Mobile-Menu

Job-Scheduling ohne Agenten BMC setzt einen alten Hut auf

Redakteur: Ulrike Ostler

Die Scheduling-Lösung von BMC „Control-M“ kommt nun ohne Agenten aus. Es soll nach Herstellerangaben die erste dieser Art sein und Systeme in die Überwachung und Auswertung per Konsole einbinden können, die bislang als uneinsehbar galten. Doch scheint der vom Hersteller als gravierend eingestufte Vorteil geringer auszufallen als zu erwarten.

Anbieter zum Thema

Die Wahl eines Job-Scheduling-Produkts entscheidet zunächst einmal über die Architektur. Diese wirkt sich unmittelbar auf den Arbeitsaufwand für die Administratoren und damit auf die Kosten für Implementierung und Betrieb aus.

Immerhin beträgt der Anteil an IT-Prozessen im Batch-Verfahren nach Schätzungen des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Gartner Group 60 bis 70 Prozent, soweit größere Unternehmen betroffen sind. In den kommenden zwei Jahren soll der Anteil auf über 80 Prozent steigen. Schließlich ist Batch-Processing und damit das Job-Scheduling längst keine Aufgabe mehr, die sich ausschließlich auf Mainframes abspielt.

Der BMC-Konkurrent UC4 Software weist zum Beispiel darauf hin, dass datenbankzentrierte Architekturen wie „Cronacle“ von Redwood Software unter Umständen auch eine große Anzahl von Datenbank-Lizenzen erfordern. Auch der Betrieb gestalte sich oft aufwändig, insbesondere wenn mehrere Datenbanken oder gar Textdateien benutzt würden, die täglich zu sichern seien. „Der Betriebsaufwand steigt exponentiell mit der Systemgröße“, sagt Markus Miklas vom Produkt-Marketing der UC4 Software GmbH.

Hierarchie und Demokratie

Das Konkurrenzsystem von BMC Software „Control –M“ siedelt Mitbewerber UC4 in der Kategorie „hierarchisch“ an. Bei dieser Architektur verwaltet jeder Server seinen eigenen Abschnitt, meistens Domain genannt. Die Scheduling-Daten und die Abhängigkeiten der Jobs werden in der jeweiligen Hierarchie durchgereicht.

Wird der Vorgang gestört, müssen unter Umständen Job-Informationen die Hierarchie zweimal durchlaufen. Das kostet unnötigerweise Rechen- und Netzwerkressourcen.

Somit tauge die Architektur insbesondere für einen statischen Scheduling-Betrieb. Ein einmal pro Tag erstellter Tagesplan wird an alle involvierten Domain-Controller versandt. Bei dieser so genannten „New Day Procedure“, die vielleicht einige Minuten aber manchmal auch Stunden dauert, steht jedoch das gesamte Scheduling-System und damit Großteile des Rechenzentrums. Änderungen des regulären Betriebs können oftmals nur über behelfsmäßige Eingriffe erfolgen.

Zudem zeigten die auf dem Markt verfügbaren hierarchischen Scheduling-Lösungen noch einen weiteren Schwachpunkt, erläutert der Architekturvergleich von UC4. Die Job Control Language (JCL) werde auf den Zielsystemen in Textdateien gespeichert.

Das bringe nicht nur einen hohen Aufwand für die Verwaltung der zahlreichen dezentralen Dateien mit sich, sondern stelle auch ein enormes Sicherheitsrisiko dar. Denn die JCL befinde sich nicht unter der vollen Kontrolle des Job-Scheduler, sondern sei gleichmäßig über das gesamte Unternehmen verteilt. Das erschwere sowohl eine zentrale Dokumentation der implementierten Prozesse als auch die Daten-Sicherung.

