Open-Source-Software (OSS) spielt in Unternehmen jeglicher Größe eine bedeutende Rolle – mit steigender Tendenz. Das zeigt die VMware-Studie „The State of the Software Supply Chain: Open Source Edition 2022” deutlich. Der einzige Wermutstropfen in der vorherrschenden Euphorie: die Sicherheitsbedenken der Nutzer. Insbesondere die Software-Paketierung der Software rückt dabei in den Fokus.
Open-Source-Software (OSS) liegt im Trend, kaum ein Unternehmen kommt mehr ohne aus – und mit „OSS“ ist kein Betriebssystem gemeint. Doch es gilt auch, dass alte Sicherheitsbedenken sich halten und neue hinzukommen.
(Bild: KanawatTH - stock.adobe.com)
Der OSS-Report von VMmare wird jährlich publiziert. Allerdings ändern sich jedes Mal ein wenig die Ausrichtung und die Ausgangslage und damit die Fragestellung. 2022 nimmt er angesichts der erheblichen Schwachstellen, die 2021 sowohl in kommerzieller als auch in Open-Source-Software aufgetaucht sind, und der anhaltenden Zunahme von Cyber-Angriffen verstärkt die Software-Lieferkette unter die Lupe.
Zugleich nimmt die Untersuchung auch Unternehmen auf, die weniger als 100 Mitarbeiter beschäftigen. Er beleuchtet einige der Bedenken und Herausforderungen, denen sich insbesondere diese kleineren Unternehmen zusätzlich zu denen größerer Betriebe gegenübersehen.
Generell lässt sich feststellen, dass die Unternehmen sich nach wie vor für Open-Source-Software aus Gründen wie Kosteneffizienz, Flexibilität und Unterstützung durch die Gemeinschaft entscheiden. Zudem zeigt die 2022er-Umfrage, dass OSS diese Erwartungen auch erfüllt (siehe Abbildung 1). Denn in diesem Jahr haben die Analysten zusätzlich zu der Frage, welche Vorteile sich für das jeweilige Unternehmen in der Produktion ergäben, gefragt: „Warum setzt Ihr Unternehmen Open-Source-Software ein?“. Auf diese Weise lässt sich feststellen, wie eng die Gründe für den Einsatz von OSS mit den angegebenen Vorteilen zusammenhängen, nämlich: „sehr gemeinsam“.
Über die Studie
VMware beauftragte Dimensional Research mit dieser Studie, um die Erfahrungen und Einstellungen von Technologieexperten, die für Open-Source-Software (OSS) verantwortlich sind, zu verstehen. Dafür befragten die Analysten eine Mischung aus Fachleuten in den Bereichen IT-Entwicklung und Betrieb, einschließlich Technologie-Führungskräften, Teamleiter und einzelnen Mitarbeitern.
Während sich die Umfrage 2021 auf Unternehmen mit 500 oder mehr Mitarbeitern konzentrierte, sind 2022 Unternehmen jeder Größe aufgenommen worden. Außerdem hat sich die Zahl der Befragten mehr als verdoppelt, und es wurden 1.198 OSS-Stakeholder aus einem breiten Spektrum von Branchen und Beschäftigungsebenen erreicht.
Der Schwerpunkt der befragten Unternehmen liegt in der Software-Technologiebranche (18 Prozent). Andere wichtige Sektoren, die 2022 vertreten waren, sind Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, Telekommunikation, Fertigung und Bildung, die jeweils 9 Prozent der Gesamtzahl ausmachen.
Bei der Frage nach der Infrastruktur gaben 32 Prozent an, dass sie hauptsächlich vor Ort arbeiten, 38 Prozent waren gleichmäßig zwischen „vor Ort“ und „in der Cloud“ verteilt, während 30 Prozent hauptsächlich oder vollständig in der Cloud arbeiten. DevOps wurde von 80 Prozent der befragten Unternehmen eingeführt, wobei 38 Prozent über eine eine„reife“ DevOps-Organisation verfügen.
DevSecOps wurde von 62 Prozent der Unternehmen eingeführt. 26 Prozent haben angegeben, dass sie über ein „ausgereiftes“ DevSecOps-Programm verfügen.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
99,8 Prozent der Befragten geben an, dass sie von Open-Source-Software profitieren. Dabei erfüllen insbesondere die Vorteile in den Bereichen Kosteneffizienz (76 Prozent), Flexibilität (60 Prozent) und Produktivität der Entwickler (52 Prozent) die Erwartungen.
