Die CSRD-Berichtspflicht kommt mit großen Schritten auf die Wirtschaft zu, doch sind 88 Prozent der europäischen Unternehmen laut eigener Einschätzung noch nicht in der Lage, die Vorgaben zu erfüllen. Um die Richtlinie erfolgreich umzusetzen, sollten die Verantwortlichen die Vorbereitungen in vier Bereichen priorisieren.
Nachhaltigkeit ist aus ökologischer Sicht unumgänglich – und wird sukzessive für Unternehmen verpflichtend.
Es ist nun fast ein Jahr her, dass die Richtlinie der Europäischen Union über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen („Corporate Sustainability Reporting Directive“, CSRD) in Kraft getreten ist. Vor kurzem traten die begleitenden europäischen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung in Kraft, die zunächst alle in der EU tätigen Großunternehmen zu erweiterten Nachhaltigkeitsangaben verpflichten. Die Standards wurden laut EU so entworfen, dass Unternehmen nur verpflichtet sind, über Themen zu berichten, die für sie relevant sind. Die erste Unternehmenskategorie wird jedoch bereits für das Geschäftsjahr 2024 den ersten CSRD-Bericht vorlegen müssen.
Das betrifft Firmen, die bereits heute nach EU-Recht verpflichtet sind, in ihren Berichten Angaben zu nicht-finanziellen Informationen zu machen. Dies sind Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Mitarbeitenden. Die Berichtspflicht wird dann in den kommenden Jahren sukzessive ausgeweitet und immer mehr Unternehmen betreffen. Ab dem Jahr 2027 werden dann zum Beispiel auch börsennotierte KMU (außer Kleinstunternehmen) über das Geschäftsjahr 2026 nach CSRD-Vorgaben Bericht erstatten müssen – es sei denn, sie können noch Aufschubmöglichkeiten bis 2028 geltend machen. Und selbst dann könnten sie indirekt betroffen sein, beispielsweise wenn sie als Zulieferer CSRD-relevante Daten an ihre Kunden übermitteln müssen. Die CSRD-Berichtspflicht kommt also mit großen Schritten auf die Wirtschaft zu. Dabei wird gerade immer deutlicher, dass dies viele Unternehmen immer noch vor große Herausforderungen stellt.
Studie zeigt zwei große Herausforderungen
Eine große Anzahl Unternehmen kämpft noch mit der vorgeschriebenen Detailgenauigkeit der Berichte. Eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Baker Tilly kommt zu dem Ergebnis, dass 88 Prozent der europäischen Unternehmen sich noch nicht bereit fühlen, die Vorgaben der CSRD-Richtlinie zu erfüllen. 57 Prozent glauben, dass sie nur wenig oder gar nichts über die neuen ESG-Berichtspflichten wissen, die sich aus der CSRD ergeben. Und das, obwohl die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) hierfür Richtlinien entwickelt hat, die betroffenen Unternehmen als Orientierung dienen können. Viele Unternehmen fragen sich, was sie jetzt noch tun können, bevor es zu spät ist.
Die erste große Herausforderung liegt im breiten Anwendungsbereich der Richtlinie. Die CSRD erweitert die Berichterstattungspflichten der Unternehmen über ihre eigene Geschäftstätigkeit hinaus. Sie müssen künftig die Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer gesamten Wertschöpfungskette offenlegen. Das heißt, sie sind verpflichtet, auch Informationen von Lieferanten, Händlern und Kunden miteinzubeziehen.
Um diese Anforderungen zu erfüllen, müssen die Unternehmen große Datenmengen von ihren Partnern in der Lieferkette sammeln und konsolidieren. Das ist eine erste große Hürde für diejenigen, die nur wenig Einblick in die ökologischen und sozialen Praktiken innerhalb ihrer Wertschöpfungskette haben. Dies könnte zu Folge haben, dass viele Unternehmen ihre Lieferketten völlig neu überdenken müssen – das führt verständlicherweise zu einiger Unruhe bei den Betroffenen.
Eine zweite Komplikation ergibt sich aus der Vorgabe, dass einige der geforderten Berichtsdaten – wie zum Beispiel formulierte Nachhaltigkeitsziele – auf schlüssigen Nachweisen beruhen müssen. Diese Forderung nach belegbaren Zielvorgaben macht zukunftsgerichtete Aussagen in den geforderten Berichten besonders schwierig. Sie wird viele Unternehmen dazu zwingen, in komplexe neue Lösungen zu investieren, einschließlich der Modellierung von Szenarien und der Analytik.
Welche Fähigkeiten und Tools brauchen Unternehmen?
Um diese komplexen Anforderungen an die Berichterstattung zu erfüllen und die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, sind einschlägige ESG- und Nachhaltigkeitskompetenzen erforderlich. Ebenso benötigen Unternehmen die Fähigkeit, komplexe Daten aus ihrer Lieferkette zu verwalten und korrekt zu interpretieren. Angesichts des engen zur Verfügung stehenden Zeitrahmens bleibt oft keine Zeit, um neue Fachleute hierfür einzustellen. Stattdessen müssen die Unternehmen möglicherweise externe Berater zur Unterstützung hinzuziehen. Eine weitere Option ist, dass sie Möglichkeiten nutzen, über die sie bereits verfügen. Hierbei gilt es, die bestehenden Kompetenzen mit den Anforderungen abzugleichen und gegebenenfalls gezielt weiterzuentwickeln.
