In einer zunehmend vernetzten Welt ist der grenzüberschreitende Datenaustausch für Unternehmen längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Cloud-Dienste, internationale Geschäftsbeziehungen und digitalisierte Prozesse machen Datenmobilität zu einer Notwendigkeit – aber auch zu einer Schwachstelle. Spätestens seit der Wiederwahl von Donald Trump zum US-Präsidenten ist das Thema Datensouveränität in Europa aktueller denn je.
Die digitale Souveränität Europas ist spätestens seit der Wiederwahl von Donald aktueller denn je.
(Bild: erstellt durch iTernity GmbH mit Canva)
Die politische Lage ist fragil und hat weitreichende Konsequenzen
Mit dem Amtsantritt Trumps im Januar 2025 wurden zentrale Kontrollinstanzen des transatlantischen Datenschutzrahmens, insbesondere das Privacy and Civil Liberties Oversight Board (PCLOB), gezielt geschwächt. Drei demokratische Mitglieder des Gremiums wurden entlassen, wodurch das Board seither nicht mehr beschlussfähig ist - denn für Entscheidungen ist eine Mindestanzahl aktiver Mitglieder erforderlich, die nun nicht mehr erreicht wird.
Dies hat zur Folge, dass es derzeit keine wirksame Kontrolle über die Einhaltung der Datenschutzstandards gibt, auf die sich das EU-US Data Privacy Framework (DPF) stützt.
Das Framework war als Nachfolger des gescheiterten "Privacy Shield" konzipiert, um europäischen Unternehmen Rechtssicherheit bei der Nutzung von US-Diensten wie Cloud-Dienste, soziale Netzwerke, E-Mail-Anbieter und andere digitale Plattformen, die Daten zwischen der EU und den USA übertragen zu gewährleisten. Die rechtliche Basis des DPF – eine Executive Order von Präsident Biden – kann durch eine einfache Gegenverfügung von Trump aufgehoben werden. Dies hat schwerwiegende Konsequenzen für den europäisch-amerikanischen Datenschutzdialog: Es drohen neue rechtliche Unsicherheiten, eingeschränkter Datentransfer und ein Rückschritt im transatlantischen Vertrauensverhältnis.
CLOUD Act und FISA 702: US-Zugriffsrechte ohne europäische Schutzmechanismen
Bereits vor der aktuellen politischen Eskalation war der Zugriff amerikanischer Behörden auf europäische Daten ein kritisches Thema. Der US CLOUD Act erlaubt es US-Behörden, auf Daten von US-Unternehmen und deren Tochterfirmen zuzugreifen – unabhängig davon, wo sich die Daten physisch befinden. Dies bedeutet, dass selbst Daten, die in einem EU-Rechenzentrum gespeichert sind, abgefragt werden könnten.
Noch weitreichender ist Section 702 des Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA 702), der Geheimdiensten den Zugang zu Kommunikationsdaten ausländischer Personen ermöglicht – ohne richterliche Kontrolle und mit potenziell massenhaftem Zugriff. Seit 2024 fällt nahezu jeder Dienstleister mit Zugriff auf Kommunikationsgeräte unter die Definition eines "electronic communication service providers". Dies betrifft auch europäische Unternehmen, die auf US-basierte IT-Infrastrukturen setzen. Die Folge ist eine erhebliche Rechtsunsicherheit für hiesige Unternehmen, da der Schutz personenbezogener Daten nach EU-Standards nicht mehr gewährleistet werden kann.
Die Wiederholung eines vertrauten Musters
Die europäischen Datenschutzvereinbarungen mit den USA sehen sich aktuell mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Weder die "Safe Harbor"-Vereinbarung noch das "Privacy Shield" konnten die Anforderungen des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) erfüllen, was zu deren Aufhebung führte. Auch das aktuelle Data Privacy Framework steht rechtlich auf dünnem Eis. Datenschutzaktivisten und Teile des EU-Parlaments sehen in der Vereinbarung kaum mehr als eine kosmetisch überarbeitete Version ihrer Vorgänger – mit ähnlich unzureichendem Schutz gegenüber US-Geheimdiensten.
