Erfüllung, Entfaltung und Lebensgrundlage auf der einen Seite – Überforderung, Burnout und Workaholismus auf der anderen: ein schmaler Grat. Aber woran erkennt man Workaholismus? Hier finden Sie Tipps, um Arbeitssucht vorzubeugen.
Arbeiten, um zu leben, oder leben, um zu arbeiten? Woran Sie Workaholism erkennen und was Sie dagegen tun können.
Die Bedeutung von Arbeit hat im persönlichen Wertesystem jedes Individuums unterschiedliche Gewichtung: So arbeiten die einen, um zu leben, also den Lebensunterhalt zu finanzieren. Andere wiederum leben, um zu arbeiten. Das ist alles per se weder gut noch schlecht und auch nicht in jedem Fall selbstbestimmt gewählt. Für jeden Menschen hat Arbeit daher eine andere Sinnhaftigkeit.
Arbeit ist etwas Gutes, viel arbeiten ist in unserer Gesellschaft ebenfalls und größtenteils positiv besetzt. Nicht zwingend geht das mit Überforderung oder sogar einem möglichen Burnout einher. Wer oft und viel tätig ist, kann das durchaus lustvoll tun und erfährt dadurch Erfüllung. Selbst wenn die Gefahr von Workaholismus bei denen lauert, die überdurchschnittlich viel tun, ist dieser Begriff eher positiv konnotiert. Erst die Steigerung dessen führt zur eigentlichen Arbeitssucht und die Grenze zu einer Erkrankung rückt näher.
Workaholics sind Menschen, die typisches Suchtverhalten zeigen, also immer mehr von einer Sache brauchen, um über den Tag zu kommen. So sind sie in der damit verbundenen Dauerschleife gefangen: Ihr gesamtes Selbstwertgefühl fußt auf ihrer Arbeit; daher sind sie nicht mehr in der Lage, sich von ihr abzugrenzen, arbeiten zwanghaft und leben einen ausgeprägten Perfektionismus.
Im Jahr 2020 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre rund 20,65 Millionen Personen, die sich selbst zu den Workaholics zählen würden, wie aus der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse 2020 hervorgeht.
(Bild: Statista)
Wo und warum lauert Arbeitssucht?
Die Menschen in der modernen Gesellschaft arbeiten viel mehr als die Generationen davor in früheren Jahrhunderten. Mit der Aufklärung kam ein modernes Versprechen auf, das sich über die industrielle hin zur digitalen Revolution bis zur Globalisierung erstreckte: Die Menschen werden von der Arbeit befreit. Bis heute ist es eine Zusicherung geblieben. Tatsächlich wurden zwischenzeitlich grobe, manuelle oder repetitive Arbeiten an Maschinen oder in die IT-Welt ausgelagert. Erstaunlich allerdings bleibt, dass sich der Mensch – kaum hat er sich der körperlich schweren Arbeit entledigt – die Unfreiheit mit Arbeitssucht wieder zurückholt.
Workaholismus ist das exzessive Bedürfnis nach Arbeit und endet häufig in Burnout.
Arbeitssucht ist eine Form von Abhängigkeit. Man kann nicht mehr ohne Arbeit sein und entwickelt ein hohes Verlangen nach der Tätigkeit und der entsprechenden Anerkennung dadurch. Leistungssucht ist ein Teil dessen, man will sich selbst etwas beweisen. Workaholismus wird als ein exzessives Bedürfnis nach Arbeit beschrieben. In diesem Zustand verlieren wichtige, andere Lebensbereiche an Bedeutung. So brechen allmählich soziale Kontakte ab und der Zwang, sich über die Arbeit zu definieren, steigt weiter. Die Spirale setzt sich in Gang und wie bei jeder Sucht muss zur Befriedigung die Dosis ständig erhöht werden. Das kann schlussendlich in Krankheiten münden. Wer permanent mehr als 50 Stunden pro Woche arbeitet, kommt dem Workholismus bereits sehr nahe.
Ursachen der Arbeitssucht
Die Ursachen für Arbeitssucht sind oft in übertriebenem Engagement zu finden. Häufig betroffen sind vor allem Führungskräfte und Selbstständige, die sich derart ins Zeug leben und anhand von Erfolgen und Ergebnissen, Zuspruch und weiteren Aufträgen oder Projekten eine hohe Befriedigung erleben. Bleibt das eine vorübergehende Phasen und findet man einen entsprechenden Ausgleich, ist das durchaus positiv zu sehen.
