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Arbeiten frei von Klischees? Wie Unternehmen weibliche IT-Fachkräfte finden

Ein Gastbeitrag von Robert Gäpel

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Quer durch alle Branchen dauert es manchmal Monate, bis IT-Stellen besetzt werden – häufig von Männern. Frauen sind in der Internetwirtschaft nach wie vor in der Unterzahl. Unternehmen können hier aber aktiv gegensteuern.

Nach wie vor sind Frauen in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Natur- & Ingenieurwissenschaften sowie Technik) stark unterrepräsentiert. Doch Unternehmen können und müssen hier aktiv gegensteuern, sagt Robert Gäpel vom IT-Personaldienstleister Aitiva.(Bild:  AITIVA GmbH)
Nach wie vor sind Frauen in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Natur- & Ingenieurwissenschaften sowie Technik) stark unterrepräsentiert. Doch Unternehmen können und müssen hier aktiv gegensteuern, sagt Robert Gäpel vom IT-Personaldienstleister Aitiva.
(Bild: AITIVA GmbH)

Bedarf kennt eigentlich keine Geschlechtergrenzen. Trotzdem sind sie in kaum einem Bereich so deutlich wie in der IT. Untersuchungen, Studien und Umfragen kommen regelmäßig zu dem Schluss, dass weibliche Talente „unterrepräsentiert“ sind. Kein Wunder: Seit Jahren stagniert der Frauenanteil im Digitalsektor bei rund 20 Prozent.

Entsprechend gilt die Branche landläufig noch immer als klassische Männerdomäne. Dabei sind sich Bundesregierung und Arbeitgeber einig: Hier muss sich dringend etwas ändern. Schließlich fördern gemischte Teams bekannterweise nicht nur die Innovationskraft, sondern auch Qualität und Leistung. Und weil Betriebe landauf, landab händeringend nach passenden Fachkräften suchen, sollen weibliche Potenziale jetzt unbedingt verstärkt genutzt werden. Warum nicht einfach ausgetretene Pfade verlassen und vor allem in Sachen Recruiting eine neue Richtung einschlagen?

Über Ursachen und ihre Wirkung

Ohne das Verarbeiten, Übertragen und Speichern von Daten kommt heute keine Branche mehr aus – eine Tatsache, die von der Pandemie noch einmal nachdrücklich verdeutlicht wurde. Dabei besteht aktuell in der Entwicklung und Wartung von IT-Systemen für alle Anwendungsbereiche der größte Bedarf an frischen Talenten. Entsprechend gut sind die Chancen für geeignete Bewerber, Karriere zu machen, nicht zuletzt, weil es trotz Technikfokus immer wieder auch Überschneidungen mit anderen Aufgabenfeldern von Sales bis Kundenbetreuung gibt.

Warum können sich also nicht mehr Frauen für Jobs mit Schwerpunkt „Informationstechnologien“ begeistern? Reihenweise Erhebungen zeigen, wie komplex die Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung sind. Vor allem Faktoren wie Erziehung und Schulbildung spielen eine entscheidende Rolle. Obwohl sich Mädchen und Jungen im Kindesalter gleich stark für Technologien interessieren, ändern sich in der Pubertät die Verhältnisse. Nach dem 16. Lebensjahr sinkt bei Schülerinnen das Engagement in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik rapide.

Zentrale Faktoren für diesen Interessenverlust bilden soziale Selbstbilder und abgedroschene Nerd-Assoziationen von Programmieren, Hacken, Pizza und Jutebeuteln. Daneben führen Experten immer wieder auch die maschinennahe Natur des Berufes, den Mangel an Praxiserfahrung, fehlende weibliche Vorbilder und die Unkenntnis über Anwendungsgebiete als Ursachen für den Mangel an ITlerinnen auf. Außerdem kämpfen die Nachkommen von IT-Pionierinnen wie Grace Hopper, Katherine G. Johnson & Co. weiterhin mit Sichtbarkeitsproblemen. In der öffentlichen Wahrnehmung werden Frauen technischen Berufen seltener zugeordnet, wodurch ihnen in der Folge Tätigkeiten in der männlich konnotierten Internetwirtschaft weniger zugetraut werden. Dabei galt beispielsweise Programmieren bis in die 1980er-Jahre als echte Frauendomäne.

