternehmen den gesamten Nutzen der Cloud nicht ausschöpfen.
Viele Unternehmen haben beschlossen, Cloud-Technologien schneller als ursprünglich geplant einzuführen, um ihren Mitarbeitern zügig ein sicheres Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen. Einer aktuellen Umfrage von Snow Software zufolge haben 76 Prozent der IT-Leiter ihre Ausgaben für Cloud-Infrastruktur in den letzten zwölf Monaten erhöht.
Schnell? Oft zu schnell!
Laut dem Analystenhaus Gartner könnte sich dieser Trend weit über die Pandemie hinaus fortsetzen. Dort geht man davon aus, dass Unternehmen dazu gezwungen sein werden, ihre Pläne zur digitalen Transformation rapide zu beschleunigen, wenn sie in einer Post-Corona-Welt überleben wollen. Diese werde von Remote Work und digitalen Touchpoints geprägt sein.
Einige Unternehmen haben jedoch bislang nur reaktiv gehandelt und ad hoc auf Probleme reagiert. Mit etwas zeitlichem Abstand werden nun neue, durch überhastete Maßnahmen verursachte Probleme sichtbar, wie beispielsweise gestiegene Kosten und weiter isolierte Public- und Private-Cloud-Workloads. Bevor nun gleich der nächste Schritt in Angriff genommen wird, sollten Unternehmen eine kurze Verschnaufpause einlegen und prüfen, ob alle bislang getätigten Cloud-Investitionen auch an einer umfassenden Cloud-Strategie ausgerichtet sind.
Die Hybrid-Cloud kann teuer werden
Entgegen der landläufigen Meinung ist die Cloud häufig teurer als ein lokales Rechenzentrum. Insbesondere dann, wenn die Cloud-Implementierung nicht aktiv gemanagt oder überstürzt angegangen wurde – wie es oft wegen der Corona-Pandemie der Fall war. Infolgedessen macht sich bei vielen Unternehmen Ernüchterung breit, wenn die Rechnung deutlich höher ausfällt als veranschlagt.
Besonders besorgniserregend ist, dass laut der Umfrage von Snow Software ein erheblicher Teil der IT-Leiter große Wissenslücken hinsichtlich der Kosten für Cloud-Infrastrukturen und der eigenen IT-Landschaft aufweist. Nur 42 Prozent der Befragten waren der Meinung, einen klaren Überblick über die eigene Cloud-Infrastruktur zu haben, und 27 Prozent gaben offen zu, bei der Cloud-Adaption mit unerwarteten Kostentreibern konfrontiert worden zu sein.
Die anfängliche Erwartungshaltung an die Cloud war, Belastungen zu verringern und Fernarbeit zu ermöglichen. Jedoch konnten viele Unternehmen keine effektive Implementierungsstrategie entwickeln. Es wurden keine Leitplanken oder Richtlinien für die Einführung von Public Clouds eingerichtet. In vielen Fällen war schlicht keine Zeit dafür. Dieser Mangel an Transparenz und Verständnis darüber, wie sich die Cloud kurz- und langfristig auf Unternehmen auswirken würde, führte dazu, dass Unternehmen nicht in der Lage waren, den gesamten Nutzen der Cloud freizusetzen. Dies muss dringend behoben werden, bevor weitere Workloads oder neue Anwendungen migriert werden.
Um die Kosten im Griff zu behalten, sollten Unternehmen bereits im Vorfeld eine Bestandsaufnahme der geschäftskritischen Prozesse durchführen und die Anforderungen unter Einbeziehung der verschiedenen internen Stakeholder definieren. Das Einbeziehen unterschiedlicher Blickwinkel ermöglicht ein umfassendes Anforderungsprofil und berücksichtigt damit die Interessen aller Cloud-Anwender sowie die Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens. Nur dann lassen sich die Potenziale der Cloud vollständig realisieren.
Visibilität von Assets
Sichtbarkeit über alle Assets hinweg – Software, Hardware, SaaS und Cloud – war noch nie so wichtig wie heute. Vor allem wegen ihrer herausragenden Bedeutung für die Kostenkontrolle und die Compliance sollte sie auch fester Bestandteil jeder Hybrid-Cloud-Strategie sein. Aber umfassende Visibilität ist nicht leicht zu erreichen. Sogar innerhalb einer IT-Abteilung können unterschiedliche Teams verschiedene Systeme unabhängig voneinander betreiben.
Noch schwieriger wird es, wenn IT-Verantwortliche Fachabteilungen im Blick behalten sollen, die ihre Technologie-Budgets eigenständig verwalten können. Durch die Corona-Pandemie ist das Wachstum von Schatten-IT stark gestiegen, und IT-Leiter haben es im eigenen Unternehmen immer öfter mit sogenannten „blinden Flecken“ zu tun.
Unternehmen sollten ein gemeinsames Verständnis ihrer Technologiedaten entwickeln und diese Daten auch abteilungsübergreifend zur Verfügung stellen – insbesondere für die Nutzung von IT-Ressourcen wie der Cloud. Erreicht werden kann dies durch die Zusammenführung aller Stakeholder oder die Verwendung eines Management-Tools (direkt von den Cloud-Anbietern oder einem Drittanbieter). Lizenzmodelle, Kosten und Ressourcen variieren je nach Cloud-Anbieter stark und können so effektiv mit den Unternehmenszielen in Einklang gebracht werden.
Stand: 08.12.2025
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Die Cloud in den Griff bekommen
Software ist heute der größte Kostenfaktor in der IT. Deshalb wollen IT-Leiter wissen, wie viel davon tatsächlich genutzt wird. Ähnlich verhält es sich mit Cloud-Ressourcen. Auch hier ist es wichtig, einen umfassenden Einblick in die eigene Technologieumgebung zu haben, da SaaS- und Cloud-Management auf ähnliche Weise behandelt werden können und die meisten Unternehmen eine hybride IT-Umgebung einsetzen. IT-Leiter müssen verstehen, wie alle ihre Technologie-Investitionen zusammenwirken.
Um Kosten für Cloud-Workloads zu optimieren, können Unternehmen verschiedenste Techniken anwenden, beispielsweise die Integration von Automatisierung, die Implementierung von Power Schedules [zur automatischen Steuerung, wann Systeme hoch- oder herunterfahren sollen – Anm. d. Red.] und die regelmäßige Analyse von Nutzungsmustern, um Potenziale für Rightsizing (Rationalisierung) oder Downsizing (Verschlankung) zu finden. Neben der Kostenoptimierung lohnt es sich auch zu überlegen, welcher Cloud-Anbieter für welche Workloads geeignet ist. Und zu guter Letzt ist die Verwaltung einer Cloud (und SaaS) ein fortlaufender Prozess und keine einmalige Angelegenheit.
Jesse Stockall, Snow Software.
(Bild: Snow Software)
Hybrides Arbeiten wird in naher Zukunft der neue Standard sein. Daher ist es entscheidend, dass Unternehmen jetzt beginnen, ihre Cloud-Umgebungen besser zu verwalten. Unternehmen müssen sich jetzt die Zeit für eine Bestandsaufnahme ihrer Cloud-, Software-, SaaS- und Hardware-Investitionen nehmen. Die Welt wird nicht mehr zum alten „Normalzustand“ zurückkehren. Nur wer sich daran anpasst, wird einen Platz in der neuen Arbeitswelt finden.
*Der Autor: Jesse Stockall ist Chief Architect bei Snow Software.