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Technik kurz erklärt Die Entwicklung des Wassermotorrads

Von Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler 4 min Lesedauer

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In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir Meisterwerke der Konstruktion und besondere Entwicklungen vor. Heute: das Wassermotorrad, meist „Jet-Ski“ genannt.

Die Faszination des Jet-Ski-Fahrens liegt vor allem im Tempo, mit dem man über das Wasser rauscht: Die Flitzer erreichen in der Rennausführung bis zu 130 Kilometer pro Stunde.(Bild:  Aylin - stock.adobe.com)
Die Faszination des Jet-Ski-Fahrens liegt vor allem im Tempo, mit dem man über das Wasser rauscht: Die Flitzer erreichen in der Rennausführung bis zu 130 Kilometer pro Stunde.
(Bild: Aylin - stock.adobe.com)

Sommer, Sonne, Wasser, Adrenalin und Spaß – Jet-Ski-Fahren ist eine sehr beliebte Aktivität, nicht nur beim Strandurlaub. Die motorisierten Wasserfahrzeuge ohne Bordwand, auf denen man entweder stehend oder sitzend über das Wasser düst, erreichen im Durchschnitt eine Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde; manche Fahrzeuge schaffen sogar bis zu 120 Kilometer pro Stunde.

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Jet-Ski oder auch Jetski ist dabei kein offizieller Name, sondern das geschützte Warenzeichen des Herstellers Kawasaki, der solche Boote unter diesem Namen vermarktet. Weitere gebräuchliche Begriffe sind „Wassermotorrad“ als amtliche Bezeichnung in Deutschland, „Wasserbob“, „Wasserscooter“ oder „Jet-Bike“. Der Name ist abgeleitet vom Englischen Verb to jet, das mit „ausstrahlen, ausstoßen, hervorschießen“ übersetzt wird, und bezieht sich auf den Antrieb der Wasserfahrzeuge.

Die Geschichte des Jet-Skis

  • Vorgänger der Jet-Ski waren die in den 1950er-Jahren entwickelten Water-Scooter des britischen Unternehmens Vincent. Das flache und breite Boot hatte einen Propeller als Antrieb und besaß einen Sitz mit Lenker. Als „Vincent Amanda“ wurden etwa 2.000 Wasserboote produziert und in die ganze Welt exportiert. Doch der große Durchbruch gelang den europäischen Motorradherstellern nicht.
  • In den 1960er-Jahren wurde die Idee dann in den USA weiterentwickelt: Der US-Amerikaner Clayton Jacobson II wurde 1933 in Portland, Oregon, USA, geboren. In den ’40er-Jahren zog seine Familie nach Südkalifornien. Neben seinem Studium der Physik und Technik verbrachte Jacobson seine Zeit mit Straßenrennen, Karosseriebau und der Arbeit in einer Autowerkstatt.
    Er war passionierter Motorcross-Fahrer, aber wohl frustriert davon, bei den Rennen auf den Bürgersteig zu krachen. Nach einem Unfall begann er, ein „Motorrad für das Wasser“ zu entwerfen. Er kündigte seinen Job und verbrachte seine ganze Zeit damit, an seinem Traum vom Wassermotorrad zu arbeiten. Bis 1965 schuf er seinen ersten Prototyp. Dieses spezielle Wasserfahrzeug war aus Aluminium gefertigt und wurde von einem Zweitaktmotor angetrieben. Im folgenden Jahr war sein zweiter Prototyp fertig. Der Durchbruch gelang ihm dank der Umstellung von Außenbordmotoren auf einen Wasserstrahlantrieb.
  • Er ging zu Bombardier, um sie dazu zu bewegen, seinen Jet-Ski zu kaufen, aber diese sahen darin keine Zukunft. Dann ging er zu Kawasaki, das nur für Motorräder bekannt war. Kawasaki brachte 1973 den ersten serienmäßigen Steher-Jet-Ski heraus: Er hatte eine Größe von 2,08 m × 0,61 m, wog 100 kg und wurde von einem 398-cm³-Motor angetrieben. Jacobson verkaufte schließlich Lizenzen an die drei heutzutage bekanntesten Marken für Jet-Ski: Bombardier für den Sea-Doo, Kawasaki für den Jet-Ski und den Yamaha Waverunner. Steher-Jet-Skis können nur von einem Fahrer verwendet werden und gelten als die Grundform aller folgenden Generationen. Sie werden noch heute hergestellt, allerdings ist ihr Marktanteil gering.
  • Eine Variante aus den 1970er-Jahren ist das Wetbike, das wie ein Skibob mit zwei breiten Kufen auf dem Wasser gleiten konnte. Großen Bekanntheitsgrad erreichte es 1977 durch den Auftritt im James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“: Roger Moore raste auf einem Wassermotorrad Richtung Weltrettung. Im Jahr darauf kam das „Wetbike Watercycle“ in den Handel. Das „motorradähnliche Wassergleitfahrzeug“ ( pdf-Datei DE2539315C3) wurde 1978 für Deutschland patentiert.
  • 1986 stellte Kawasaki mit X2 das erste Zwei-Personen-Wasserfahrzeug mit Sitz vor.