Kleinere Unternehmen (knapp ein Fünftel aller untersuchten Unternehmen) erfahren die gleichen Vorteile: Kosteneffizienz (75 Prozent), erhöhte Flexibilität (59 Prozent), Unterstützung einer großen Nutzergemeinschaft (55 Prozent), Entwicklerproduktivität (55 Prozent) und die Möglichkeit für das technische Team, mit der bevorzugten Technologie zu arbeiten (49 Prozent). Insgesamt liegen diese Ergebnisse erstaunlich nahe an denen der Gesamtstichprobe. Kleine Unternehmen erkannten die Produktivität der Entwickler zu 3 Prozent häufiger als im Vorjahr als Vorteil an (55 Prozent gegenüber 52 Prozent), was die größte Abweichung darstellt.
Allerdings verlief 2021 nicht ganz reibungslos für die Einführung von OSS. So geben weniger Befragte als im Vorjahr an, dass sie OSS 2022 in der Produktion einsetzen, und zwar aufgrund von Management-Problemen, Support-Bedenken und mangelndem Vertrauen in die OSS-Technologie:
94 Prozent der Befragten äußern Bedenken beim Einsatz von Open-Source-Software in der Produktion. Die größten Fragezeichen sehen die Teilnehmer in der Abhängigkeit von der Community, um Sicherheitslücken zu schließen (61 Prozent), den höheren Sicherheitsrisiken im Allgemeinen (53 Prozent) und fehlenden SLAs für Patches aus der Community (50 Prozent).
Die Zahl der Unternehmen, die Open-Source-Komponenten in der Produktion einsetzen, ist leicht von 95 Prozent auf 90 Prozent gesunken. Nur 84 Prozent der kleinen Unternehmen (weniger als 100 Mitarbeiter) nutzen OSS zu diesem Zweck.
Welche Art von OSS?
Bezüglich des Verwendungszwecks ergibt sich 2022 folgendes Bild: Datenbank oder Cache (75 Prozent), Laufzeiten (71 Prozent), Betriebssysteme (70 Prozent) und Container-Orchestrierung (59 Prozent) (siehe Abbildung 3). Es gibt auch eine erhebliche Menge an Open-Source-Unternehmens-Software im Einsatz (45 Prozent der Befragten).
Kleinere Unternehmen verwenden eine andere Mischung von OSS. Insbesondere setzen sie weitaus seltener OSS für die Container-Orchestrierung (35 Prozent gegenüber 59 Prozent), die Software-Bereitstellung (31 Prozent gegenüber 48 Prozent) sowie die Protokollierung und Überwachung (33 Prozent gegenüber 44 Prozent) ein. Kleine Unternehmen nutzen weitaus häufiger quelloffene Geschäfts-Software (57 Prozent gegenüber 45 Prozent), einschließlich Lösungen für ERP, CMS, E-Commerce und Wordpress.
Auf die Frage, was eine wachsende Zahl von Interessenvertretern vom Einsatz in der Produktion abhält, antworten viele (44 Prozent), dass sie noch herausfinden müssten, wie OSS in der Produktion zu verwalten sei. Allerdings geben 38 Prozent an, dass sie keine ausreichende Unterstützung für Open-Source-Software in Produktionsumgebungen sehen, und 34 Prozent trauen offenbar Open-Source-Software in Produktionsumgebungen nicht (siehe Abbildung 5).
2021 gaben 46 Prozent der Befragten an, dass sie eine Richtlinie gegen Open-Source-Software in der Produktion haben. 2022 ist diese Zahl auf nur noch 25 Prozent gesunken. Diese dramatische Veränderung ist nicht nur ein Artefakt der Einbeziehung kleinerer Unternehmen. Nur noch 35 Prozent der Befragten aus Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern haben eine Richtlinie gegen Open Source. Das sind die Unternehmen, von denen man erwarten würde, dass sie am vorsichtigsten und am meisten richtliniengebunden sind.
Ironischerweise haben also im Vergleich zum Vorjahr weniger Unternehmen eine Richtlinie gegen den Einsatz von OSS in der Produktion, doch setzen auch weniger Unternehmen OSS tatsächlich in der Produktion ein.
