Viele Unternehmen überdenken ihre bisherigen Strategien und disaggregieren die Bestandteile ihrer IT-Infrastruktur. Statt auf eng vorab integrierte Plattformen setzen sie auf IT-Infrastrukturen aus voneinander unabhängigen Komponenten, die sie selbst integrieren. Damit machen sie sich unabhängiger von einzelnen Herstellern und gewinnen an Agilität.
Zurück in die Zukunft? Gibt es, nachdem Analysten und Hersteller jahrelang die Vorteile hochintegrierter Software und Hardware als hyperkonvergente Inftrastrukturen herausgestellt haben, nun eine Renaissance des Dreiklangs Compute, Storage und Netzwerk?
Im vergangenen Jahrzehnt setzten Unternehmen bevorzugt auf eng vorab integrierte IT-Systeme wie hyperkonvergente Infrastrukturen. Indem solche Systeme die verschiedenen Komponenten einer IT-Infrastruktur wie Rechen-, Speicher-, Netzwerkressourcen und Software eng miteinander verzahnen, ermöglichen sie einen hocheffizienten IT-Betrieb.
Dennoch überdenken viele Unternehmen inzwischen ihre Strategien und disaggregieren ihre IT. Sie bauen Infrastrukturen aus Komponenten auf, die sie unabhängig voneinander auswählen und frei miteinander kombinieren.
Für diese Entwicklung gibt es zahlreiche Gründe:
Die weltweiten Krisen führen immer wieder zu Störungen in den Lieferketten. Wenn Unternehmen bei ihrer IT-Infrastruktur auf geschlossene Ökosysteme setzen, ist die Zahl der möglichen Lieferanten sehr limitiert. Ausfälle können daher nicht ohne weiteres kompensiert werden, und deshalb versuchen viele Unternehmen, auch ihre IT-Lieferketten zu diversifizieren.
Durch den Einsatz geschlossener Ökosysteme droht Unternehmen der gefürchtete Lock-in-Effekt. Mangels Alternativen geraten sie in große Abhängigkeiten von den Herstellern und befinden sich dadurch in einer geschwächten Verhandlungsposition. Es besteht die Gefahr, dass sich diese Abhängigkeiten in steigenden Kosten niederschlagen.
Die technische Weiterentwicklung mindert die Kosteneffizienz hyperkonvergenter Infrastrukturen. Die Leistungsfähigkeit von Storage-Technologien hat in den vergangenen Jahren deutlich größere Fortschritte gemacht als die Leistungsfähigkeit der Prozessoren. Die meisten Unternehmen nutzen für Storage inzwischen All-Flash-, manche sogar All-NVMe-Systeme. Dadurch wird innerhalb konvergenter Infrastrukturen immer mehr CPU-Leistung benötigt, um die Storage-Performance zu verarbeiten. Die Software, die auf den hyperkonvergenten Infrastrukturen läuft, ist in der Regel sockelbasiert lizensiert. Das führt dazu, dass Unternehmen einen signifikanten Anteil der Lizenzkosten gar nicht für den eigentlichen Zweck ausgeben, sondern die CPUs in den teuer lizenzierten Compute-Hosts zu einem großen und steigenden Anteil mit Storage-Aufgaben und -Bereitstellung belasten.
Durch die enge Verzahnung von Compute, Storage und dem übergeordneten Software-Stack zur Virtualisierung und Orchestrierung können hyperkonvergente Infrastrukturen die Agilität der IT unter Umständen einschränken. Die einzelnen Komponenten lassen sich dann kaum unabhängig voneinander einsetzen und skalieren. Die IT hat es dadurch schwer, flexibel auf neue Geschäftsanforderungen zu reagieren und den Fachabteilungen die nötigen Services für neue Applikationen schnell bereitzustellen.
Die steigende Leistung der IT-Infrastrukturen macht bei der Planung von Rechenzentren die Stromversorgung und die Kühlung zur immer größeren Herausforderung. Von vorne hinein integrierte Systeme schränken die Möglichkeiten zur Verteilung der „Hot Spots“ im Netzwerk und damit im Rechenzentrum stark ein. Dadurch erschweren sie Stromversorgung und Kühlung.
