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Generationswechsel beim Internet-Protokoll

Die Migration auf IPv6 geht alle Unternehmen an

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Funktion der Adressbereiche

Dank der vielen Stellen lässt sich mit der neuen Version eine Menge mehr über die Adressen regeln. So verfügt der IP-Kopfdatenbereich (Header) bei IPv6 im Gegensatz zu IPv4 über eine feste Länge von 40 Bytes beziehungsweise 320 Bits. Hier stehen etwa Informationen zur IO-Versionsnummer (4 Bits), eine Prioritätenvergabe für Quality of Service (8 Bits), ein für Echtzeitanwendungen spezifisches „Flow Label“, mit dem alle Pakete gleich behandelt werden (20 Bits), und Angaben über die Länge des Paket-Inhalts (16 Bits).

Die Fragmentierung überlanger IPv6-Pakete erfolgt nicht wie gewohnt durch den Router. Stattdessen wird der Absender mit Hilfe von ICMP-Nachrichten aufgefordert, kleinere Pakete zu schicken. Außerdem fehlt im Gegensatz zu IPv4 eine Prüfsummenberechnung für den Kopfbereich. Fehler werden in den Schichten 2 und 4 korrigiert. Damit entfällt auch die Fehlerbehandlung in Schicht 3 durch den Router.

Multicast

Geändert hat sich zudem der Multicast-Bereich, also die Möglichkeit, in IP-Netzwerken Daten effizient an viele Empfänger zur gleichen Zeit zu senden. Für die Multicast-Adresse war in IPv4 der Adressbereich 224.0.0.0 bis 239.255.255.255 (Klasse D) reserviert. In IPv6 ist jede mit FF00::/8 beginnende Adresse zuständig. Während zur Koordination bei IPv4 das Protokoll IGMP oder CGMP bei Cisco-Komponenten benutzt wird, übernimmt in IPv6 diese Steuerungsfunktion ICMPv6.

Die letzten 64 Bit werden zur Host-Adressierung verwendet. Dafür werden die 48 Bit langen eindeutigen Gerätenummern, die MAC-Adressen, die vom Hersteller einer Ethernet-Netzwerkkarte oder eines Ethernet-fähigen Gerätes vergeben werden, in die IEEE-Norm EUI-64 („Extended Unique Identifier“) umgewandelt. Es entsteht eine sogenannte „Local Link“-Adresse. Eine Erweiterung des Address Resolution Protocol (ARP) stellt sicher, dass die Adresse im LAN nicht doch vergeben ist. Das Verfahren nennt sich „Neighbour Solicitation“ und erübrigt in der Regel ein manuelles Eingreifen.

Datenschutzerweiterungen

Zudem ist IPv6 von der IETF nachträglich mit Datenschutzerweiterungen („Privacy Extensions“) ausgestattet worden. Hierfür wird die MAC-Adresse zunächst mit einer pseudozufälligen Zahl verwürfelt, um dann aus dem Ergebnis eine temporäre, global erreichbare Adresse des Gerätes zu ermitteln. Das soll verhindern, dass aufgrund der in IPv6 fehlenden dynamischen Vergabe von IP-Adressen Missbrauch getrieben werden kann, indem der Datenverkehr über bekannte Router-Adressen belauscht oder manipuliert wird.

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