Wie der Jet-Ski funktioniert

Der Jet-Ski fährt mithilfe eines Wasserstrahlantriebs; ein Motor unterhalb des Wassermotorrads saugt Wasser an und stößt es über das Heck wieder aus. So entsteht ein Vorwärtssog, und der Jet-Ski fährt nach vorne. Im Detail:

  • Durch ein Ansauggitter an der Unterseite des Bootes wird Wasser angesaugt.
  • Die Leistung wird von einem Benzinmotor geliefert, der durch elektrische Zündung betrieben wird.
  • Der Motor treibt die Wasserpumpe und den Impeller an.
  • Die Geschwindigkeit im Wasser entsteht, indem Wasser durch eine lenkbare Düse austritt, die kleiner ist als der Wassereinlass nahe der Rückseite des Jet-Skis.
  • Ein kleiner Teil des angesaugten Wassers wird zum Kühlen des Motors verwendet, damit er nicht überhitzt.
  • Der Lenker mit Drehschaltung ist mit einem Kabel verbunden, das die Austrittsdüse und damit den Wasserstrahl bewegt, wodurch sich das Wasserfahrzeug entsprechend dreht.
  • Viele Wasserfahrzeuge haben keine Bremse; zum Bremsen werden also weniger Gas gegeben oder auch der Rückwärtsgang eingelegt.
  • In Deutschland gibt es die Pflicht zum Quick-Stop: Ein Band, das am Handgelenk befestigt ist, stoppt bei Stürzen den Motor.

Wo Jet-Ski gefahren werden darf

Jet-Skiing in Deutschland unterliegt zum Schutz von Schifffahrt, Natur und Badegästen einigen Auflagen. Generell ist das Fahren auf Fahrwasser – also Schifffahrtswegen – untersagt. Aus Naturschutzgründen ist Jet-Skiing auf einzelnen Seen auch komplett untersagt, zum Beispiel auf dem Bodensee. Um sicherzugehen, sollte man daher nur auf ausgewiesenen Strecken fahren, wo auch das typische Jet-Ski-Figurenfahren gestattet ist.

Allgemeine Regeln in Deutschland:

  • Es ist erforderlich, eine Lizenz zu erwerben, um fahren zu dürfen.
  • Die Jet-Skis haben allen anderen Fahrzeugen auszuweichen.
  • Untereinander verhalten sie sich wie in den internationalen Regeln zur Kollisionsverhütung (KVR) beschrieben.
  • Nachts und bei einer Sicht von weniger als 1.000 m ist das Fahren verboten.
  • In der Nähe von Badestellen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 4,3 kn.
  • Es darf nur zwischen Sonnenauf- und -untergang gefahren werden und dann auch nur zwischen 7:00 Uhr und 20:00 Uhr.
  • Ein Jet-Ski darf nur in Betrieb unter folgender Voraussetzung genommen werden: Eine Reißleine ist vorhanden, ein amtliches Kennzeichen ist angebracht, der Fahrer besitzt einen „Sportbootsführerschein See und Binnen“ und fährt auf den durch blaue Tafeln markierten Strecken.

Geregelt sind die Vorgaben in der Wassermotorräder-Verordnung.

Quellen:

de.frwiki.wiki, outdoorcentral.de, www.seen.de

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal konstruktionspraxis erschienen.

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