Offene Schnittstellen und Industrie-Standards statt proprietärer Technologien
Diese Nachteile können Unternehmen durch die Disaggregation ihrer IT vermeiden – wenn sie dabei auf die richtigen Systeme setzen. Sie sollten keine proprietären Technologien nutzen, sondern auf Systeme bauen, die offene Schnittstellen mitbringen und gängige Industrie-Standards unterstützen. Dazu zählen etwa x86-Standardserver für Computing und Storage und Standard-Protokolle wie das Internet Protocol (IP).
Storage-Systeme wie Dell Powerflex bringen offene Schnittstellen mit und unterstützen Industriestandards. Dadurch lassen sie sich mit vielen anderen Hardware-Komponenten und Software-Plattformen kombinieren.
(Bild: Dell Technologies)
Diese Kombination erlaubt es ihnen, beispielsweise beim Storage NVMe over TCP einzusetzen und damit als Übergabemechanismus zwischen Hardware und Software den Industriestandard Block-Storage zu verwenden. Durch IP sind sie zudem beim Networking nicht auf proprietäre Fibre-Channel-Technologie angewiesen, für die es nur noch einige wenige Anbieter gibt, sondern können IP-Switches verwenden, für die ein breites und diverses Angebot existiert.
Diese Technologien erlauben es Unternehmen, die Einschränkungen von hyperkonvergenten Infrastrukturen zu überwinden und gleichzeitig deren größte Stärken in die Welt der disaggregierten IT zu übertragen:
Sie können weiterhin Software-definierte Infrastrukturen betreiben, um ihre Ressourcen zu virtualisieren und zu orchestrieren, sowie ein einheitliches Lifecycle-Management für komplette Stacks durchführen.
Dabei sind sie deutlich weniger abhängig von einzelnen Herstellern. Sie haben eine breite Auswahl an Hardware-Komponenten und Software-Plattformen, die sie beliebig miteinander kombinieren können. Gibt es bei einer Komponente oder Software Lieferschwierigkeiten, verschwindet ihr Anbieter wegen wirtschaftlicher oder politischer Verwerfungen vom Mark oder erhöht seine Preise massiv, können Anwender sie unproblematisch durch Alternativen ersetzen.
Unternehmen können Prozessorleistung ausschließlich für Compute-Hosts bereitstellen und haben keine Sockel-basierten Lizenzkosten mehr für die Storage-Nodes. Durch diese Effizienzsteigerung der CPU-Ressourcen können die Lizenzkosten ¬– und damit auch die Total Cost of Ownership der gesamten Lösung ¬– massiv gesenkt werden.
Disaggregation ist nicht per se der bessere Ansatz
Eine disaggregierte IT ist aber nicht per se der bessere Ansatz. Unternehmen sollten deshalb für jeden Stack eine klassische Make-or-Buy-Analyse durchführen. Dann sollten sie prüfen, wie wichtig ihnen Plattformunabhängigkeit ist, um anschließend zu entscheiden, ob sie den Stack aus unabhängigen Komponenten selbst integrieren oder ein vorintegriertes System nutzen.
Bei Stacks, die geschäftskritische Anwendungen wie einen Online-Shop oder eine Produktions-Software unterstützen, mag Disaggregation unter Umständen die bessere Wahl sein. Wenn Unternehmen Kerngeschäftsprozesse, mit denen sie sich vom Wettbewerb differenzieren, mit geschlossenen Ökosystemen abbilden, können Ausfälle in der Lieferkette oder massive Preiserhöhungen äußerst problematisch werden und zu gravierenden Mehrkosten führen. Zudem sind bei solchen Prozessen Skalierbarkeit und eine schnelle Reaktion auf neue Geschäftsanforderungen entscheidende Kriterien.
Bei weniger kritischen Anwendungen und Services wie etwa einer nicht geschäftskritischen Lagerverwaltung, einer Datenbank oder einem E-Mail-System kann es dagegen sinnvoll sein, auf vorintegrierte Lösungen zu setzen und von ihren Effizienzvorteilen zu profitieren. Am Ende wird die Entscheidung also immer individuell ausfallen.
*Der Autor Marius N. Neidlinger ist Business Development Manager bei Dell Technologies in Deutschland.
Bildquelle: Dell Technologies
(ID:50071212)
Stand: 08.12.2025
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