Wo bis vor wenigen Jahren Vermessungstrupps zu Fuß unterwegs waren, fliegen heute Drohnen am Himmel. Sie liefern präzise Daten – aber auch wachsende Datenmengen. Am Beispiel des Vermessungsbüros Topodat wird deutlich, warum es einer IT-Expertise bedarf und worauf es ankommt.
Martin Koenig von Topodat bei der Vermessung eines Steinbruchs in der Nähe von Würzburg.
(Bild: Topodat)
Kaum ein anderes Gerät steht so sehr für technologischen Fortschritt – und zugleich für kontroverse Diskussionen – wie die Drohne. Denn ursprünglich ist die Drohne aus der Militärtechnik hervorgegangen. Doch sie birgt auch enormes Potenzial für die Landschaftsvermessung. Das erkannten die Gründer von Topodat Martin Koenig, Frederic Schwarzenbacher und Detlev Will schon früh. Die geeigneten Drohnen sind klein, flexibel und mit hochauflösenden Sensoren ausgestattet. Sie liefern detailgenaue Aufnahmen ganzer Landschaften. Das junge Vermessungsbüro Topodat erstellt 2D- und 3D-Modelle sowie auch 4D-Zeitserien für ihre Kunden – doch diese Revolution hat ihren Preis: Daten, riesige Datenmengen, die gespeichert und verwaltet werden müssen.
Mit jeder neuen Vermessung wächst die Herausforderung, die Flut an Informationen zu sichern und zugänglich zu halten. Schwarzenbacher betonte im Gespräch mit Storage-Insider, dass sie „von Anfang an vorausschauend in die Technik investiert“ hätten. Die Datenmenge, die bei den Projekten anfalle, sei für das Team nicht überraschend gewesen. Das Unternehmen gründeten Koenig und Schwarzenbacher im Jahr 2022, und das Team verdoppelte sich bereits in den ersten Geschäftsjahren. Doch das Datenmanagement stellte plötzlich ein Problem für die Gründer dar, „denn die Zusammenarbeit an Projekten“ war für das wachsende Team nicht möglich. „Also musste ein zentraler Datenzugriff ermöglicht werden“, erklärte Schwarzenbacher. Koenig sagte: „Ein weiterer Trend ist, dass wir größere Projekte im Vergleich zu unserer Anfangsphase umsetzen. Unsere Projekte umfassten zu Beginn drei bis fünf Hektar. Mittlerweile fliegen wir Projekte mit weit über 300 Hektar.“ Dadurch falle eine große Datenmenge an, die im Anschluss von Topodat visualisiert werden müsse.
Das Unternehmen Topodat ist in ganz Deutschland tätig und legt daher auch lange Strecken für die Landschaftsvermessung zurück.
(Bild: Topodat)
Die passende Speicherinfrastruktur für komplexe Daten
Für Topodat wurde die Frage nach der passenden Speicherinfrastruktur so drängend, dass externe Hilfe unausweichlich wurde. Hierfür beauftragte das Unternehmen den IT-Berater Armin Lediger, der bereits „seit 20 Jahren in der IT als Berater für kleine Unternehmen in der Region um Würzburg tätig“ ist. Seine Firma Lediger Consulting GmbH deckt ein breites Feld an IT-Unterstützung ab. Im Gespräch mit Storage-Insider sagte er: „Ich bin in den Bereichen Telefonanlagen, E-Mail-Hosting, aber vor allem mit Funknetz tätig.“
Wenn Lediger Unternehmen berät, legt er Wert darauf, seinen Kunden unterschiedliche Lösungen anzubieten. Das hänge einerseits damit zusammen, dass er die Preisgestaltung transparent machen wolle, und andererseits damit, dass die Kunden so die Produktvielfalt kennenlernten. Im Fall Topodat entschieden sich die Gründer gemeinsam mit dem IT-Berater für das NAS-System DS1522+ von Synology. Lediger stattete das NAS mit fünf 20-TB-HDDs aus. Um die Speicherarchitektur redundant zu gestalten, erwarb Topodat diese Lösung zweimal, und die Systeme befinden sich an geographisch unterschiedlichen Standorten.
Mit ihren Drohnen können Koenig und Schwarzenbacher eine Vielzahl von Daten sammeln. Neben den einfachen Bildaufnahmen setzt das Unternehmen auch auf „Multispektraldaten. Mit dieser Technik können wir unter anderem Informationen über die Vegetation sammeln und so die Vegetationsgesundheit kartieren“, erläuterte Koenig. Beispielsweise könne durch diese Technik bei bepflanzten Dächern überprüft werden, wie es um den Zustand der Pflanzen stehe. Immer mehr Neubauten, wie auch unter anderem das Augsburger Rechenzentrum „LEW Green Data Center“, das sich aktuell in der letzten Bauphase befindet, setzen auf begrünte Dächer. Doch das Sammeln zusätzlicher Daten, die auch teils außerhalb des sichtbaren Bereichs liegen, „führt natürlich auch dazu, dass wir noch mehr Daten speichern und verarbeiten müssen“, erläuterte Koenig.
Weiter erklärte er, dass die Drohnen „je nach Zweck des Einsatzes mit verschiedenen Sensoren ausgestattet werden“. Beispielsweise vermessen Koenig und Schwarzenbacher auch mit Lidarscannern. Die kleinste Drohne des Unternehmens wiegt unter 250 Gramm, und die schwerste bringt mitsamt Ausstattung neun Kilogramm auf die Waage.