Zeitweises überduchschnittlich hohes Engagement im Beruf ist nicht per se negativ.
Risikoreich wird es allerdings dann, wenn dieses hohe Engagement eng mit dem persönlichen Wertesystem und der Manifestation des Selbstwertgefühls verknüpft ist. Wer seinen eigenen Wert an die Arbeitsleistung koppelt, ist schneller von Arbeitssucht betroffen. Aus dem Zwang, alles perfekt machen zu wollen, um sich selbst und anderen gegenüber wertvoll zu erscheinen, geht die Fähigkeit verloren, Wesentliches vom Unwesentlichen zu trennen. Um überhaupt noch alles zu erledigen, gibt es Sonderschichten in der Nacht und Mehrarbeit am Wochenende.
Dass jemand überhaupt zu so einer Form der Sucht neigt, erklären Therapeuten anhand von Erziehung, Vererbung, der persönlichen Lebensgeschichte und der sozialen Umstände; auch Einflüsse der Gesellschaft spielen eine Rolle.
Die Symptome der Arbeitssucht
Doch anhand welcher Symptome kann man Arbeitssucht erkennen?
Sie denken immer mehr, auch außerhalb der Arbeitszeit, an Ihre Arbeit.
Sie überlegen sich, wo Sie noch mehr Zeit für Ihre Arbeit beschaffen können und opfern dafür Freizeit, Hobby und soziale Kontakte.
Sie entwickeln einen hohen Grad an Perfektionismus und verlieren die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen.
Sie spüren, dass Sie im Grunde zu viel arbeiten.
Sie machen eine saubere Planung und stellen fest, dass Sie immer mehr Zeit mit Arbeiten verbringen, als Sie es sich vorgenommen haben.
Aus Zeitgründen schieben Sie übergeordnete Aufgaben vor sich her, was Sie noch mehr unter Druck setzt.
Sie vergessen Termine und können sich das nicht erklären.
Sie ärgern sich über Ihre Umstände und erfahren Schuldgefühle oder erste Anzeichen von Depression.
Sie entwickeln körperliche Entzugssymptome, wenn Sie sich nicht der Arbeit widmen können (WLAN-freie Zonen, Krankheit, Urlaub mit der Familie und so weiter).
Sie haben Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen und erhöhen das Arbeitspensum, um allem und allen gerecht zu werden.
Sie verfolgen verbissen Ziele oder Pläne, die Sie um jeden Preis durchsetzen wollen.
Arbeitssucht vorbeugen
Wenn Sie erkennen wollen, ob Sie gefährdet sind, dann braucht es im ersten Schritt Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Zeigen sich regelmäßig erste Symptome? Es ist ein Unterschied, ob Sie in einem Projekt vier Wochen fast rund um die Uhr arbeiten oder ob Sie über einen Zeitraum von mehreren Monaten oder Jahren die entsprechenden Verhaltensweisen an den Tag legen.
Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems waren im Jahr 2019 für rund 21,2 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) aller DAK-Versicherten verantwortlich und damit der Hauptgrund für Arbeitsunfähigkeit in diesem Jahr. Mit 17,1 Prozent des Arbeitsunfähigkeitsvolumens belegten psychischen Erkrankungen den zweiten Platz, die in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen haben (Quelle: DAK-Gesundheitsreport 2020).
(Bild: Statista)
Tipp: Beginnen Sie mir einer verbindlichen Arbeitsplanung für sich selbst:
Weihen Sie Freunde und Familie ein und erlauben Sie, explizit darauf angesprochen zu werden, wenn Sie zu viel arbeiten.
Seien Sie sehr rigide mit Freizeitterminen, also nehmen Sie den Fußballabend mit Ihren Freunden und die Geburtstagsfeier Ihres Kindes genauso pflichtbewusst wahr wie Ihre Geschäftstermine.
Schalten Sie mobile Geräte am Abend aus und schaffen Sie sich Zeitinseln, in denen Sie nicht arbeiten.
Lernen Sie, Vertrauen zu anderen zu haben – das schafft die Möglichkeit, zu delegieren.
Lernen Sie, Ihr Selbstwertgefühl nicht ausschließlich von der Arbeit abhängig zu machen.
*Der Autor: Stefan Häseli ist Kommunikationstrainer, Keynote-Speaker, Moderator und Autor mehrerer Bücher. Er betreibt ein Trainingsunternehmen in der Schweiz.
Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal Konstruktionspraxis.
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Stand: 08.12.2025
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