Erfolg durch radikales Umdenken?

In vielen Unternehmen ist die Erkenntnis herangereift, dass Digitalisierung Diversität braucht. Wie Bewegung in die Frauenfrage kommt, ist damit jedoch noch nicht geklärt. Um gezielt weibliche Talente anzusprechen, bemüht sich die Branche seit einiger Zeit, die historisch geprägte Zuweisung als männliche Arbeitsdomäne abzuschütteln. Verschiedene Initiativen, Aktivitäten und Programme, die traditionelle geschlechterspezifische Stereotypen bei der Berufswahl abbauen wollen, nehmen jedoch nur langsam Fahrt auf.

Zwar hat sich in Sachen Aufklärung einiges getan, aber selbst mit einer abgeschlossenen Lehre oder nach einem fertigen Studium erkennt kaum jemand das eigene Potenzial und die vielfältigen Karrierepfade in der IT. Entsprechend wichtig ist es, Mädchen nicht nur so früh wie möglich an digitale Technik heranzuführen, sondern ihnen auch aktiv Karrierewege aufzuzeigen. IT-Job ist schließlich nicht gleich IT-Job – insbesondere, da viele Betätigungsfelder wie Machine Learning Engineer oder Cloud Architect aktuell noch in den Kinderschuhen stecken.

Zudem sind Unternehmen gefragt, sich im war for talents richtig zu positionieren und attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen. Gesunde Führung, eine moderne Organisationskultur und flexible Arbeitsstrukturen gehören ebenso dazu wie Aufstiegs- und Weiterbildungschancen. Insbesondere Letzteres erlaubt es Betrieben dann etwa auch, das Potenzial von Quereinsteigerinnen anzuzapfen.

In einem Bereich wie der IT, wo immer wieder neue Berufsbilder entstehen, können spezielle Trainings, Talent-Programme oder Coachings helfen, neue Mitarbeiterinnen zu rekrutieren. In vielen Fällen erlauben bereits erlernte Fähigkeiten weitaus mehr, als auf einem formalen Stück Papier geschrieben steht. So folgt auf eine abgeschlossene Ausbildung zur Fachinformatikerin längst nicht mehr eine lebenslange Tätigkeit als solche.

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Neben verschiedenen Spezialisierungen können mithilfe des vorhandenen Know-hows beispielsweise auch Aufgaben im Vertrieb übernommen werden. Daneben sollten Unternehmen auch ihre Personalpolitik und Recruiting-Strategien überdenken. Wer den so genannten Thomas-Kreislauf durchbrechen und weibliche Talente gewinnen möchte, muss sich bewusst sein, dass potenzielle Kandidatinnen bei der Jobwahl teilweise auf andere Kriterien achten als ihre männlichen Mitbewerber. Entsprechend gilt es, bekannte Pfade zu verlassen. Das beginnt bereits bei der Formulierung von Stellenausschreibungen, führt über die Notwenigkeit von authentischen Bildern bis hin zu Bewerbungsgesprächen.

Robert Gäpel.(Bild:  AITIVA GmbH)
Robert Gäpel.
(Bild: AITIVA GmbH)

Wer hier inhouse keine passenden Experten hat, findet Hilfe bei entsprechenden Personaldienstleistern. Sie stehen als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung, die sich nicht nur mit der Frauenfrage auskennen und das gesamte IT-Tätigkeitsfeld überblicken, sondern im Idealfall auch passende Bewerberinnen in der Hinterhand haben.

Über den Autor

Robert Gäpel ist Geschäftsführer der Aitiva GmbH, ein Personaldienstleister für IT-Fachkräfte. Dabei unterstützt er nicht nur Unternehmen beim Recruiting, sondern auch potenzielle Kandidaten bei der Suche nach ihrem Traumjob.

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