Kleine Unternehmen besonders betroffen
Große Unternehmen können in der Regel eine komplexe, rechtssichere IT-Infrastruktur mit global verteilten Komponenten aufbauen. Für kleine und mittlere Unternehmen, die gängige US-Dienste wie Microsoft 365, AWS oder Google Workspace nutzen, können solche Herausforderungen erheblich sein. Die Migration sensibler Daten erfordert Ressourcen, juristisches Know-how und durchdachte Prozesse. Verstöße gegen die DSGVO können zu empfindlichen Strafen von bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes führen.
On-Premises und europäische Cloud als Antwort
In dieser Situation empfiehlt sich ein strategischer Perspektivwechsel. Für besonders schützenswerte Daten wie Geschäftsgeheimnisse, Forschungsdaten oder personenbezogene Informationen ist es unerlässlich, diese vollständig unter eigener Kontrolle zu behalten. Hier sind On-Premises-Lösungen die einzige Möglichkeit. Diese bieten maximale Transparenz und Unabhängigkeit, insbesondere in Kombination mit software-basierten Datenarchivierungs- und Datenspeicherungslösungen Made in Europe mit End-to-End-Verschlüsselung und clientseitiger Schlüsselverwaltung.
Moderne hybride Modelle bieten eine tragfähige Alternative. Dabei verbleiben sensible Daten lokal, während weniger kritische Anwendungen von der Skalierbarkeit und Flexibilität der Cloud profitieren können. Die Auswahl vertrauenswürdiger Anbieter mit Sitz und Datenstandort in Europa ist dabei von entscheidender Bedeutung. Zahlreiche europäische Cloud-Anbieter – zertifiziert nach ISO 27001, C5 oder TISAX – bieten mittlerweile hochverfügbare und DSGVO-konforme Alternativen zu den US-amerikanischen Anbietern.
So lassen sich Compliance-Anforderungen erfüllen, ohne auf moderne Infrastrukturvorteile verzichten zu müssen. Die Cloud ist also keineswegs grundsätzlich problematisch – solange sie Teil einer souveränen, datenschutzkonformen Architektur ist.
Digitale Souveränität als strategischer Erfolgsfaktor
Es geht längst nicht mehr nur um Technik oder juristische Detailfragen. Die Fähigkeit, über die eigenen Daten unabhängig und sicher zu verfügen, wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor im digitalen Europa. Die politische Unsicherheit in den USA verdeutlicht, wie schnell vertraute Abhängigkeiten zu einer Bedrohung werden können.
Der Aufbau europäischer Alternativen, sei es On-Premises, Private Cloud oder souveräne europäische Public Cloud, ist daher nicht nur eine technologische Spielerei, sondern ein Akt strategischer Selbstbestimmung. Unternehmen, die jetzt handeln, verschaffen sich nicht nur einen Compliance-Vorteil, sondern stärken auch ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber geopolitischen Krisen und regulatorischen Umbrüchen.
Fazit: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum Handeln
Die Entwicklungen in den USA zeigen, dass Rechtssicherheit im internationalen Datenverkehr keine Selbstverständlichkeit ist, sondern eine fragile Konstruktion, die jederzeit beeinträchtigt werden kann. Unternehmen in Europa müssen diese Unsicherheit ernst nehmen und aktiv gegensteuern.
Die Entwicklung souveräner Speicherstrategien – lokal, hybrid oder europäisch gehostet – ist nicht nur eine Option, sondern eine Notwendigkeit. Insbesondere für Unternehmen mit hohen Anforderungen an Vertraulichkeit, Integrität und Compliance ist es jetzt entscheidend, ihre IT-Strategie zukunftssicher aufzustellen.
Der erste Schritt zur digitalen Souveränität ist eine sorgfältige Analyse der bestehenden Datenflüsse, eine ehrliche Risikobewertung und die Entscheidung für Lösungen, die Schutz, Kontrolle und Nachhaltigkeit vereinen.
(ID:50411859)
Stand: 08.12.2025
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