Nachlese EMC-Dell-Merger

Dell würde vollständiger IT-Anbieter werden

| Autor / Redakteur: Holm Landrock, Prof. Dr. Andreas Gadatsch, u. a, Experton / Rainer Graefen

SWOT-Analyse zur Übernahme von EMC durch Dell.
SWOT-Analyse zur Übernahme von EMC durch Dell. (Experton Group AG, 2015.)

Am 12. Oktober 2015 hatte Dell angekündigt, einen der führenden Anbieter von External Storage zu übernehmen. Die Advisors der Experton Group sehen darin einen mutigen Schritt.

Dell unternimmt einen großen Schritt in Richtung der Vervollständigung des Portfolios. Aber der geplante Merger wirft auch Fragen auf. Die geplante Übernahme der sich in letzter Zeit nicht mehr so prächtig weiterentwickelnden EMC ist eine spannende Entscheidung für Dell.

Sie folgt dem Trend einer kontinuierlichen Konsolidierung der Anbieterlandschaft mit überwiegend traditioneller Ausrichtung. EMC hat in den letzten Jahren immer größere Schwierigkeiten gehabt, die Vorreiterrolle bei den sogenannten externen Speichersystemen aufrecht zu erhalten.

Neue Speichermethoden und Konzepte

Wettbewerbsdruck entstand aus verschiedenen Richtungen, sowohl technologisch durch weitere Flash-Anbieter, aber auch durch neue Konzepte wie PaaS und Cloud, mit denen Anwender ihre Datenspeicherung ebenfalls in den Griff bekommen können.

Ob der Merger Nachteile für die Anwender mit sich bringt, wird bei zwei so starken Unternehmen, von denen sich ja keines in großer Not oder Schieflage befindet, vor allem vom Transition-Management abhängen. Professionalität in der Post-Akquisitionsphase vorausgesetzt, werden die Erdbebenwellen für den Kunden ertragbar sein.

Dell hat bereits in den vergangenen Jahren durch eine Akquisitionsstrategie ihr Portfolio für Unternehmenskunden und Enterprise-IT gestärkt und so um die hauseigenen Server ein vollständiges Lösungsportfolio für das Rechenzentrum aufgebaut. Die Akquisitionen betrafen einige ergänzende Software-Lösungen ebenso wie Trendthemen wie Big Data oder Security (Disaster Recovery).

Ergänzendes zum Thema
 
Die Fakten zum Dell-Emc-Merger

Innovationen nicht vernachlässigen

Flash-Speicher ist zukunftsträchtig und es gibt hier nur wenige Anbieter mit eigenständigen Technologien auf dem Markt. Hier kann Unternehmensgröße zu einem Markterfolg beitragen. Dann muss Dell aber auch in R&D investieren, um das Erbe, das EMC in die Ehe einbringen soll, nicht aufs Spiel zu setzen. Wird diese Ehe also nicht nur pro forma vollzogen, könnte sie sogar zu organischem Wachstum mit eigenen neuen Produkten und Komplettlösungen führen. Dell kann jetzt auch Rechenzentren mit sehr großen Speicherlösungen liefern.

Dass Dell das Geschäft mit großen Rechnern beherrscht, hat das Unternehmen unter anderem mit den Supercomputern Stampede oder Makman-2 (mit dem Saudi-Arabien überhaupt erst in die Top500-Liste der Supercomputer eintrat) bewiesen. Gegenwärtig hält Dell zehn Plätze in dieser Liste. Beide Unternehmen sind auch relativ gut aufgestellt, was die Versorgung einschlägig bekannter Sicherheitsbehörden, vor allem in Nordamerika, angeht. Das füllt die Kriegsschatulle.

Portfolio-Überschneidungen und Kooperationen

Ganz subjektiv könnte man noch hinzufügen, dass ein Handeln gegen den Trend erfolgreich sein kann: Während sich andere große ICT-Anbieter große Bereiche aus ihrem Fleisch schneiden, ist eine so große Akquisition ein besonders mutiger Schritt und zumindest dem Sprichwort nach werden die Mutigen mit Erfolg belohnt.

Reibungsverluste könnten also gering bleiben, weil eine Server-Company und eine Storage-Company zu einer Solution-Company werden. Doch wie so oft ist die Realität weniger rosig, als sie auf den ersten Blick scheint.

Konfliktstoff liefert der wichtige Bereich VCE im Cloud-Computing-Geschäft, weil hier Partnerschaften wie mit Cisco bedacht werden müssen. Andererseits wird VMware ausgeklammert, was die Frage nach der Zukunft der Federation Story aufwirft.

Ähnlich liegt der Fall mit Pivotal, der Big-Data-Initiative/-Tochter, die im Cloud Business von Dell aufgehen könnte. Es muss also erklärt werden, wie sich das Cloud Business von EMC entwickeln soll. Dell bekommt jedenfalls mit dem Merger dringend nötiges Know-how im Bereich „Cloud/XaaS“.

Wer beliefert die Cloud?

Auch die Zukunft der Mitarbeiter ist noch völlig offen. Wie wirkt sich der geplante Merger also auf die Mitarbeitermotivation aus? Während die Ansage in den Finanzmarkt klar und optimistisch war, wurden bislang noch keine Signale für die Mitarbeiter und Partner gesehen.

Auch der durchaus strenge Betriebsrat von EMC in Deutschland muss rechtzeitig in die strategischen Entscheidungen einbezogen werden. Im Bereich Security bleibt zu klären, wessen Linie künftig weiter verfolgt wird. Beide Firmen haben ein gewisses Engagement in den Sektoren IAM und SIEM.

Ob der Deal zustande kommt, ist indes offen. Ein interessantes Detail: EMC darf sich noch einmal umsehen, ob es nicht noch einen besseren Käufer gibt, muss dann aber einen Milliardenbetrag, die Rede ist von 2,5 Mrd. US-Dollar, an Dell zahlen.

Mit dem geplanten Merger kommt zudem die Frage auf, ob und wie sehr dies den neuen Playern in der EU wie Huawei und anderen in die Tasche spielt. Einige Anbieter, darunter z.B. Actifio, wittern schon fette Beute und stimmen den Abgesang auf die klassischen Storage-Systeme an, weil ja künftig sowieso alles in der Cloud stattfindet.

Das ist kühn bis übermütig, denn auch wenn die Konzepte reifen: Zum einen besteht auch die Cloud irgendwo aus Hardware, und die kann von Dell, EMC, Cisco, HP, Huawei, IBM und vielen anderen mehr stammen.

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