Doch auch die verteilte Architektur wie sie „Universe“ von Orsyp zugrunde liegt, weist laut UC4-Papier Schwächen auf. Zum Beispiel erzeuge der Zwang zur ständigen Synchronisation, der sich durch das Management von Abhängigkeiten ergibt, hohe Netzbelastungen. Um nur 50 Rechner zu steuern sind 1225 Verbindungen notwendig. Ein weiteres Problem stellt sich die Datensicherung dar, wenn hundert und mehr Systeme gleichzeitig den Datenbestand verändern und replizieren müssen.

Der Anbieter UC4 zeichnet sein eigenes System „UC4 Global“ mit der Charakteristik einer zentralen Architektur aus: Es gibt eine zentrale Steuerung und Datenspeicherung. Allerdings ist die Sicherung von der relationalen Datenhaltung getrennt, so dass das Datenhaltungssystem wählbar bleibt.

Die größte Schwäche zentraler Organisation ist nach Aussagen des Anbieters die Kehrseite der größten Stärke. Alles läuft über das zentrale System. Fällt es aus, läuft im Rechenzentrum nichts mehr. Dem muss ein Hersteller zentraler Systeme entgegenwirken, etwa durch die Erhöhung der Ausfallsicherheit.

Agenten verschonen die Ressourcen

Fast alle Architekturen haben bisher jedoch auf Software-Agenten gesetzt. Der Einsatz von kleinen, autonomen Programmen auf den Zielsystemen soll eine Ressourcen-schonende Steuerung und Überwachung in verteilten Umgebungen ermöglichen. Nach Angaben von BMC Software kommt Control-M nun ohne Agenten aus und kann dennoch einen konsolidierten Überblick über alle Job-Stati geben und sogar vorausschauende Analysen ermöglichen. Die Auswertung von Geschäftsdaten und –prozessen sei sowohl im Batch-Verfahren als auch in Echtzeit möglich.

Wie Ron Treedy erläutert, vereinfacht der Wegfall von Agenten, die Scheduling-Aufgaben erheblich. „500 verschiedene Server erfordern 500 Agenten“, erinnert der Produkt-Manager bei BMC. „Denken Sie nur daran welchen Aufwand es bedeutet, Security-Patches einzuspielen und das Scheduling daraufhin anzupassen!“. Zudem seien nun auch Rechner in das Scheduling einzubinden, für die es bisher keine Agenten gab, oder die das Anwenderunternehmen für Agentensoftware gesperrt hatte,

Zudem entfalle die jeweilige Autorisierung mit Hilfe von Administrator-Passwörtern. Die agentenlose Control-M-Version setzt auf den Protokollen Secure Shell (SSH) und Windows Management Instrumentation (WMI) auf. Damit reiche es nun, sich mit dem User-Namen und einem Passwort auf den Zielsystem anzumelden, beschreibt Treedy die Vorteile.

SSH taugt nicht

Doch für Miklas vom Konkurrenten UC4 ist das kein zureichender Vorteil. „Heute kann SSH nicht mehr als sicher gelten.“ Im Übrigen sei die SSH-Unterstützung keinesfalls eine umwälzende Neuerung für Scheduling-Software. „Jede Scheduling-Lösung erlaubt die Eingabe eines SSH-Befehls in der Kommandozeile.“ Dass etwa Unix-Betriebssysteme diese Funktion bei Auslieferung deaktiviert hätten, sei zudem zu beachten. Die Administratoren müssten das Sicherheitsfeature erst wieder einrichten.

Darüber hinaus tauge die agentenlose Software ohnehin nur für Systeme mit nur einer geringen Anzahl an Jobs, etwa 250 schätzt Miklas. Auch BMC-Manager Treedy räumt ein, dass Agenten von Vorteil sind, wenn ein Server eine hohe Last erzeugt.

Schließlich, sagt Miklas, komme das BMC-Produkt nach wie vor nicht gänzlich ohne Agenten aus. Wesentliche Funktionen basierten nach wie vor darauf.

Es bleibt festzuhalten, dass BMC-Kunden das agentenlose Control-M, das seit Ende August 2006 auf dem Markt ist, im Rahmen ihrer Wartungsverträge bekommen.

(ID:2000066)