Mit Digitalisierung zu mehr Klimaschutz: Eine aktuelle Bitkom-Studie zeigt, dass Deutschland bis 2030 bis zu 120 Megatonnen CO2 einsparen könnte, wenn in verschiedenen Bereichen verstärkt auf digitale Technologien gesetzt wird.
Laut einer Bitkom-Studie können durch digitale Technologien bis 2030 bis zu 120 Megatonnen Kohlenstoffdioxid einspart werden, wenn in verschiedenen Bereichen verstärkt auf digitale Technologien gesetzt wird.
(Bild: Pixabay)
Bis zum Jahr 2030 hat Deutschland sich als Klimaziel gesetzt, den Ausstoß von CO2 um 262 Megatonnen zu reduzieren. Im Jahr 2019 lag der CO2-Ausstoß bei 805 Megatonnen, bis 2030 soll er lediglich 543 Megatonnen betragen. Dabei können, laut einer Bitkom-Studie, digitale Technologien fast die Hälfte zu den Einsparungen beitragen. Die Bitkom-Studie wurde von Umwelt- und Digitalisierungsexperten von Accenture durchgeführt.
In der Studie werden insgesamt sieben Anwendungsbereiche für digitale Technologien untersucht, in denen ein besonders großer CO2-Einspareffekt erzielt werden kann. Die ersten vier Anwendungsbereiche hat Bitkom jetzt vorgestellt. Dabei handelt es sich um die Bereiche industrielle Fertigung, Mobilität, Gebäude sowie Arbeit & Business. Bis Frühjahr 2021 folgen Landwirtschaft, Energie und Gesundheit.
Größtes CO2-Einsparpotential in der industriellen Fertigung
In der industriellen Fertigung könnte der größte CO2-Anteil eingespart werden.
(Bild: Bitkom)
Im Bereich der industriellen Fertigung entfalten digitale Technologien das größte CO2-Einsparpotenzial unter den betrachteten Anwendungsbereichen: Bis zu 61 Megatonnen CO2 können bei einer beschleunigten Digitalisierung bis 2030 eingespart werden – und 35 Megatonnen bei einem moderaten Digitalisierungstempo.
Maßgebliche Technologie ist zum einen die Automatisierung in der Produktion, bei der Anlagen und Maschinen, Werkstücke und ihre Bauteile miteinander vernetzt sind und Prozesse selbstständig unter möglichst geringem Material- und Energieeinsatz ablaufen. Zum anderen sorgt der sogenannte Digitale Zwilling für deutliche CO2-Einsparungen: Diese virtuellen Abbilder von kompletten Produktions- und Betriebszyklen machen es möglich, dass Verfahren zunächst am digitalen statt am realen Objekt getestet werden – so können massiv Material, Energie und Ressourcen gespart werden.
Bis zu 28 Megatonnen CO2 bei einer beschleunigten Digitalisierung und 17 Megatonnen CO2 bei einer moderaten Digitalisierung lassen sich bis 2030 in diesem Bereich einsparen. Bedeutender Hebel ist hier zum einen eine intelligente Verkehrssteuerung, bei der etwa Sensoren an der Straße oder GPS-Systeme in Autos Daten liefern, mit denen Ampeln geschaltet, Verkehrsströme umgeleitet oder öffentliche Transportmittel gestärkt werden können.
Zum anderen liegen große Potenziale in einer smarten Logistik, die Leerfahrten vermeidet und Frachtrouten optimiert. Auch die Sharing Mobility, die nicht nur Car-Sharing, sondern auch Ride-Sharing umfasst, bei dem sich mehrere Fahrgäste mit ähnlicher Zielrichtung ein Fahrzeug teilen, kann für eine effizientere und ressourcenschonendere Mobilität sorgen.
Smart-Home-Technologien sparen bis zu 16 Megatonnen CO2 ein
Ein Zuhause, das die Heizkörper automatisch herunterregelt, wenn ein Fenster geöffnet wird, oder das Licht löscht, wenn die Bewohner zur Arbeit gehen: Smart-Home-Technologien helfen schon heute vielen Menschen dabei, Energie einzusparen. Auch in großen Büro- und Geschäftskomplexen werden digitale Lösungen eingesetzt, die Heizung, Lüftung oder Klimatisierung je nach Wetterverhältnissen oder Anzahl der anwesenden Angestellten automatisch regeln. Smart Homes und intelligente, vernetzte Gebäude können bei einer moderaten Verbreitung der entsprechenden Technologien bis 2030 rund 16 Megatonnen CO2 einsparen. Bis zu 19 Megatonnen sind es, wenn die Verbreitung smarter Technologien schneller vorangetrieben wird.
Von zu Hause aus zum Klimaschutz beitragen
Zu Hause arbeiten statt ins Büro pendeln: Jeder Tag im Homeoffice kann einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. 2019 haben erst 12 Prozent der Berufstätigen in Deutschland im Schnitt zwei Tage pro Woche im Homeoffice gearbeitet. Bei einer moderaten Entwicklung erreicht dieser Wert im Jahr 2030 48 Prozent – und 55 Prozent bei einer beschleunigten Digitalisierung der Büroarbeit. Auch der Ersatz von Geschäftsreisen durch Videokonferenzen sowie eine Reduktion von Büroflächen fallen ins Gewicht. Zwischen 10 und 12 Megatonnen CO2 könnten so bis 2030 eingespart werden.
Der CO2-Fußabdruck der Digitalisierung
Die Bitkom-Studie hat nicht nur das Potenzial der Digitalisierung untersucht, sondern auch den CO2-Ausstoß, der von den Technologien selbst ausgeht. Denn auch Herstellung und Betrieb von Endgeräten wie Smartphones, Computer oder Tablets verursachen CO2-Emissionen. Unter der Voraussetzung, dass die Digitalisierung in einem moderaten Tempo fortschreitet, werden jährlich lediglich 16 Megatonnen CO2 ausgestoßen. Bei der beschleunigten Digitalisierung sind es 22 Megatonnen, die ausgestoßen werden. Fazit der Studie: Das CO2-Einsparpotenzial der hier betrachteten digitalen Technologien ist rund fünfmal höher als ihr eigener Ausstoß.
30 Prozent CO2-Einsparungen bei moderater Entwicklung
Digitalisierung hat ein großes Potential, den CO2-Ausstoß deutlich zu senken.
(Bild: Bitkom)
Entscheidend ist, mit welchem Tempo der Einsatz der Digitalisierung in der kommenden Dekade vorangetrieben wird. So beziffert die Studie das CO2-Einsparpotenzial der betrachteten vier Bereiche bei einer eher moderaten Entwicklung der Digitalisierung, wie sie aktuell in Deutschland stattfindet, auf rund 78 Megatonnen bis zum Jahr 2030 – das sind 30 Prozent der notwendigen CO2-Einsparungen. Mit einer beschleunigten und gezielten Digitalisierung ist die Reduktion mit den genannten 120 Megatonnen CO2 größer und beträgt 46 Prozent der notwendigen Einsparungen.
Stand: 08.12.2025
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Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal Elektrotechnik.