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Speichermangel Die unbequeme Wahrheit: Die RAM-Krise fängt gerade erst an

Ein Gastkommentar von Steffen Eisenstein* 3 min Lesedauer

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Die RAM-Krise beschäftigt nicht nur Taiwan, aber in dieser Tech-Nation schafft sie es sogar in die Abendnachrichten. Die Lagerbestände an Speicherchips bei Samsung und SK Hynix sind dank des KI-Booms knapper denn je. Und Fakt ist: Wir haben den Höhepunkt der Speicherknappheit noch nicht erreicht. Unternehmen und Privatpersonen müssen sich auf höhere Preise und weitere Probleme einstellen.

Kein Ende in Sicht: Steffen Eisenstein von Exceleram erläutert, warum die RAM-Krise noch lange nicht vorbei ist.(Bild:  KI-generiert)
Kein Ende in Sicht: Steffen Eisenstein von Exceleram erläutert, warum die RAM-Krise noch lange nicht vorbei ist.
(Bild: KI-generiert)

Die Entwicklung wird deutlich, wenn man sich die Chronologie anschaut. Die RAM-Krise begann für uns als RAM-Händler bereits im vierten Quartal 2025. Seit Oktober letzten Jahres haben wir stark steigende Preise für DRAM gesehen. Ich erinnere mich daran, weil die damaligen Preissprünge bereits extrem waren.

Einige unserer Partner erkannten frühzeitig die drohenden Engpässe. Trotz der steigenden Preise gingen daher bereits größere Bestellungen bei uns ein. Viele Hardware-Händler begannen, sich mit RAM einzudecken. Das bedeutete: Das vierte Quartal 2025 war umsatzstark, unsere Lager wurden leer, und gleichzeitig wurde neuer DRAM immer teurer. Wir mussten deshalb unsere Preise erhöhen.

Für einen langjährigen RAM-Hersteller war diese Situation außergewöhnlich. An den Börsen verzeichneten die Aktienwerte der großen Speicherhersteller Rekordzuwächse. Der US-amerikanische Speicherhersteller Micron Technology kündigte im Dezember 2025 offiziell an, sich vollständig aus dem Endkundenmarkt für RAM und SSDs zurückzuziehen.

Doch während die großen Speicherhersteller von der Entwicklung profitieren, stehen mittelständische Unternehmen zunehmend vor Problemen. Einige unserer Partner haben beispielsweise das PC-Assembly-Geschäft als Geschäftszweig aufgegeben. Die hohen RAM-Preise machen die Kalkulation zunehmend schwieriger und führen dazu, dass sich das Geschäft für viele Anbieter schlicht nicht mehr lohnt.

2026 spricht man von der Speicherkrise

Anfang dieses Jahres sprachen Analysten und Medien von der Speicherkrise. Die Preise für DRAM stiegen weiter. Unsere Lager waren leer, neue Produktion war teuer und die Nachfrage brach ein. Wir haben sogar unseren Computex-Stand abgesagt, weil es unter diesen Bedingungen wirtschaftlich keinen Sinn ergeben hat.

Wir schalteten auf Krisenkommunikation um, es kam zu Lieferverzögerungen. Wir konnten die Produktion weitgehend aufrechterhalten, um bestehende Partner zu beliefern. Der Umsatz brach trotzdem ein. Gleichzeitig bekommen wir neue Anfragen von potenziellen Händlern, die in den RAM-Markt einsteigen wollen. Wahrscheinlich wirken die derzeit hohen Preise auf den ersten Blick attraktiv.

Im zweiten und dritten Quartal sahen wir jedoch wieder etwas mehr Nachfrage. Unternehmen und Endkunden kaufen zwar zurückhaltender, aber sie kaufen wieder RAM. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Journalisten diesen Sommer. Dort fiel der Satz: „Die Leute haben akzeptiert, dass RAM halt einfach teurer geworden ist und nicht mehr billiger wird.“

Die Wahrheit ist jedoch: Hohe RAM-Preise führen auch zu einer geringeren Nachfrage und einem härteren Wettbewerb. Die tatsächlichen Margen sind daher kleiner, als man angesichts der aktuellen Preise vermuten könnte. Auch der Einstieg in den Markt als Händler ist schwierig.

Als RAM-Hersteller sehen wir eine neue Stufe der Eskalation

Leider ist keine Normalisierung in Sicht. Stattdessen sehen wir als RAM-Hersteller erst den Anfang der Krise. Wir haben als Hersteller dazugelernt, aber der Markt ist brutal. Noch nie war es so schwer, DRAM zu bekommen wie jetzt. Teilweise sehen wir seit Wochen keine Angebote für die von uns gewünschten Chips. Gleichzeitig wird die Versorgungssicherheit immer schwieriger.

Steffen Eisenstein, VP Product bei Exceleram.(Bild:  Exceleram)
Steffen Eisenstein, VP Product bei Exceleram.
(Bild: Exceleram)

Es geht längst nicht mehr nur um ein neues Allzeithoch bei den Preisen. Es geht nicht mehr ausschließlich um überteuerten DRAM oder andere Komponenten. Stattdessen gibt es schlicht keine verlässlichen Liefermöglichkeiten mehr.

Die Krise ist inzwischen so tiefgreifend, dass auch die Entwicklung neuer Consumer-Hardware ausgebremst wird. NVIDIA steht beispielsweise in der Gaming-Community schon lange in der Kritik. Viele PC-Spieler fühlen sich vernachlässigt.

Das ist die unbequeme Wahrheit: Die RAM-Krise ist noch lange nicht vorbei. Sie hat möglicherweise gerade erst begonnen.

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* Der Autor: Steffen Eisenstein, VP Product bei Exceleram

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