Wer im Rechenzentrum Strom sparen will, muss größere bauen

Die Wärmeabfuhr wird wichtiger als die Rechenleistung

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Dreifache Revolution

„Wir brauchen eine dreifache Revolution, um unsere Ziele zu erreichen“, erläutert Reger, „mit einem einfachen Upgrade ist es nicht getan. Nötig sind andere Räume, andere Gebäude, andere Software und natürlich auch verbesserte Server in klimatisch optimierten Racks.“

Die Rechenpower bleibt dabei nicht auf der Strecke, verliert aber ihren Rang als entscheidendes Kaufargument. „Leistungssteigerung ist nach wie vor wichtig, aber nicht mehr unser primäres Ziel“, so Reger.

Wirklich wichtig ist vielmehr eine ökologisch verträgliche IT, die dazu noch so ökonomisch reizvoll ist, dass der Umstieg auf die Cloud sinnvoll erscheint, denn in ihr, da ist sich Fujitsu sicher, liegt die Zukunft. Schließlich verkauft die Firma nicht nur Hardware, sondern auch MIPS als Dienstleistung.

Kühlleistung steht im Zentrum der Debatte

Gekühlt wird meist über große Wärmetauscher auf dem Dach. Gerade in heißen Gegenden keine gute Idee. Würde man kaltes Wasser gegen warme Luft tauschen, sähe die Rechnung deutlich günstiger aus.

Hier kommt die Physik ins Spiel, die einen möglichst großen Temperaturunterschied zwischen zu kühlender Abwärme und Kühlmedium bevorzugt. In gemäßigten und kalten Zonen ist es sehr viel günstiger, große Energiemengen in die Umwelt zu entsorgen, als bei 50 Grad Celsius Außentemperatur.

„Wir brauchen einen radikalen Umbau unserer Rechenzentren“, sagt Reger, „die jetzigen Anlagen sind zu ineffizient“. Um Kühlenergie und damit Kosten zu sparen, müssten die Serverfarmen weg aus heißen und trockenen Gebieten.

Statt Kalifornien und Mojave Wüste also Kanada oder Alaska. Statt Rom und Athen lieber Helsinki oder Stockholm. Große Flüsse in der Nähe sind durchaus erwünscht, denn auch sie helfen, Abwärme zu entsorgen. Eine Standortverlagerung und ein kompletter Neubau rechnen sich aber erst ab einer bestimmten Größe.

Monster Rechenzentren

„Ich rechne mit Rechenzentren, die deutlich mehr Server beherbergen als heute,“ so Reger, „einige Hunderttausend, vielleicht sogar bis zu einer halben Million.“ Wer wird sich diese Investitionssumme leisten können? Nicht viele, so viel steht fest.

Es wird in Zukunft deutlich weniger Rechenzentren geben als heute, glaubt Fujitsus CTO. Ob Europa mithalten kann, steht in den Sternen. „Viele dieser Rechenzentren werden in Amerika und in Asien stehen“, so Reger.

Und auch dann müssen die Voraussetzungen stimmen. Zwingend notwendig ist eine ausreichend stabile und leistungsfähige Datenautobahn. Das ist ein Grund, warum erst 2015 die Zeit für das „ein Drittel“ Rechenzentrum reif sein dürfte.

In Servern zu denken, ist kleinkariert

Es gibt aber auch ganz praktische, technische Probleme, die noch der Lösung harren. Die Konzentration wirft neue Fragen auf. „Wie nimmt man eigentlich 100.000 Server in Betrieb? fragt Reger rhetorisch in die Runde und gibt gleich selbst seine Einschätzung ab: „So wie bislang geht es nicht.“

Größere Einheiten müssen her, etwa Container mit jeweils 1.000 Servern, die man „en bloc“ an- und abschalten kann. Eventuell mit fix installiertem Kühlsystem. „Die Granularität wird abnehmen“, behauptet Reger, „der Trend geht klar zu größeren Einheiten“.

In hochverdichteten Ballungszentren wie New York, Tokio oder Frankfurt ist es praktisch unbezahlbar, ein Rechenzentrum der angestrebten Größenordnung neu zu bauen. Warum also nicht billigen Baugrund mit kühlen Außentemperaturen kombinieren? Erneut ein Argument, dass für Stockholm und Alaska spricht – gute Datenautobahnen vorausgesetzt.

Den zweiten Teil lesen Sie morgen Mittag.

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