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Im Interview: Industrie 4.0-Startup Cybus

Herr der Daten bleiben: Die Alternative zur Cloud

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Aber wie werden die Daten transportiert? Welche Hardware-Komponente setzen Sie ein?

Marius Schmeding: Wir sind ein reines Software-Unternehmen. Die Connectware, die wir entwickeln, wird in der IT von Anlagenbetreibern installiert und bietet nach unten – also in Richtung Feldebene – einige Standardschnittstellen, zum Beispiel Modbus TCP, OPC UA, MQTT, mit denen moderne Geräte kommunizieren können. Allerdings sind wir auch auf Gateway-Partner angewiesen, die viele Bus-Protokolle über eine Schnittstelle bündeln können. Dabei ist wichtig, dass sich das Hardware-Gateway mit unserer Connectware austauschen kann. Momentan arbeiten wir mit Anybus von HMS und Mica von Harting zusammen.

Spielt Open Computing bei Ihrer Plattform eine Rolle?

Marius Schmeding: Ja, in der Tat. Unsere Plattform baut auf ein modulares Framework namens Docker auf. Dabei handelt es sich um eine Technologie, die es ermöglicht, skalierfähige und modulare Systeme einfach in verschiedene Umgebungen einzubinden.

Wo liegen die Vorteile von Cybus?

Marius Schmeding: Viele Komponentenhersteller haben das Problem, dass sie nicht an die Daten ihrer Geräte herankommen und deshalb nicht die Services anbieten können, die sie gerne anbieten würden. Die Betreiber haben allerdings Angst, die Kontrolle über ihre Daten zu verlieren. Cybus stellt sich auf die Bedürfnisse von beiden Seiten ein.
Der Anlagenhersteller kann eine Konfigurationsdatei erstellen, wo er auswählen kann, welche Datenpunkte er über die Schnittstelle seines Gerätes abrufen möchte. Der Betreiber kann dann einwilligen oder die Rechte modifizieren. So kommt ein Servicevertrag zustande. Damit können beide Seiten die Kontrolle über die Daten behalten und bestimmen, welche Daten tatsächlich nach außen verfügbar gemacht werden.

Was ist mit dem Thema Security?

Marius Schmeding: Über Cybus verlassen die Daten verschlüsselt und signiert die Fabrik. Wir gehen auch noch einen Schritt weiter: Transparenz bedeutet nicht, dass der Betreiber alle Daten sehen darf oder kann, die zum Komponentenhersteller gehen. Er sieht wohl, welche Datenpunkte es sind, aber nicht zwangsläufig die Werte. Denn viele Gerätehersteller wünschen sich, dass die Daten ihrer Geräte bereits im Gerät verschlüsselt und verschlüsselt übertragen werden.
Wir bieten hierfür einen Datentreuhänderservice an. Wir stellen auf Basis des bestehenden Servicevertrags zwischen dem Datenlieferanten und dem Datenkonsumenten sicher, dass nur die tatsächlich vereinbarten Daten übertragen werden. So können wir die Verschlüsselungsthematik und gleichzeitig die Kontrollfunktion für den Betreiber abdecken.
Damit bieten wir eine Alternative zu Cloud-Anbietern, indem wir die Schnittstelle, die sonst die Cloud bieten würde, einfach an den Ort des Geschehens verlagern. Wir schließen dabei nicht aus, dass das System nicht trotzdem in der Cloud laufen kann. Wir distanzieren uns aber von dem klassischen Cloud-Ansatz. Denn die Unternehmen haben begriffen, dass die Daten das Gold der Zukunft sind. Sie gehen sehr vorsichtig damit um. Deshalb ist das Misstrauen gegenüber klassischen Cloudanbietern auch durchaus berechtigt.

Wo und bei wem sind Sie mit Cybus aktiv?

Marius Schmeding: Wir sehen uns als Digitalisierungsdienstleister für die klassischen Gerätehersteller. Deshalb laufen momentan Gespräche mit Unternehmen etwa aus den Bereichen Sensorik, Verzahnungstechnik, Vakuumgreiftechnik, Signaltechnik, elektrische und pneumatische Automatisierung sowie Kühltechnik.

Die Internetseite von Cybus ist komplett in englischer Sprache. Sind Sie auch international aktiv?

Marius Schmeding: Nein, kann man so nicht sagen. Momentan sind wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv. Aber für die Zukunft möchte ich diese Option nicht ausschließen. Aber im Moment haben wir noch keine US-Strategie in der Schublade (lacht).

Wie sehen eigentlich die nächsten Ziele Ihrer Neugründung aus?

Wir haben große Pläne. Wir konzentrieren uns gerade darauf, unsere Kunden glücklich zu machen und sind auf der Suche nach weiteren Projekten. Dank Cybus sind unsere Kunden in der Lage, zu verstehen, wie ihre eigenen Geräte bei ihren eigenen Kunden zum Einsatz kommen. Im nächsten Schritt können sie Dienstleistungen wie Fernwartung oder sogar Pay-per-Use-Modelle anbieten. Zudem möchten wir unser Entwicklerteam weiter ausbauen, denn wir haben noch viele Ideen, die die Plattform noch besser machen können.

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