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Interview mit Prof. Markus Taube

Der Masterplan "Made in China 2025"

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Ist die Angst vor dem Technologie-Ausverkauf am Ende unberechtigt?

Also würden Sie sagen, dass die Angst, die auch von den Medien gefördert wird, dass wir unsere Technologien nach China verlieren, weil sie aufgekauft und dann nach China transportiert werden, eigentlich umsonst oder zumindest zu stark geschürt wird?

Der Punkt ist schon der, dass wir hier Unternehmen haben, die sehr finanzstark sind und eine enorme Dynamik haben, die außerdem aus einem geschützten Binnenmarkt heraus operieren können. Die Gefahr ist da – ja. Was ich aber auch sagen will: Es ist verständlich, dass die Chinesen nach außen drängen wollen.

Dass das für uns im Endeffekt aber durchaus eine Gefahr sein kann oder dass hier Tafelsilber aus dem Land gebracht werden kann, ist definitiv der Fall. Gerade mittelständische Unternehmen sind meines Erachtens massiv gefährdet, weil sie diesen chinesischen Unternehmen in der Regel nichts entgegensetzen können. Das sind Unternehmen mit einer enormen Finanzkraft, die dann aus ihren geschützten Märkten heraus operieren können.

Das ist der Punkt, an dem wir ordnungspolitisch agieren müssen. Wenn Sie ein mittelständisches Unternehmen haben, das aus Deutschland heraus agiert, Technologieführer ist und beste Qualitätsprodukte hat, wie können Sie den chinesischen Markt erschließen? Sie können es über den Export oder Sie können es über eine Niederlassung in China. Das sind die klassischen Modelle. Und in beiden Bereichen haben Sie damit momentan Schwierigkeiten.

Der Export nach China ist teilweise von chinesischer Seite staatlich kontrolliert. Das hat mit freiem Markt nicht mehr viel zu tun. Das ist klarer Protektionismus. Ähnlich ist es bei Joint-Ventures oder Investitionen. Auch dort finden wir unfaire Strukturen, bei denen ausländische Investoren diskriminiert werden; sie teilweise nicht mit 100 Prozent reingehen können, in den Vertriebsnetzen diskriminiert werden, dort keinen Fuß auf den Boden kriegen usw. Damit fallen diese beiden klassischen Marktmechanismen aus.

Deshalb haben diese Unternehmen oftmals keine andere Chance, als einen chinesischen Investor mit an Bord zu holen. Das bedeutet, Teile oder das gesamte Unternehmen werden an einen Chinesen verkauft, der ihnen dann den Marktzugang im Land garantiert. An dieser Stelle wird es kritisch. Und das ist das Phänomen, das wir momentan beobachten können. Die letzte Bundesregierung hat deshalb diesbezüglich eine Initiative angestoßen, zum Schutz deutscher Unternehmen vor chinesischen Investoren.

Hat diese Initiative bereits Wirkung gezeigt?

Ich habe momentan den Eindruck, dass sie noch nicht greift. Was allerdings auch daran liegt, dass die deutsche Industrie sehr verhalten reagiert. Eigentlich will man chinesische Investoren haben. Sie schaffen neue Arbeitsplätze, investieren hier massiv und so fort. Der BDI – und viele deutsche Unternehmen – sind der Meinung, eigentlich müssten wir es anders herum machen. Wir sollten uns nicht abschotten, sondern wir sollten dafür sorgen, dass der chinesische Markt offen wird.

Wir brauchen ein "Level Playing Field", gleiche Marktbedingungen, damit wir dort genauso investieren können, wie die Chinesen bei uns. Tatsächlich ist das aus unserem Ordnungsverständnis heraus meiner Meinung nach genau der richtige Ansatz: Nicht frei nach Nietzsche das Monster zu werden, das man bekämpft, sondern dafür zu sorgen, dass das Monster so wird, wie man selber ist.

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