Zusätzlich zu den fachlichen Fähigkeiten benötigen die Unternehmen natürlich auch die richtigen Tools und Technologien. Erst diese ermöglichen es ihnen, komplexe Daten zu erfassen und zu verarbeiten, Fortschritte zu überwachen und über eine breite Palette kurz-, mittel- und langfristiger Ziele zu berichten. Um die CSRD und die Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung einzuhalten, müssen die Unternehmen auch sicherstellen, dass alle Angaben zu ESG-Kennzahlen und Nachhaltigkeitsleistungen vollständig überprüfbar sind.
Stand: 08.12.2025
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Eine der Lösungen, die Unternehmen dabei helfen können, ist die IBM Envizi ESG Suite. Sie wurde speziell entwickelt, um Unternehmen bei der Erfassung, Verwaltung und Analyse großer Mengen von ESG-Daten zu unterstützen und ihnen ihre Berichts- und Offenlegungspflichten zu vereinfachen. IBM Envizi bietet die erforderliche Funktionalität zur Unterstützung der CSRD-Berichterstattung und enthält bereits die in die Plattform integrierten Fragen bezüglich des „European Sustainability Reporting Standards“ (ESRS).
Ein letzter, grundlegender Anlass zur Verunsicherung betrifft die Folgen der Nichteinhaltung – und zwar nicht nur auf einer, sondern auf zwei Ebenen. Was genau riskiert ein Unternehmen, wenn es die neuen Berichtserstattungspflichten nicht erfüllt? Die Richtlinie besagt, dass die Sanktionen für die Nichteinhaltung der CSRD von den einzelnen EU-Mitgliedstaaten auf der Grundlage der jeweiligen nationalen Gesetze festgelegt werden. Was passiert also mit den Unternehmen, wenn sie ihre Nachhaltigkeitsziele nicht erreichen und es ihnen nicht gelingt, die Vorgaben der CSRD umzusetzen? Die Strafen werden von Land zu Land und von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sein und stellen einen weiteren Unsicherheitsfaktor bei der Umsetzung der Richtlinie dar.
Vier entscheidende Bereiche
Angesichts dieser Fragen und Herausforderungen sollten Nachhaltigkeitsverantwortliche, ESG-Führungskräfte und die Vorstandsebene die Vorbereitungen auf CSRD in vier entscheidenden Bereichen priorisieren:
1. Kenntnisse und Entscheidungsfindung: Unternehmen sollten nicht nur intern neue Kompetenzen und Praktiken im Bereich der Nachhaltigkeit aufbauen, sie sollten auch ihre Wirtschaftsprüfungsgesellschaften hinterfragen. Auch diese müssen über das nötige Fachwissen verfügen, um die Nachhaltigkeitsberichterstattung auf dem geforderten Niveau zu bewerten.
2. Daten aus dem eigenen Partner-Ökosystem: Unternehmen sollten ihren Partnern und Zulieferern Leitlinien zur Verfügung stellen und sie auffordern, die erforderliche Berichtsinfrastruktur vorzubereiten. So können sie die relevanten ESG-Daten aus dem gesamten eigenen Unternehmen und aus dem Ökosystem der Partner besser beschaffen und verwalten.
3. Digitale Technologie: CSRD erfordert eine Vielzahl an Daten. Unternehmen sollten bereits eng mit den IT-Abteilungen zusammenarbeiten, um Lücken in Datenerhebung und -management zu identifizieren. Außerdem sollten sie in eine spezialisierte Unternehmensarchitektur für ESG investieren und IT-Lösungen bereitstellen, die belastbare ESG-Daten für die Berichterstattung und Offenlegung liefern.
4. Prozess und Geschäftsintegration: Das Einhalten der CSRD erfordert ein übergreifendes Team, das den Berichterstattungsprozess beaufsichtigt und verwaltet. Dieses Team sollten Personen mit Fachwissen in den Bereichen Nachhaltigkeitsberichterstattung, Datenmanagement, IT, Recht, Finanz und Kommunikation sowie ESG bilden. Das wird dazu beitragen, einen reibungslosen Start in die CSRD-Berichterstattung zu gewährleisten und ESG-Metriken an allen relevanten Stellen zu verankern.
Wie groß die Herausforderungen wirklich sind, zeigt eine weitere globale Umfrage von Verdantix zum Thema Nachhaltigkeit. Diese ergab im Jahr 2023, dass 38 Prozent der 400 befragten Verantwortlichen für Nachhaltigkeitsbelange kein Vertrauen in ihre Fähigkeit haben, ESG-Daten in der für Investoren und Finanzmärkte nötigen Qualität zu liefern. Die Umfrage zeigte auch, dass die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden von Unternehmen als eine der größten Herausforderungen dabei angesehen wird, diese Daten zur Gänze in der geforderten Qualität bereitzustellen.
Oliver Gahr, Principal Evangelist – Sustainability, IBM Technology EMEA.
(Bild: IBM)
Die CSRD-Vorschriften könnten einen Präzedenzfall für die weltweite Nachhaltigkeitsberichterstattung darstellen, wie es schon bei anderen EU-Richtlinien der Fall gewesen ist. Nach Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) 2018 haben beispielsweise Staaten weltweit ihre Datenschutzgesetzgebung angepasst. Die DSGVO hatte hier eine klare Vorbildfunktion. Daher ist es unerlässlich, dass sich die für Nachhaltigkeitsfragen verantwortlichen Führungskräfte mit diesen vier entscheidenden Bereichen befassen. Angesichts der bevorstehenden Frist für den Beginn der CSRD-Berichterstattung war Klarheit in diesen Fragen noch nie so wichtig wie heute.
* Der Autor: Oliver Gahr, Principal Evangelist – Sustainability, IBM Technology EMEA
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