Das Team von Topodat bei der Arbeit mitten auf dem Feld. Zu sehen sind Friederike Schäfer, Martin Koenig (l.) und Frederic Schwarzenbacher.
(Bild: Topodat)
Von der Vision zum Konzept
Schwarzenbacher und Koenig wussten schon früh, wohin die Reise sie bringt. Von Beginn an hatten sie die Vision, mit Drohenvermessungen die Landschaftsvermessung zu modernisieren. Kennengelernt haben sich die Gründer im Masterstudiengang Erdbeobachtung/Fernerkundung. In diesem Studiengang werden unter anderem Umweltveränderungen mithilfe von Satellitenbildauswertungen beobachtet. Diese Veränderungen untersuchte Schwarzenbacher in Äthiopien im Rahmen seiner Masterthesis, und Koenig befasste sich mit Waldbränden in den USA. Das Thema Drohnen spielte zum damaligen Zeitpunkt im Rahmen des Studiums eine untergeordnete Rolle. Als Koenig dann im Ingenieurbüro Will in Ulm ein Praktikum absolvierte, erkannte er das Potential der Drohnen. Hierzu sagte Koenig: „Als ich im Jahr 2017 im Ingenieurbüro Will arbeitete, begann die Drohnenvermessung eine wichtigere Rolle zu spielen, da sie robuster und einsetzbarer wurde für Vermessungsaufträge. Ich erkannte das Potenzial und setzte es dann gemeinsam mit Detlev Will ein.“
Geschäftsführer Martin Koenig und Friederike Schäfer bei der Konfiguration der Drohne.
(Bild: Topodat)
Die Gründer betonten, dass sie sich auch intensiv mit rechtlichen Fragen in ihrem Arbeitsalltag beschäftigen müssten. Denn das Drohnenflugrecht in Deutschland ist streng und stellt eine bürokratische Herausforderung dar, wie Schwarzenbacher erläuterte. Um Genehmigungen einzuholen, steht Topodat stets im Kontakt mit Gemeinden, um Genehmigungen einzuholen, und dies „kann leider manchmal Wochen oder Monate in Anspruch nehmen“, erklärte Koenig. Doch das Vermessungsbüro Topodat steht mit den Gemeinden auch im Austausch, um Projekte zu realisieren.
Stand: 08.12.2025
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So vielfältig, wie die Drohnentechnologie ist, so vielfältig sind auch die Projekte, die das Unternehmen umsetzt. Koenig erklärte: „Wir arbeiten interdisziplinär. Das heißt, dass beispielsweise Tiefbauunternehmen, Energieversorger aber auch Kommunen zu unseren Kunden gehören. Visualisierungen machen wir in erster Linie für Solar- und Windkraftanlagen-Projektentwickler.“ Grund hierfür: Dank der Drohnenvermessung können Gebiete schnell und effizient beflogen werden. Im Anschluss bereitet das Team die Daten so auf, dass die Kunden die Projekte innerhalb ihrer hauseigenen Software-Lösungen weiterbearbeiten können. Hier kommen auch Programmierkenntnisse ins Spiel, erläutert Schwarzenbacher. Da die Gründer in der Projektvisualisierung und der Programmiertätigkeit Überschneidungen mit der Gaming-Entwicklung sehen, suchen sie nun Verstärkung aus dieser Fachrichtung für ihr Unternehmen.
NAS anstelle des Cloud-Speichers
Doch warum hat sich Topodat für die NAS-Speicherlösung entschieden? Im Gespräch mit Storage-Insider betonte IT-Berater Lediger, dass die Wahl zwischen einer On-Prem- oder einer Cloud-Speicherlösung von der Datenmenge abhängt – „wenn wir über Speichergrößen wie die von Topodat sprechen, dann wird ein Cloud-Zugang sehr teuer. Daher ist aus meiner Sicht die On-Premises-Lösung die sinnvollere.“ Lediger erläuterte, dass bei einem jungen Unternehmen wie Topodat eine Speicherlösung habe gewählt werden müssen, die skalierbar und sicher sei. Um eine zukunftssichere IT-Architektur zu garantieren, lege der Berater Wert darauf, den Kunden die verschiedenen Lösungen ausführlich zu erläutern. „Auch die zwischenmenschliche Beziehung ist in meiner Tätigkeit als Berater wichtig: Ich muss die Kunden verstehen, und sie müssen mich verstehen“, stellte Lediger klar.
Selbstfliegende Drohnen und KI – wohin geht die Reise?
Schon heute bietet die Drohnentechnologie viel: Aber wie wird wohl die Landschaftsvermessung der Zukunft aussehen? Die Gründer berichteten von der selbstfliegenden Drohne namens Dock 2 des chinesischen Herstellers DJI. Noch sei es schwierig, diese Techniken bei der Vermessung einzusetzen, da es strenge Auflagen gebe. Aber die Unternehmer sehen großes Zukunftspotential in selbstfliegenden Drohnen.
Darüber hinaus bescheinigen Martin Koenig und Frederic Schwarzenbacher auch Künstlicher Intelligenz (KI) ein Potential für ihre Landschaftsvermessung. Die KI könnte das Steuern der Drohne übernehmen und zudem bei der Datenauswertung zum Einsatz kommen.