Die Sicherheitsbedenken
Bei der Frage nach den Sicherheitsrisiken von OSS in der Produktion (siehe Abbildung 6) ist bei den meisten Risiken ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Die größten Zuwächse waren das Fehlen guter Verfahren für den Einsatz von OSS in der Produktion (+ 14 Prozentpunkte) und die Schwierigkeit zu wissen, was genau wir installiert haben und wo sie es auf dem neuesten Stand halten können (+ 7 Prozent) .
Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Packaging von OSS. Für die Umfrage ist „Paketierung“ als Prozess der Anpassung von OSS definiert. Dies können die Änderung der Konfiguration einer Anwendung, der Aufbau einer Anwendung in einem Container oder die Änderung eines Basisbetriebssystems sein. Ähnliche Paketierungsprozesse werden auch von Unternehmen angewandt, die kommerziell unterstützte OSS anbieten, sowie von unabhängigen Software-Anbietern (ISVs), die OSS als Teil eines kommerziellen Software-Pakets anbieten.
Stand: 08.12.2025
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Laut Umfrage ist die Paketierung von OSS im Jahr 2022 nach wie vor schwierig und zeitaufwändig, wobei die Prozesse von zu vielen Tools, zu vielen Aufgaben und zu vielen Teams dominiert werden. Für Unternehmen, die OSS einsetzen oder den Einsatz von OSS in Erwägung ziehen, ist dies ein Schlüsselbereich, in dem eine Optimierung – entweder durch die Auswahl besserer Tools oder durch die Suche nach kommerziellen Quellen – erhebliche Vorteile bringen kann.
Tools: 70 Prozent der Unternehmen verwenden zwei oder mehr Werkzeuge, 36 Prozent sogar 3 oder mehr. Am weitesten verbreitet scheint die Verwendung von zwei Tools zu sein (34 Prozent).
Aufgaben: Bevor OSS in Produktion geht, wird eine Vielzahl von Aufgaben durchgeführt, darunter Funktions- (68 Prozent) und Lasttests (52 Prozent), Scannen nach Common Vulnerabilities and Exposures (CVEs) (48 Prozent) und Erstellen einer Software-Stückliste (34 Prozent). Unternehmen mit 100 oder weniger Mitarbeitern führen diese Aufgaben seltener durch: Funktionstests (57 Prozent), Lasttests (37 Prozent) und Scannen nach CVEs (34 Prozent).
Teams: Die Paketierungsaufgaben sind nach wie vor zwischen der Entwicklung (60 Prozent), dem DevOps-Team (60 Prozent), dem IT-Betrieb (47 Prozent) und dem Plattformbetrieb (27 Prozent) aufgeteilt. Auch scheinen mehrere Teams an der OSS-Paketierung beteiligt zu sein. Mit zunehmender Unternehmensgröße verlagert sich die Last von der Entwicklung (von 65 Prozent auf 55 Prozent) auf das DevOps-Team (von 46 Prozent auf 66 Prozent).
Die große Mehrheit der befragten Organisationen (95 Prozent) ist direkt an der Paketierung von Open-Source-Software beteiligt (siehe Abbildung 7). Auf die Frage nach den für die Paketierung verwendeten Methoden geben 56 Prozent an, dass sie Software verwenden, die von der Gemeinschaft bereits paketiert wurde, und 55 Prozent, dass sie Open-Source-Software intern paketieren.
Weit weniger beliebt waren sind Dienstleister, die Open-Source-Software paketieren (28 Prozent), und bereits paketierte Open-Source-Software (28 Prozent) zum Kaufen. Die Analysten kommentieren: „Angesichts der Schwierigkeiten bei der Paketierung könnte man erwarten, dass die letzten beiden Optionen an Beliebtheit gewinnen.“
Erwartungsgemäß ist die Wahrscheinlichkeit, dass OSS intern zusammengepackt wird, bei Unternehmen mit 100 oder weniger Mitarbeitern geringer (47 Prozent), aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie vorgefertigte Open-Source-Software kaufen, ist deutlich geringer (17 Prozent).
Auf die Frage nach Funktionen zur Software-Paketierung (siehe Abbildung 8), welche die Sicherheit verbessern würden, nennen die Befragten vor allem den sofortigen Zugriff auf vertrauenswürdige Sicherheits-Patches für Anwendungen oder Laufzeiten, Abhängigkeiten und Betriebssystemkomponenten (60 Prozent), die zentrale Einsicht in alle Scans zur Vereinfachung von Sicherheitsaudits (55 Prozent) und die automatische CVE- und Virenprüfung für jeden Container (51 Prozent).